Linksparteien protestieren

Italiens Senat gegen gendergerechte Bezeichnung von Spitzenpositionen

Donnerstag, 28. Juli 2022 | 10:15 Uhr

Der Senat in Rom hat sich gegen die Einführung einer geschlechtsspezifischen Unterscheidung in der schriftlichen institutionellen Kommunikation ausgesprochen. Ein Vorschlag der Fünf-Sterne-Senatorin Alessandra Maiorino, der darauf abzielte, eine inkludierende Sprache in den offiziellen Dokumenten des Senats einzuführen, erhielt 152 Ja-Stimmen, was nicht ausreichte, um die für diese Abstimmung erforderliche absolute Mehrheit zu erreichen.

60 Senatoren stimmten gegen Maiorinos Antrag, hinzu kam es im Plenarsaal zu 16 Stimmenenthaltungen. Der Antrag forderte die Vermeidung der Verwendung eines einzigen Geschlechts bei der Bezeichnung von Funktionen und Rollen. Die bisher geltende Regelung sieht die Verwendung der weiblichen Form bei Spitzenpositionen wie einem Minister- oder Präsidentenamt nicht vor. In den Dokumenten des Senats stehen daher alle Spitzenpositionen wie Minister und Präsident nur in der männlichen Form. So wird Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberta Casellati in der Amtssprache noch als “Herr Präsident” bezeichnet.

Vor allem Senatoren aus dem Mitte-Rechts-Lager wehrten sich gegen den Antrag Maiorinos, was zu hitzigen Reaktionen im Mitte-Links-Lager führte. “Die Ablehnung des Antrags auf eine geschlechtsspezifische Unterscheidung ist eine Schande und stellt nur den Vorgeschmack auf das dar, was eine rechte Regierung tun könnte, die aus den vorgezogenen Parlamentswahlen am 25. September hervorgehen wird”, schrieb der sozialdemokratische Senator Bruno Astorre.

“Das ist der reaktionäre rechte Flügel, der das Land führen will: Für sie gibt es Frauen nicht einmal in der italienischen Sprache”, protestierte die Vorsitzende der sozialdemokratischen Senatoren, Simona Malpezzi, auf Twitter. “Der Vorschlag zielte darauf ab, diesen absurden Anachronismus zu überwinden. Eine Sprache der Institutionen ohne die weibliche Besetzung der wichtigsten Positionen signalisiert, dass Frauen nicht zählen und die Spitzenpositionen ausschließlich Männern vorbehalten sind”, kritisierte die Abgeordnete Julia Unterberger von der Südtiroler Volkspartei (SVP).

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Italiens Senat gegen gendergerechte Bezeichnung von Spitzenpositionen"


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Paladin
Paladin
Tratscher
20 Tage 19 h

Über das s.g. “gendern” kann man diskutieren, muss man aber nicht. Eine Vergewaltigung der Sprache in Wort und Schrift. 
Wenn Italien außerdem zurzeit keine anderen Probleme hat, als über gendernormen zu diskutieren, dann brauchen wir uns wirklich keine Sorgen zu machen.

merlinita
merlinita
Grünschnabel
20 Tage 19 h

Die Gehälter zwischen Mann und Frau anzupassen fände ich wichtiger als ob da nun Ministra oder Ministro steht.

Terminator
Terminator
Tratscher
19 Tage 19 h

zum glück versenkt

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