Der Streit über einen europäischen Ski-Lockdown ist voll im Gange

Italienische Regionen fordern im Skistreit Grenzschließung

Dienstag, 01. Dezember 2020 | 16:21 Uhr

Die oberitalienischen Regionen schlagen der Regierung in Rom die Schließung der Grenze während der Weihnachtszeit vor, sollte es zu keiner gesamteuropäischen Einigung über ein Skiverbot kommen. “Somit wollen wir verhindern, dass die Italiener dorthin ziehen, wo die Skipisten offen sind”, wie etwa nach Österreich, in die Schweiz oder nach Slowenien, betonte der Präsident Liguriens Giovanni Toti, im Interview mit der Tageszeitung “La Stampa”.

“Wir wollen nicht einen doppelten Schaden erleiden, und zwar dass unsere Skianlagen geschlossen werden und unsere Touristen ins Ausland ziehen und mit dem Coronavirus zurückkehren”, sagte der Mitte-Rechts-Politiker Toti. Zugleich forderte er Stützungsgelder für die im Wintertourismus aktiven Betriebe, die wegen des Skiverbots schwere Verluste erleiden werden.

“Wenn Italien seine Skianlagen schließt und Österreich, Slowenien und Frankreich offen halten, bricht alles zusammen. Wir werden sehen, ob Italiens Außenpolitik und die Diplomatie ausgerechnet bei der Problematik des Skiurlaubs scheitert”, kommentierte der Präsident der norditalienischen Region Venetien, Luca Zaia.

Als alternative Lösung schlugen die norditalienischen Regionen die Öffnung der Skipisten über die Weihnachtsfeiertage, aber nur für Gäste von Hotels und Ferienwohnungen vor. Nur wer mindestens eine Nacht in einem Hotel in den Bergdörfern verbringt oder dort eine Ferienwohnung besitzt bzw. mietet, soll Zugang zu den Skipisten erhalten, heißt es in einem Schreiben der Beauftragten für Bergtourismus der norditalienischen Regionen an die Regierung von Premier Giuseppe Conte. Zugleich forderten die Regionen Reisefreiheit über die Weihnachtsfeiertage für Touristen, die einen Urlaub in einer Bergregion gebucht haben.

“Wir fordern eine Kompromisslösung, um eine komplette Schließung der Berggemeinden zu verhindern. Auf dem Spiel steht das Überleben der Berggebiete, ihrer Arbeitnehmer und einer Wirtschaftsbranche, die 20 Mrd. Euro Umsatz generiert”, hieß es in dem entsprechenden Schreiben.

Die Schweiz wird über den Winter zur Wintersport-Insel: Die Skilifte sollen dort trotz Pandemie über die Festtage offen bleiben, während Nachbarländer sich für Schließungen aussprechen. Trotzdem dürften kaum ausländische Gäste auf die Schweiz ausweichen. Deutschland, Frankreich und Italien wollen ihre Wintersportorte aus Angst vor möglichen Coronavirus-Ansteckungen bis im Jänner geschlossen halten. Und sie machen sich dafür stark, dass sämtliche Skigebiete in Europa schließen. Die Schweiz dagegen wehrt sich ebenso wie Österreich gegen diesen Schritt. Die Losung lautet: Schutzkonzepte statt Schließungen.

Schweizer Tourismus- und Bergbahnvertreter sind zuversichtlich, dass dies reicht, damit es nicht zu einem zweiten Ischgl kommt. Der Tiroler Wintersportort hatte sich während der ersten Infektionswelle zu einem Corona-Hotspot entwickelt. Als Profiteure von Schließungen in benachbarten Alpenländern sehen sich die eidgenössischen Touristiker aber nicht. Denn erwartet werden vorwiegend Schweizer Gäste. Aus dem Ausland dürften kaum Urlauber kommen. Gäste aus dem wichtigsten Auslandsmarkt Deutschland haben ihre Reisen vielfach vorsorglich storniert und warten nun die Entwicklung ab.

Der Grund dafür ist klar: Reisebeschränkungen im Ausland und die Quarantänepflicht bei einer Rückreise aus der Schweiz verhindern weitgehend, dass Gäste aus dem Ausland kommen. Zudem sei es im Interesse der Schweiz, die guten Beziehung zu den Nachbarstaaten aufrechtzuerhalten, meint Simona Altwegg von Zermatt Tourismus.

Bayern appelliert indes weiterhin an die anderen Alpenländer, die Pisten auch über Weihnachten und Silvester nicht zu öffnen. Auch wenn sich “unsere Freunde” in Österreich und der Schweiz jede Einmischung verbieten, könne er am Ende des Tages nur raten, es wie Deutschland zu tun, sagte Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Statt die Pisten, Hotels und Lifte zu öffnen, sollten die von der Schließung betroffenen Branchen lieber 75 Prozent der Umsätze vom Staat erstattet bekommen und die Skigebiete geschlossen bleiben.

Frankreich will seine Bürgerinnen und Bürger davon abhalten, zu Weihnachten in Skigebiete im Ausland zu reisen. Wenn es Länder gebe, die ihre Skigebiete offen halten, werde man Kontrollmaßnahmen haben, um die Französinnen und Franzosen davon abzuhalten, sich in diese Gebiete zu begeben, sagte der Präsident Emmanuel Macron am Dienstag in Paris. “Also ja, wir werden restriktive und abschreckende Maßnahmen haben.” Diese sollen in den kommenden Tagen abgestimmt werden.

Von: apa

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