Neues Konzept

Mit “digitalisierter Autobahn” Transitverkehr auf Brennerstrecke eindämmen?

Sonntag, 09. Januar 2022 | 15:49 Uhr

Südtirols LH Arno Kompatscher (SVP) wird in den kommenden Wochen das Konzept einer “digitalisierten Brennerautobahn” bei der Regierung in Rom einbringen und sieht darin die einmaligen Chance, mittel- und langfristig dem überbordenden Transitverkehr auf der Brennerstrecke Herr zu werden. Mit dem neuen System soll umweltfreundlicher Transitverkehr belohnt und umweltschädlicher per Maut verteuert werden, sagte Kompatscher im APA-Interview und ortete großen Rückhalt in Rom.

Zudem enthält das System die Möglichkeit einer “Buchbarkeit” der Strecke durch die Frächter, so der Landeshauptmann. Das bedeute, dass neben der Umweltfreundlichkeit auch die Belastung der Infrastruktur ein Kriterium sein soll, ob eine höhere oder eine niedrigere Maut zu entrichten ist. “Die Maut wird entrichtet entsprechend der Umweltklasse des Fahrzeuges. Je weniger Schadstoffe, umso billiger. Je mehr Schadstoffe, umso teurer. Zudem muss man mehr bezahlen, wenn mehr Verkehrsteilnehmer an dem Tag die Autobahn benützen – und umgekehrt”. Die Frächter würden also selber entscheiden können, wann sie eine Fahrt unternehmen und entsprechend buchen. So würden weniger Staus generiert: “Besser ein fließender, umweltfreundlicher Verkehr, als ein blockierter Stauverkehr”, argumentierte Kompatscher. Über die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für ein solches “Slot-System” für Lkw auf der Brennerautobahn hatte zuletzt auch die “Tiroler Tageszeitung” berichtet.

Der Landeshauptmann ortete gegenüber der APA reelle politische Chancen, dass das Projekt mittel- und langfristig zur Anwendung kommen könne. Die “digitalisierte Autobahn” werde von Südtirol und anderen Provinzen wie dem Trentino im Zuge der Einbringung des Konzepts für die Neuvergabe der Brennerautobahn-Konzession miteingebracht. “Eine Umsetzung ist realistisch, weil die Grundidee vom italienischen Umweltminister, vom Verkehrsminister sowie vom Ministerpräsidenten Draghi begrüßt wird. Sie beurteilen diese als interessant und innovativ”. Ebenso EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sei darüber informiert worden. Und auch Brüssel habe bereits positive Signale gesendet. Zudem wären die Frächter – wenn auch “mit Bauchschmerzen” – mit an Bord. “Wird das Projekt mitsamt der Neuvergabe der Konzession genehmigt, dann gilt es als Regierungsauftrag”, betonte der Landeschef. Dann komme es im besten Fall zu einem schrittweisen Umsetzen. Dafür brauche es aber die jeweilige staatliche Ebene sowie die EU-Ebene.

“Wir brauchen neue Konzepte und Ideen. Und wir haben sie”, sah Kompatscher mögliche “Gamechanger”. Die Maßnahmen des Landes Tirol mit Blockabfertigungen und dergleichen seien “Notmaßnahmen”, die von Südtirol solidarisch unterstützt würden. Aber sie bringen langfristig keine Lösung. “Es braucht Lösungen, die tatsächlich einen Einfluss auf die Entscheidungen der Verkehrsteilnehmer haben. Und das sind Lösungen über die Brieftasche”.

Indes steht einmal mehr die Frage eines sogenannten “trilateralen Gipfels” – also zwischen Deutschland, Italien und Österreich – in Sachen Transit im Raum. “Es sollte und kann einen solchen Gipfel noch heuer geben. Aber er gehört gut vorbereitet – einen solchen zu veranstalten, nur um sich zu treffen und eine Absichtserklärung zu unterschreiben, ist zu wenig. Es müssen konkrete Pflöcke eingeschlagen werden”, so Kompatscher. Ein solches Treffen mit klaren Inhalten würden jedenfalls unter anderem Südtirol, Trentino und das Bundesland Tirol mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) vorantreiben.

