Verstaatlichung wird weiter ausgeschlossen

Italiens Regierung will Airline Alitalia im Ganzen verkaufen

Donnerstag, 04. Mai 2017 | 08:47 Uhr

Nachdem die angeschlagene Airline Alitalia am Dienstag unter Insolvenzverwaltung gestellt worden ist, will die italienische Regierung die Fluggesellschaft im Ganzen verkaufen. “Wir suchen nach einem Käufer, der die Airline komplett und nicht zerstückelt übernimmt”, erklärte Verkehrsminister Graziano Delrio. Eine Verstaatlichung der Fluglinie schloss die Regierung in Rom erneut aus.

Die drei von der Regierung eingesetzten Sonderverwalter hätten die Pflicht, das Unternehmen zu sanieren und einen Käufer zu suchen, so der Minister. Der Brückenkredit in Höhe von 600 Mio. Euro, den die Regierung zum Erhalt des Alitalia-Flugbetriebs locker gemacht habe, sei zwar für die Staatskassen belastend, der Staat hoffe jedoch nach dem Verkauf den Betrag zurückzuerhalten.

Der Verkehrsminister schloss nicht aus, dass ein Käufer der Airline noch gravierendere Kürzungen aufzwingen könne, als jene, die in dem von der Belegschaft abgelehnten Rettungsplan enthalten waren. Er warf dem Alitalia-Management gravierende Fehler vor. Statt stärker auf interkontinentale Verbindungen zu setzen, habe das Management versucht, auf dem europäischen Markt mit Lowcost-Airlines zu konkurrieren.

Scharfe Kritik musste auch der Alitalia-Aktionär Etihad hinnehmen, der 2014 für 560 Mio. Euro eine 49-prozentige Beteiligung an der italienischen Fluggesellschaft erworben hatte. “Alitalia von Abu Dhabi aus zu verwalten, war ein riesiger Fehler”, kritisierte der italienische Industrieminister Carlo Calenda.

Eine Verstaatlichung Alitalias schloss die Regierung in Rom erneut aus. Der italienische Staat habe in den vergangenen Jahren bereits mehr als 8 Mrd. in die Airline gesteckt. Alitalia sei ein privates Unternehmen. Für ihre Rettung müsse eine Marktlösung gefunden werden. Alitalia fliegt derzeit 1 Mio. Euro Verlust am Tag ein.

Von: apa