Tanklaster prallte gegen einen Lkw am Ende eines Staus

Karambolage soll Ursache für Explosion in Bologna sein

Dienstag, 07. August 2018 | 16:41 Uhr

Ein Todesopfer und 145 Verletzte ist die Bilanz der gewaltigen Explosion auf einer Autobahn-Tangente am Montag in Bologna. Keiner der vier Schwerverletzten befinde sich in Lebensgefahr, berichtete der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli. Bei dem Todesopfer handelt es sich um den italienischen Fahrer des Tankwagens, der Flüssiggas transportierte.

Es sei möglich, dass der 42-Jährige am Steuer eingeschlafen und deshalb in ein Stauende gekracht sei. Auch Ablenkung wurde nicht ausgeschlossen. Durch den Auffahrunfall wurde die erste Explosion ausgelöst, die zu einer Kettenreaktion führte.

Der Tanklaster prallte gegen einen Lkw am Ende eines Staus, die Fahrzeuge fingen Feuer. Nach wenigen Minuten explodierte der Tanklaster. Die Explosion führte zum Einsturz eines Großteils einer Autobahnbrücke auf der A14, die ein für Italiens Nord-Süd-Achse entscheidender Knotenpunkt ist. Der Explosion folgte eine verheerende Kettenreaktion: Brennende Trümmerteile setzten Autos vor einem Autohaus in der Nähe in Brand, die ebenfalls explodierten.

Die Detonationen erschütterten ein Restaurant mit Glasdach, vor dem ein Auto geparkt war. Fensterscheiben barsten. Acht Minuten lang hörte man von überall her Explosionen, berichteten Zeugen. Flammen und dunkler Rauch stiegen auf. Dutzende Anrainer wurden evakuiert. Rund 80 Verletzte wurden gemeldet, unter ihnen mehrere Polizisten.

Unter den Verletzten sind mehrere Polizisten, die versucht hatten, die Verkehrsachse nach der Explosion zu räumen. Der italienische Premier Giuseppe Conte besuchte am Dienstag einige der Verletzten im Krankenhaus und dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz.

Der Verkehrsminister sprach von Schäden in Millionenhöhe. Neben der eingestürzten Autobahn-Brücke sind mehrere Gebäude schwer beschädigt worden. Der Wiederaufbau wird laut Toninelli fünf Monate dauern.

Nach dem Unglück gab es in Italien eine vehemente Diskussion über gefährliche Transporte. 10.000 Lkw mit Gas, Öl und anderer leicht entflammbarer Ladung würden täglich auf Straßen und Autobahnen verkehren. “10.000 Bomben bedrohen täglich die Sicherheit auf den italienischen Autobahnen”, kommentierte die römische Tageszeitung “La Repubblica”. Jährlich würden 3,5 Millionen Lkw mit gefährlicher Ladung auf den italienischen Straßen verkehren. Der Frächterverband Conftrasporto rief die Polizei auf, festzustellen, ob der explodierte Lkw die Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von Flüssiggas erfüllte. Die Opposition verwies auf mangelnde Sicherheit auf dem vor allem in den Sommermonaten stark befahrenen italienischen Autobahnnetz.

Verkehrsminister Danilo Toninelli versprach Klarheit über die Ursachen des Brandes. Zudem forderte er modernere Technologien an Bord von Lkw mit Gefahrengut, um das Risiko menschlicher Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. So seien automatische Bremssysteme sowie Systeme zur Geschwindigkeitsbeschränkung notwendig, um zu verhindern, dass Lkw auf den Straßen zu fahrenden “Bomben” werden könnten.

Der italienische Premier Giuseppe Conte besuchte im Krankenhaus der Adria-Stadt Cesena zwei Schwerverletzte. Bei ihnen handelt es sich um einen 17-jährigen Bulgaren und einen 31-jährigen Süditaliener. Conte wird weitere Verletzte im Krankenhaus von Bologna besuchen. Er dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz, um das von den Explosionen betroffene Gelände evakuieren. Die Autobahn A14 ist seit Dienstagvormittag wieder in beiden Richtungen befahrbar.

Von: apa