Der Verkehrssprecher der Tiroler NEOS, Andreas Leitgeb, konnte dem von Kompatscher ins Treffen geführtem Konzept “einiges abgewinnen”, wie er in einer Aussendung wissen ließ, machte aber auch Schwachstellen ausfindig. So müsse “unbedingt eine Stunden- und Tageskapazitätsgrenze festgelegt werden”. “Günstige Mauttarife für umweltfreundliche Lkw” sah Leitgeb kritisch: Er zweifle daran, dass der “überbordende Verkehr” so in den Griff zu bekommen sei. “Schließlich sind die Fahrzeuge zahlreicher Frächter auch jetzt schon am neuesten umwelttechnischen Stand”, betonte Leitgeb.

Von: apa

Kommentare

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30 Kommentare auf "Mit “digitalisierter Autobahn” Transitverkehr auf Brennerstrecke eindämmen?"


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giovanocci
giovanocci
Tratscher
13 Tage 16 Min

Was wollt ihr denn noch alles regeln?
??

Wann ich die Kaffeemaschine benutzen darf oder online einen klotermin …

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
12 Tage 22 h

Man sieht es doch , viele sind nicht fähig selbst was zu regeln, also muß es der Politik tun!

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
12 Tage 23 h

Die “Frächter” können entscheiden, wann sie ihre Transporte durchführen wollen”. Das ist nicht nur zum 🤣🤣, sondern total an der Realität vorbei. Das hohe Transportaufkommen resultiert aus überwiegend Fahrten aufgrund von Bestellungen “Just in time” !! Daher muss gefahren werden, wenn der Kunde es will, sprich den Liefertermin vorgibt !!!

hobbyrebell
hobbyrebell
Grünschnabel
12 Tage 21 h

exakt

netsowichtig
netsowichtig
Grünschnabel
12 Tage 20 h
Ich staune über die Bedenkenträger und Besserwisser hier… Kosten haben eine Steuerungsfunktion. Warum will der Kunde die Ware “Just in time”? Weil es so für ihn am billigsten ist… Wenn jetzt aber eine andere Lösung etwas billiger wird und er vielleicht auch noch ein schönes Logo “Alpenfreundlich transportiert” – das seinen Kunden gefällt – auf seine Produkte kleben kann, dann wird plötzlich die neue Lösung betriebswirtschaftlich interessant… Und zweitens: das eine ist die Plattform, das andere sind die Kriterien. Wie man die Zeiten, Preise und Umweltstandards (also die Kriterien) festlegt, ist eine offene Frage mit vielen Möglichkeiten. Da kann man… Weiterlesen »
Offline1
Offline1
Universalgelehrter
12 Tage 17 h

@netsowichtig..wieso antwortest Du mir mit der Bezeichnung “Bedenkenträger”? Ich habe keine Bedenken, sondern nur den Blick auf lediglich 1 (Haupt) Ursache gerichtet. Die Automobilindustrie, für die eine eigene “Lagerhaltung” viel zu teuer wäre, pocht auf exakte Liefertermine. Ich glaube nicht, dass weder Alfa Romeo, FIAT, Ferrari, BMW, Mercedes, Audi usw. uns so fort auch nur 1 Auto mehr verkaufen würden, wenn sie mit “Alpenfreundlich transportiert” werben…

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
12 Tage 15 h

Das meinte ich im Grunde auch. Und jetzt wollen sie die Frachten einfach digital terminieren. Vollkommener Quatsch. Die Lastwagrn werden dadurch nicht wenuger.

netsowichtig
netsowichtig
Grünschnabel
11 Tage 21 h
@Offline1 Danke für deine sachliche Antwort! Ich schrieb: DIE Bedenkenträger und Besserwisser. Es gibt eine Unmenge von Kommentaren hier, fast ein Geschrei “so ein Blödsinn, geht nicht”. Das “Alpenfreundlich-Label” war nur ein Beispiel, könnte besonders bei Konsumgütern eine Rolle spielen. Der politische Wille, und als Grundlage dafür die öffentliche Meinung, sind für Änderungen ausschlaggebend. Die Alternative (Bahn, anders organisierter LKW o.ä.) muss natürlich eine brauchbare Qualität haben – dann kann man politisch zu steuern. Bei Massengütern mit hohem Transportkostenanteil gelingt das rein über den Preis – bei hochwertigen Industrieprodukten, die auch in eine Logistikkette eingetaktet sind (zum Beispiel Autoteile) sind… Weiterlesen »
ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
11 Tage 16 h

so ist es!!!!

