Alitalia-Hauptquartier in Rom

Italiens Regierung gegen gestückelten Verkauf der Alitalia

Donnerstag, 27. April 2017 | 13:16 Uhr

Die italienische Regierung wehrt sich gegen den gestückelten Verkauf der Alitalia. “Alitalia darf nicht zerstückelt werden. Das Potenzial ist vorhanden, damit die Airline ganz verkauft wird”, so Verkehrsminister Graziano Delrio laut Medienangaben. “Die Regierung wird alles in ihrer Macht tun, damit der Flugbetrieb bis zum Verkauf der Airline fortgesetzt wird”, sagte er weiters.

Delrio bestätigte Pläne der Regierung, in Brüssel einen Brückenkredit von bis zu 400 Mio. Euro zu beantragen, um den Flugbetrieb weiteraufrecht zu erhalten. Die Hauptversammlung der Alitalia-Aktionäre entscheidet am kommenden Dienstag über die Insolvenz für die marode italienische Airline. Die Fluggesellschaft soll unter Aufsicht eines Sonderverwalters gestellt werden, berichteten italienische Medien. Dieser könnte die Auflösung der Fluglinie beschließen oder sich auf die Suche nach Interessenten machen. Eine Mehrheit der Angestellten hatte am Montag den Sanierungsplan abgelehnt, der Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen vorsah.

Die AUA-Konzernmutter Lufthansa will die schwer angeschlagene Alitalia unterdessen nicht übernehmen. Man sei an einem Kauf des italienischen Rivalen nicht interessiert, sagte Finanzchef Ulrik Svensson am Donnerstag.

Die AUA bereitet sich unterdessen auf die drohende Insolvenz der Alitalia vor und will bei Bedarf die Italien-Kapazitäten ausbauen. “Wir beobachten die Situation sehr genau”, sagte AUA-Finanzvorstand Heinz Lachinger am Donnerstag in einem Conference Call. Ein abruptes Grounding der Alitalia erwartet die AUA nicht. “Wir gehen nicht davon aus, dass in den nächsten 6 Monaten der Flugbetrieb eingestellt wird.”

Als Branchenteilnehmer sieht der AUA-Vorstand die Entwicklung bei der Alitalia “nicht mit Freude”. Um italienischen Passagieren zu helfen, will die Austrian Airline (AUA) bei Bedarf zusätzliche Kapazitäten frei machen oder größere Flugzeuge einsetzten. Die AUA fliegt derzeit nach Mailand, Bologna, Florenz und Venedig, aber nicht in die italienische Hauptstadt Rom.

Von: apa