Ist ein Handy (Themenbild) vielleicht gar nicht so harmlos?

Italiener bekam wegen Handy Tumor: Pension zugesprochen

Montag, 07. November 2022 | 09:59 Uhr

13 Jahre lang telefonierte ein italienischer Techniker im Durchschnitt zweieinhalb Stunden pro Tag beruflich mit seinem Handy. Als der 63-Jährige entdeckte, dass er einen gutartigen Tumor im Ohr entwickelt hatte, beantragte er bei der Arbeitsunfallversicherungsanstalt INAIL eine Berufskrankheitspension.

Die Versicherungsanstalt wurde von einem Berufungsgericht in Turin dazu verurteilt, dem Techniker aus der norditalienischen Stadt Aosta die Pension zu gewähren, weil er an einem Akustikusneurinom erkrankt ist, einem gutartigen Tumor, der einen Nerv im Ohr befällt. Die Anstalt hatte den Antrag auf Entschädigung abgelehnt. Die Anwälte des Mannes konnten vor Gericht jedoch den Kausalzusammenhang zwischen der längeren Nutzung von Mobiltelefonen aus beruflichen Gründen und dem Tumor beweisen und erhielten ein positives Urteil zunächst vom Gericht in Aosta und nun vom Berufungsgericht in Turin.

Dies ist weltweit der zweite Fall, der zugunsten eines Arbeitnehmers entschieden wurde, der von der gleichen Krankheit betroffen war, teilten die Anwälte des Mannes laut der Tageszeitung “La Repubblica” mit. Das gefällte Urteil sei das Ergebnis “einer intensiven wissenschaftlichen Debatte”, erklärten die Anwälte.

Vor einigen Jahren hatte das Berufungsgericht Turin einem ehemaligen Angestellten der Telecom Italia, der von derselben Anwaltskanzlei vertreten wurde, eine Entschädigung für die lange Exposition gegenüber den vom Mobiltelefon ausgestrahlten Frequenzen zuerkannt.

Die beiden Gutachter des Gerichts hatten bereits festgestellt, dass das Mobiltelefon den Tumor “mit hoher Wahrscheinlichkeit” verursacht hatte. INAIL wurde daraufhin zur Zahlung einer Berufskrankheitspension von rund 350 Euro monatlich im Jahr 2020 verurteilt. Die Sozialversicherungsanstalt hatte jedoch gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt und ein neues Gutachten angefordert. Das Berufungsgericht hatte damit Roberto Albera, Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde an der Universität Turin, zum Gutachter ernannt. Auch er bestätigte die hohe Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs zwischen Hochfrequenzexposition und der Erkrankung des Patienten.

Der 63-Jährige hatte sein Mobiltelefon immer über das linke Ohr benutzt, da das rechte durch ein früheres Trauma bereits verletzt war. Insgesamt wurden zwischen 1995 und 2008 13.000 Stunden am Handy berechnet. Er wurde wegen des Tumors operiert und erlitt eine völlige Taubheit auf diesem Ohr sowie eine Schädigung des Gesichtsnervs, die zu einer Lähmung auf dieser Gesichtshälfte und zu Depressionen führte.

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Italiener bekam wegen Handy Tumor: Pension zugesprochen"


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Rationalist
Rationalist
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Bei zwei Fällen weltweit muss man mit diesem Risiko leben. Wenn man andere Arbeitsunfälle vergleicht ist dort das Risiko deutlich höher.

genau
genau
Kinig
1 Monat 1 Tag

Wie ist das eigentlich bei der Verwendung eines Headset?
Bluetooth ist doch weniger “schädlich” als es Lichtwellen sind?

lissi81
lissi81
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@genau
Stell mir gerade gleiche Frage, muss das Headset den ganzen Tag tragen. Wie “gesund” sind den die

GTH
GTH
Superredner
1 Monat 1 Tag

@genau lichtwellen 🤔

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 1 Tag

Nun , das wäre wie wenn ich neben meinen Musik Boxen, 1000 Watt je Box, 10 Jahre auf Level 50 hören würde und die Lieferanten danach verklagen würde, es wäre zu laut, nein , es dürfte Musik Boxen nicht geben!

Savonarola
1 Monat 1 Tag

vielleicht doch eher schuld von FB und tinder?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 1 Tag

Wäre interessant zu erfahren, wie man bei einem Einzelfall den Kausaltusammenhang beweisen und damit ausschließen kann, dass nicht andere Gründe oder “Zufall” (was immer das sein mag) der Grund war. Solche Neurinome des Hörnervs gab es schon vor es Handys gab.

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