el_tirolos
el_tirolos
Superredner
13 Tage 59 Min

Dann fahren halt nochmehr LKW’s über Pustertal und Vinschgau… ist ja jetzt schon sichtbar durch die Mautpolitik Nordtirols sowie das Fahrverbot für bestimmte Waren auf der Inntalautobahn

Faktenchecker
12 Tage 18 h

LKW Vinschgau??

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
12 Tage 42 Min

@el_tirolos….das Pustertal ist am allerstärksten betroffen. LKW Ausweich Verkehr über das Vinschgau ist dagegen sehr unwahrscheinlich und damit zu vernachlässigen. Denen “Vinschgerern” reichen auch schon die Urlauber….

tom
tom
Universalgelehrter
11 Tage 18 h

dann sollten sie stärker kontrolliert werden. Mit Verkehrsbehinderung bekommen sie jeden dran, denn kaum einer von denen bleibt stehen, die aufgestaute Kolonne passieren zu lassen

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
13 Tage 26 Min

Dieses System ist nicht dazu geeignet weniger Verkehr zu bringen. Der Verkehr wird nur besser verteilt und dies ist keine grundsätzliche Lösung des Problems.
Zudem werden die Waren einfach nur verteuert.
Umweltschutz bleibt auf der Strecke, im wahrsten Sinn des Wortes.

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
12 Tage 41 Min

@N. G….”besser 🙈 verteilt” wird der Verkehr nicht. Nur anderst….

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
13 Tage 55 Min

So lange der Mensch träumt, geht es ihm nicht schlecht.

himmelblau
himmelblau
Grünschnabel
12 Tage 23 h

Also, was ändert sich dann, NICHTS.
Außer die Fahrer benützen andere Routen oder Umwege.
WAS will diese SVP noch alles kontrollieren????
DIE SAD, DIE AUTOBAHN, DIE MENSCHEN, DIE GEIMPFTEN, DIE GEBOOSTERTEN, DIE GENESENEN.🤭🤭

Chrys
Chrys
Superredner
12 Tage 21 h

Leider will man das Problem nicht lösen sondern man will den Verkehr ersticken lassen. Es wäre doch so einfach den Schwerverkehr in die Nachtstunden zu verbannen, ohne weiteres mit strikteren Geschwindigkeitsbegrenzungen, nur fuer laermarme und schadstoffarme LKW. Stattdessen staut man in Kiefersfelden und am Brenner alle LKW auf, dort laufen über viele Stunden die Heizungen und Klimaanlage und dann, wenn sie um 5 Uhr losgelassen werden stehen wir alle im Stau. Die LKW die um 5 Uhr in Kiefersfelden starten sind dann pünktlich um 8 Uhr in Bozen und alles ist dann verstopft. 

hobbyrebell
hobbyrebell
Grünschnabel
12 Tage 21 h

genial, di nordtiroler badi blockabfertigungen und nachtfahrverbote unterstützen und nor für staufreies fohrn werben, und außerdem sein sowiso foscht lei mehr Euro 6 unterwegs wel man mit ols ondre durch tirol nimmer durch terf . Und welche Zeitfenster hotman no, wemman durch tirol lei 15 stundn hot? magari genau in de 15 Stunden ischs ba ins nor überteuert, nor zohlt der ENDVERBRAUCHER holt wieder mehr. Treibmer fescht di inflation un

Faktenchecker
12 Tage 21 h

Jetzt schon Lieferengpässe und dann?

