Menschen an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius"

Mehr als 1.000 Menschen am Wochenende im Mittelmeer gerettet

Sonntag, 10. Juni 2018 | 18:24 Uhr

Mehr als 1.000 Menschen sind am Wochenende von seeuntauglichen Booten im Mittelmeer gerettet worden. Die Asylsuchenden waren auf der zentralen Route zwischen Libyen und Italien sowie im Westen zwischen Marokko und Spanien unterwegs. Die spanischen Retter bargen vier Leichen. Private Retter beklagten unterdessen verstärkten Druck der italienischen Behörden und Verzögerungen bei Rettungseinsätzen.

Der neue italienische Innenminister Matteo Salvini will die Ankünfte von Migranten in Italien weiter reduzieren. Nach Medienberichten forderte er am Sonntag die maltesischen Behörden in einem Schreiben auf, dem Rettungsschiff “Aquarius” mit 629 Migranten an Bord Einfahrt in Valletta zu gewähren. Dies sei der nächstgelegene sichere Hafen.

Am Freitag hatte Salvini den Druck auf Malta bereits erhöht: Das Land könne nicht weiter Nein zu jedem Hilfegesuch sagen. Schließlich ließ er zwei deutsche Rettungsschiffe aber nach Italien fahren. Nach Malta werden seit einer Absprache zwischen der dortigen Regierung und Rom 2014 so gut wie keine Geretteten mehr gebracht. Die Hintergründe des Übereinkommens wurden nie offiziell gemacht, jedoch wurde über Ölbohrungsrechte, die Malta im Gegenzug an Italien abtrat, geredet.

Die Organisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatten 629 Migranten an Bord genommen, die in sechs verschiedenen Einsätzen teilweise in der Nacht von Samstag auf Sonntag gerettet wurden. Die Evakuierung zweier Schlauchboote sei besonders kritisch gewesen: Als eines der Boote kaputtging, fielen mehr als 40 Menschen ins Wasser, wie Ärzte ohne Grenzen am Sonntag auf Twitter mitteilte.

Nach der Rettung von 229 Menschen nahm die “Aquarius” 400 weitere mit an Bord, die zuvor von der italienischen Marine, der Küstenwache sowie von Handelsschiffen gerettet worden waren. Ärzte ohne Grenzen sprach von einer “extrem stressigen Nacht”. Unter den Geretteten seien 123 unbegleitete Minderjährige, elf Kinder und sieben Schwangere.

Entdeckt wurden die Menschen in Seenot teilweise von der französischen Hilfsorganisation Pilotes Volontaires, die seit kurzem Aufklärungsflüge über dem Mittelmeer fliegt. Die Migranten hätten den Piloten Handzeichen gegeben, als sie das Flugzeug entdeckten, teilte die Organisation auf Facebook mit.

Die libysche Küstenwache berichtete, am Samstag 152 Migranten auf zwei Booten vor der westlichen Küsten des Landes abgefangen zu haben. Unter den Aufgegriffenen seien vor allem Männer, aber auch 19 Frauen und drei Kinder gewesen. Diese kämen aus einer Reihe von Ländern südlich der Sahara sowie aus Algerien und Tunesien.

Der Westen des chaotischen Bürgerkriegslandes Libyen ist bereits seit Jahren Startpunkt vieler Flüchtlinge auf ihrem Weg Richtung Italien. In dem tief gespaltenen Land herrscht in vielen Regionen Anarchie.

Doch die Flucht nach Europa wagten Flüchtlinge auch über die westliche Route des Mittelmeers. Die spanischen Seerettungskräfte brachten am Wochenende rund 300 Menschen in Sicherheit, darunter mehrere Kinder, die auf acht Booten unterwegs waren, wie auf Twitter mitgeteilt wurde. In einem Boot im Alboran-Meer wurden vier Leichen gefunden.

Die deutsche Organisation Sea-Watch beklagte unterdessen das Vorgehen der italienischen Behörden. Die standardmäßige Vernehmung des Kapitäns bei der Ankunft am Samstag in Reggio Calabria habe länger gedauert als sonst und Journalisten an Bord hätten Videomaterial aushändigen müssen, was zu Verzögerungen bei der Rückkehr in die Rettungszone geführt habe. “Das Level des Drucks ist gestiegen”, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. “Aber die Lage im Mittelmeer ist desolat. Es sind zu wenig Einsatzkräfte unterwegs.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Mehr als 1.000 Menschen am Wochenende im Mittelmeer gerettet"


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Tabernakel
14 Tage 8 Min

Danke den NGO! Salvini versucht dilettantisch die Rettung zu behindern, was ihm eine Anzeige einbringen wird.

m69
m69
Tratscher
13 Tage 23 h

Ach Tabernakel,

lass den Salvini mal arbeiten, danach kannst du Ihn an seinen Taten urteilen!

maria zwei
maria zwei
Superredner
13 Tage 8 h

Tabernackl……die Schiffe könnten ja weiterfahren. Hamburg ist ein toller Hafen, Frankreich wäre auch nicht zu verachten und was ist mit den Niederlanden? Alle dürfen NEIN sagen……………nur Italien nicht….ist schon komisch oder?

Lumberjack
Lumberjack
Grünschnabel
13 Tage 6 h

Salvini versucht nicht die Rettung zu verhinder, sondern er versucht die Flüchtlinge davon abzuhalten sich auf dem Weg nach Europa zu machen. Theoretisch sollte das Leben retten. 
Fang mal bitte an nachzudenken und deinen Hausverstand zu benützen, falls einer vorhanden ist. 

maria zwei
maria zwei
Superredner
13 Tage 4 h

@Lumberjack Bravo genauso ist es

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

@tabi
Eine Anzeige?? Von die? Anzeigen müssen die afrikaner die NGOs. Jedesmal wenn sie an ihrer Küste sich abkühlen und schwimmen wollen, werden sie gewaltsam rausgefischt und nach Europa geschleppt.

m69
m69
Tratscher
13 Tage 23 h

Es tut mir leid für dies”armuts Migranten”! aber es sind keine Flüchtlinge in diesem Sinne.

Diese NGO´s , ich würde denen den Prozess machen, den Bossen, nicht den Rettern die es sicherlich aus Herzensgüte machen.

Aber schlechter als der bisherige Innenminister wird es der Salvini nicht machen. Daran glaube ich.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

Schlechter geht auch nicht

werner66
werner66
Superredner
12 Tage 13 h

Das chaotische Bürgerkriegsland Libyen, war das reichste Land Afrikas, bis es die Nato in die Steinzeit gebombt hat. Ein Durchschnittseinkommen 50.000 Dollar und gratis medizinische Versorgung waren dort normal.
Auch die SVP hat damals mit BERLUSCONI für den Krieg gestimmt. 
Aber so genau will man das heute nicht mehr hören.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
12 Tage 7 h

Ich werde diese Verbrechen nie vergessen!!! Und ich hoffe das diese Verbrechen in Zukunft in einem zug mit jenen der Ns zeit genannt werden.

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