Die Lombardei soll noch weiter abgeriegelt werden

Lombardei fordert kompletten Shut Down

Donnerstag, 19. März 2020 | 11:34 Uhr

Die von der Coronavirus-Epidemie schwer getroffene norditalienische Region Lombardei ruft die Regierung in Rom zu einem kompletten Shut Down auf. “Es gibt keinen anderen Weg. Die Krankenhäuser sind am Ende der Kräfte, es gibt keine Therapie gegen Covid-19”, sagte der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei, Giulio Gallera, im Interview mit der römischen Tageszeitung “La Repubblica”.

“Die Zahl der Infizierten wächst weiter. Nicht nur ältere Patienten, sondern auch Menschen im Alter von 40 oder 50 Jahren werden eingeliefert, die beatmet werden müssen”, so Gallera. Er protestierte, dass immer noch zu viele Menschen auf den Straßen unterwegs seien. “Das ist unannehmbar. Die Leute müssen zu Hause bleiben”, sagte der Politiker.

Seit Beginn der Krise hat die Lombardei 350 zusätzliche Plätze auf den Intensivstationen zur Verfügung gestellt. “Das ist ein kleines Wunder, wir bitten um neue Beatmungsgeräte, um weitere Plätze auf den Intensivstationen schaffen zu können”, sagte der lombardische Präsident Attilio Fontana im Interview mit “Radio Capital” am Donnerstag.

Zugleich beschwerte sich Fontana, dass immer noch zu viele Personen unterwegs seien. “Ich sehe Menschen die spazieren gehen und andere, die sterben, weil sie nicht atmen könne. Die Situation ist dramatisch. Diese Epidemie wächst auf besorgniserregende Weise”, sagte Fontana.

Unterdessen kam es wegen der zunehmenden Zahl von Infektionsfällen in Italien zu einer Knappheit an Arzneimitteln. Dies berichtete die italienische Medikamentenbehörde AIFA auf ihrer Webseite. Die Behörde sei in Kontakt mit Pharmakonzernen, um die Engpässe zu beheben. Zudem wächst in Italien der Mangel an Sanitätern. Die geplante Eröffnung eines Feldkrankenhauses auf einem Messegelände in der von der Epidemie schwer betroffenen lombardischen Stadt Bergamo mit 300 Betten, darunter 100 Plätze auf der Intensivstation, musste wegen Mangels an Ärzten und Krankenpflegern verschoben werden. Die italienischen Behörden appellierten an pensionierte Sanitäter, sich zu melden. Der Bedarf nach Ärzten und Krankenpflegern sei akut.

2.629 Sanitäter infizierten sich nach jüngsten Angaben in Italien an Covid-19. Das sind 8,3 Prozent aller in Italien gemeldeten Infektionsfälle, geht aus einer Studie der Stiftung Gimbe hervor, die Daten des italienischen Gesundheitsinstituts ISS unter die Lupe nahm. Die Zahl der infizierten Sanitäter sei doppelt so hoch wie in China, geht aus einer Analysen der Stiftung hervor.

Auch die Zahl der Todesopfer und der Infizierten in Italien stieg am Mittwoch wieder kräftig. 2.978 Todesopfer wurden gemeldet, das sind 475 mehr als am Vortag. Noch nie war die Zahl der Toten an einem einzigen Tag so stark gestiegen. Die Zahl der Infizierten kletterte von 26.062 auf 28.719, was einem Zuwachs von 2.648 entspricht, teilte der italienische Zivilschutz in Rom mit. 2.257 Personen liegen auf der Intensivstation.

Von: apa