34.000 Flüchtlinge bei EU-Marinemission "Sophia" gerettet

Mehr als 1.300 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet

Donnerstag, 06. April 2017 | 18:20 Uhr

Vor der libyschen Küste sind mehr als tausend Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet worden. Wie die italienische Küstenwache mitteilte, wurden am Donnerstag 1.350 Flüchtlinge von fünf Schlauchbooten, einem Fischkutter und sechs kleinere Kähnen geborgen. Die Flüchtlinge wurden demnach in zwölf Einsätzen unter Regie der italienischen Küstenwache gerettet. Dabei wurde eine Leiche gefunden.

Seit Anfang 2017 sind bereits 600 Flüchtlinge bei Reisen über das Mittelmeer nach Europa ums Leben gekommen. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 5.000, wie der Kommandant der EU-Marinemission “Sophia”, Enrico Credendino, in einer Rede vor dem Parlament am Donnerstag in Rom berichtete. Im Rahmen der Mission seien 34.000 Menschen gerettet worden.

90 Prozent der Migranten, die nach Europa gelangen, würden über das Mittelmeer eintreffen, nur zehn Prozent über die Balkanroute. Die meisten Migranten stammten aus Eritrea, Ägypten, Gambia und Nigeria.

14 Prozent der Flüchtlinge, die in Italien 2016 eingetroffen sind, sind unbegleitete Minderjährige. Frauen machen 13 Prozent aller Migranten aus, die nach Überfahrten über das Mittelmeer in Italien eintreffen. “Ihre Lage ist schrecklich. Diese Frauen wissen, dass sie sehr wahrscheinlich während der Reise vergewaltigt werden, entscheiden sich jedoch trotzdem für die Fahrt”, berichtete Credendino.

Im Rahmen der Mission “Sophia” wurden 109 mutmaßliche Schlepper festgenommen. 414 Schiffe im Besitz der Menschenhändler seien konfisziert worden. Die Marinemission erlaubt EU-Kräften, Schiffe im Verdachtsfall anzuhalten, zu durchsuchen und zu beschlagnahmen.

Am Donnerstag erschoss die libysche Küstenwache mindestens vier mutmaßliche Schlepper. Die Schleuser eskortierten ein Flüchtlingsboot, das vor der Hafenstadt Sawiya abgefangen wurde, wie die libysche Marine mitteilte. Demnach griff die mit Maschinenpistolen und Raketenwerfern bewaffnete Gruppe von ihrem Boot aus die Einsatzkräfte an, die dann das Feuer erwiderten. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, ein weiterer werde nach dem Feuergefecht vermisst, erklärte die Marine. Die Flüchtlinge konnten ihre Fahrt nach Europa demnach fortsetzen.

Von: apa