Doolin
Doolin
Kinig
12 Tage 23 h

…dann digitalisiert mal brav!…Konzession ist ja erst April 2014 (!) verfallen…
🤪

Lana2791
Lana2791
Superredner
12 Tage 18 h

Nitamol in Verkehr in die Städte und af der zuafohrtn in Griff , ober af der Autobahn groaß mitreidn! Schwerverkehr kehrt af die Schiene , weil die Autobahn heb den Gewicht nimmer lang stond

Unioner
Unioner
Tratscher
12 Tage 13 h

Wenn man europaweit den Schienenverkehr ausbauen würde dann würde das schon sehr helfen. Und wenn man Nachts durchfahren könnte gäbe es tagsüber weniger Staus und die Parkplätze werden entlastet.

Freiheit
Freiheit
Tratscher
12 Tage 12 h

De solln amol die Mautheisln fa die 60er Johr in Sterzing wektian, nor war wianiger Stau und wianiger Umweltbelostung

bern
bern
Universalgelehrter
12 Tage 12 h

Auch diese Regelung bringt langfristig nichts.
Entweder die rechte Spur elektrifizieren und dort Strom-LKWs fahren lassen oder den BBT nicht der FS übergeben, sondern die LKWs auf Trägerfahrzeugen durchschieben.

huisele
huisele
Neuling
12 Tage 14 h

Hoffe dass die Autobahnbrücken der Brennerautobahn bis zum Beginn des Wolkenkuckucksheim bzw. der geplanten Buchung der Fahrt durch die Frächter die Belastung aushalten. Zur Erinnerung die Luegbrücke muss dringend saniert werden, die A22 wurde während der Hochzeit der Korruption in I gebaut, wieviel Stahl wurde effektiv in den Brücken auf Südtiroler Seite verbaut? https://tirol.orf.at/stories/3123096/

berthu
berthu
Universalgelehrter
11 Tage 21 h

Die Vorstellung ” A22 unterbrochen” wegen… ändert alles auf natürlichem Weg.

Offline1
Offline1
Universalgelehrter
12 Tage 20 Min

Was sagen eigentlich die Arbeitnehmervertreter der LKW FahrerInnen zu diesem “genialen” Plan ? Wurden die in die Beratungen miteinbezogen ? Es sind die “KapitäneInnen der Landstraßen”, die mit Vorgaben beim Abladetermin und -zeitpunkt, in vielen (Innen)Städten begrenzten Anlieferungszeiten usw. unmittelbar betroffen sind. Dieser sehr richtige, leider nicht ganz gendergerechte 😉 Hinweis, gilt deshalb schon sehr lange..

Moritz P.
Moritz P.
Grünschnabel
9 Tage 18 h

Wenn di Maut der Euro-Klasse vom Fohrzuig ungepasst werd, find i guat.
Obgsegn dovun, daß es tuierste Autobohn-Stuck (€/KM) sowieso von Brenner bis Rovereto isch.
Und wos no interessant war zu regln, war so a Art Zonen-Begrenzung.
Z.B. wos mocht a Ungar, Rumäne, Bulgare oder a Griach, af dor Brenner-Autobohn, wenn er von ihm Dorhoam af Mailond fohrt?
I tat sowieso di Kabotage wieder einführn!!!!!!

Moritz P.
Moritz P.
Grünschnabel
9 Tage 18 h

Egal wieviel a Transportler fir seine Streck zohln muaß, di Kostn werdn 1:1 afn Verbraucher weitergebn!
Es Hauptproblem, sein ned di Kostn, sondern di Streck soweit UNINTERESSANT zu mochn, daß sich de „günstigeren“ Umwege kostntechnisch oanfoch nimmer rechnen.
Es gleiche isch z.B. mitn Reschn.
Bz -> Reschn -> Felkirch, mitn LKW, hot man kaum Ersporniss, wenn man Zeit, Diesel und Verschleiß mit dor Maut (in A) miteinberechnet! A wenn‘s wianiger KM sein.
Wos in Personen-Verkehr betrifft, kannt man an Einheimischn-Tarif oder an Turi-Tarif einführn.
Jeder Telepass hot a digi.Nr., von der man sig wo des Gerät registriert isch.
Wianig Kostn, groaße Wirkung!

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