Papst bittet Ureinwohner Kanadas um Vergebung

Kanada: Papst Franziskus entschuldigt sich bei Ureinwohnern

Dienstag, 26. Juli 2022 | 02:49 Uhr

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Kanada die Ureinwohner des Landes um Vergebung für das erlittene Unrecht gebeten. Er bitte um Vergebung für “das Böse, das so viele Christen indigenen Menschen angetan haben”, sagte der Papst am Montag bei einem Besuch in dem Ort Maskwacis. Bei einem Auftritt in der Sacred-Heart-Kirche in Edmonton rief er danach zur Versöhnung innerhalb der Kirche auf.

Das katholische Kirchenoberhaupt bedauerte die Mitwirkung der Kirche an der “kulturellen Zerstörung” der indigenen Gesellschaften. Er äußerte Bestürzung über die Art und Weise, “in der viele Mitglieder der Kirche und von religiösen Gemeinschaften, nicht zuletzt durch Gleichgültigkeit, an Projekten der kulturellen Zerstörung und erzwungenen Assimilierung mitwirkten”. Er empfinde Schmerz und Reue, sagte der 85-Jährige.

Der Papst traf in Maskwacis, rund hundert Kilometer südlich von Edmonton, Vertreter der indigenen Bevölkerung, die sich seit langem auf den Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes vorbereitet hatten. In Maskwacis befand sich von 1895 bis 1975 das Internat von Ermineskin, eines der größten Internate des Landes.

“Nichts kann die verletzte Würde, den erlittenen Schmerz und das verratene Vertrauen auslöschen”, sagte der Papst danach in Edmonton. Aber es sei notwendig, wieder damit anzufangen, Versöhnung in der Kirche zu suchen. “Es verletzt mich, wenn ich daran denke, dass Katholiken zu einer Politik der Assimilation und Entrechtung beigetragen haben.” Die Kinder seien im Namen einer kulturellen Erziehung ihrer kulturellen und spirituellen Identität beraubt worden, von der man dachte, dass sie nicht christlich sei.

Die Kirche in Edmonton steht symbolisch für die Forderung des Papstes nach Versöhnung. Sie wurde im Jahr 1991 geschaffen und ist die erste, in der indigene und christliche Kultur zusammenflossen. Nach dem Besuch des Gotteshauses ließ es sich Franziskus nicht nehmen, im Rollstuhl zu jubelnden Schaulustigen geschoben zu werden, die hinter einer Absperrung unter anderem “Francis, we love you” (Franziskus, wir lieben dich) riefen.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden dort misshandelt oder sexuell missbraucht, tausende starben an Krankheiten oder Unterernährung.

Die Missbrauchstaten geschahen über Jahrzehnte hinweg in staatlichen und von der Kirche geführten Einrichtungen. Kinder starben an den Folgen von Krankheiten, Hunger oder im Zusammenhang mit Missbrauch. Die Fälle erlangten international großes Aufsehen, als Experten vor etwas mehr als einem Jahr in der Nähe eines Internates anonyme Gräber von toten Kindern entdeckten.

In der indigenen Bevölkerung Kanadas ahnten Familienmitglieder schon lange, welches Schicksal ihre Verwandten einst in diesen Institutionen ereilte. Den teils von ihren Familien entrissenen Kindern sollte dort westliche Kultur beigebracht werden. Die Debatte über den Umgang mit den Ureinwohner-Kindern läuft in Kanada schon seit Jahren. Kritik gibt es an der Kirche wegen nicht angemessener Entschädigung für die Überlebenden.

Papst Franziskus kündigte vor seinem Abflug an, als Büßer in das flächenmäßig zweitgrößte Land der Welt mit rund 38 Millionen Einwohnern zu kommen. Auf dem Flug nach Edmonton sagte er am Sonntag, man müsse auf dieser Reise “aufmerksam” sein. Auf dem Weg vom Flughafen waren vereinzelt Menschen am Straßenrand, die auf den vorbeifahrenden Papst warteten. An einer Brücke hing aber auch ein Banner mit der Aufschrift “No to apology” (Nein zu einer Entschuldigung).

In Edmonton, der Hauptstadt der Provinz Alberta mit rund einer Million Einwohnern, ist auch eine große ukrainische Diaspora beheimatet. Ob Franziskus, der zuletzt sagte, in die ukrainische Hauptstadt Kiew reisen zu wollen, Vertreter der Gemeinschaft treffen wird, ist offiziell jedoch nicht bekannt.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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11 Kommentare auf "Kanada: Papst Franziskus entschuldigt sich bei Ureinwohnern"


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Kinig
23 Tage 18 h

Ich verstehe nicht wie man solche Menschen immer noch anbeten kann.
Ich habe irgendwann begonnen mich mit Glaube und Religion ernsthaft auseinander zu setzen. Wenn man erst mal aufhöhrt alles zu glauben und selber denkt wer diese Prediger sind und wie sich die Religionen so mächtig gemacht haben, dann vergeht einem jeder Gedanke an Gott und co.

Tata
Tata
Superredner
23 Tage 14 h

wer bitte betetnden Papst als Person an?

Gustl64
Gustl64
Superredner
23 Tage 12 h

Ein Papst wird nicht angebetet.

Amadeus
Amadeus
Tratscher
23 Tage 20 h

Für die Jahrhunderte langen Untaten der Kirche sollte der Papst sich nicht entschuldigen sondern tausendmal um Verzeihung bitten.

DerTom
DerTom
Superredner
23 Tage 9 h

so werts ins gian – europäer werden in reservate leben wie die Indianer (amerikaner)

PuggaNagga
23 Tage 1 h

Jo wer so bled isch, gschicht ins lei recht

S.d.s.S.
S.d.s.S.
Grünschnabel
23 Tage 48 Min

Nit wenn die leit a mol fon fenster schaugn, zommstean und sich wehren, ober fir sell muas nu viel passieren

Neumi
Neumi
Kinig
23 Tage 22 h

Glaube nicht, dass es hier die große Entschuldigungsrede gibt, es muss immer noch erst aufgearbeitet werden, werden denn nun wofür verantwortlich war.
Aber schon allein “No to apology” würde bei mir die gegenteilige Aktion hervorrufen. Die Denkweise der Leute, die so was erwarten, die glauben, dass das Ganze eine gute Sache war, ist meiner Meinung nach hauptverantwortlich.

andr
andr
Universalgelehrter
23 Tage 22 Min

Schöne Geste, mutig, endlich bekennt sich ein Papst zu den Schandtaten die seine Vorgänger vertuscht haben. Man kann diese Taten mit nichts gutmachen aber man kann daraus lernen.

berthu
berthu
Universalgelehrter
22 Tage 22 h

Entschuldigen ist gut, aber Aufarbeiten, Aufdecken und Verantwortliche haft-und strafbarmachen, das ist es, was die Kirche endlich angehen muß. Man sieht ja, wie in anderen Ländern der Mißbrauch nur ausgesessen und niemand wirklich zur Verantwortung gezogen wird. Es gilt noch immer Stillschweigen vor Aufklärung. Die Selbstkontrolle der Täter unter sich. Ohne Kontrolle von außen funktioniert das nie.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
22 Tage 21 h

Der Papst ist der Stellvertreter Christi auf Erden. Ihm gebührt der grösste Respekt. Er ist unverfehlbar, und seine Güte und Barmherzigkeit sind masslos.

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