Toto Riina bald im Hausarrest?

Mafia-Boss Toto Riina soll aus Haft entlassen werden

Montag, 05. Juni 2017 | 21:31 Uhr

Wegen seines hohen Alters und seines schwer angeschlagenen Gesundheitszustands soll der ehemalige Boss der sizilianischen Cosa Nostra, Toto Riina, unter Hausarrest gestellt werden. Der 86-jährige Mafia-Pate, der seit 1993 eine lebenslange Haftstrafe absitzt, habe wie jeder Häftling Recht auf einen “würdevollen Tod”, urteilte am Montag das Oberste Gericht in Rom.

Die Richter nahmen somit einen Antrag der Verteidiger Riinas an. Diese waren immer wieder bei einem Gericht in Bologna mit ihrem Antrag gescheitert, Riina unter Hausarrest zu stellen. Das Gericht in Bologna muss jetzt aufgrund des Beschlusses des Obersten Gerichts entscheiden, ob Riina freikommen kann, unter Hausarrest gestellt, oder in ein Krankenhaus eingeliefert werden soll.

Riina war fast 20 Jahre lang einer der brutalsten und gefürchtetsten Paten der sizilianischen Mafia. Er wird für mehr als 150 Auftragsmorde verantwortlich gemacht und wurde rund 20 Mal zu lebenslanger Haft verurteilt. Er muss unter anderem eine Dauer-Videoüberwachung im Hochsicherheitsgefängnis von Parma dulden.

Unter anderem wurde Riina für schuldig befunden, in den Jahren 1992 und 1993 die Mordanschläge auf die Anti-Mafia Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino in Auftrag gegeben zu haben. Außerdem war er nach Überzeugung der italienischen Justiz einer der Drahtzieher von Anschlägen in Rom, Mailand und Florenz, bei denen 1993 zehn Menschen getötet wurden.

Unterdessen nahm die Genfer Polizei bereits am Freitag ein Mitglied der kalabresischen Mafia ‘Ndrangheta fest. Es war seit zwei Jahren auf der Flucht. Laut den italienischen Strafverfolgungsbehörden ist der Mann ein dicker Fisch im internationalen Kokain- und Heroinhandel. In Italien drohen ihm bis zu 17 Jahre Haft.

“Er wurde auf Antrag der italienischen Justiz verhaftet”, sagte Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz, am Montag gegenüber der Westschweizer Zeitung “Tribune de Geneve”. Er sei gesucht worden, weil er seine Strafe verbüßen müsse – vor allen wegen seiner Drogengeschäfte.

“Der Mann wurde am Samstag angehört”, sagte Galli weiter. Er wehre sich gegen seine Auslieferung. “Italien wird daher ein formelles Auslieferungsersuchen einreichen.” Bis dahin werde der 39-jährige Mafioso im Genfer Gefängnis Champ-Dollon untergebracht.

Der Mafiosi war seit Oktober 2015 flüchtig. Er entkam den italienischen Behörden während eines Hausarrests, den er aus gesundheitlichen Gründen gewährt bekam.

Von: apa