Die Erntehelfer sind oft Migranten

Migranten werden bei Ernte in Italien ausgebeutet

Dienstag, 03. April 2018 | 15:25 Uhr

Im Morgengrauen kommen sie von überall her und versammeln sich in kleinen Gruppen. Ein Transporter rumpelt über die Schlaglöcher der Straße und sammelt die Wartenden ein. Es geht auf die umliegenden Felder, wo Orangenbäume stehen. Hier in Kalabrien, an Italiens Stiefelspitze, ernten Migranten unter unmenschlichen Bedingungen Zitrusfrüchte, die auch nach Deutschland und Österreich verkauft werden.

In der Gegend um den Ort Rosarno leben sie zu Tausenden in Slums, unter Plastikplanen ohne Strom und fließend Wasser, quasi in ihren eigenen Exkrementen. Das Ghetto San Ferdinando zählt zu den größten in ganz Italien. Niemand will die Migranten hier haben, und doch sind sie für die Landwirtschaft unabkömmlich: Um immer billigere Produkte herstellen zu können, die dann für immer weniger Geld in Supermärkten verkauft werden können. Sie arbeiten für einen Hungerlohn und sind rund um die Uhr, das ganze Jahr, einsatzbereit. Manchmal stirbt einer aus Erschöpfung. Danach geht es weiter wie vorher.

Im Hintergrund zieht auch die Mafia die Fäden, kontrolliert den Transport, den Verkauf oder die Organisation der ausgebeuteten Arbeiter. “Die Aktivität der Mafia betrifft die gesamte Produktionskette, von der Herstellung über den Transport, den Vertrieb und den Verkauf”, heißt es in einem Bericht des Bauernverbands Coldiretti. Das System hat in Italien längst einen eigenen Namen: Agromafia.

“Hier in unserer Gegend teilen sich zwei Verlierer der Globalisierung die Armut: Die Bauern der Region und die Migranten”, sagt der Bürgermeister von Rosarno, Giuseppe Ida. Längst sei die Landwirtschaft hier nicht mehr konkurrenzfähig. Zitrusfrüchte kämen mittlerweile viel billiger aus Nordafrika oder Brasilien. Ein Bauer in Kalabrien sei gar nicht in der Lage, den Arbeitslohn von 40 Euro zu bezahlen – und so gibt es für den Migranten nur etwa 20 Euro pro Tag, davon muss er noch den Transport, das Brot und sein Wasser bezahlen. Das System funktioniert im ganzen Land: In Kalabrien und Sizilien für die Zitrusfrüchte, in Apulien für die Tomaten und im Piemont für Weintrauben.

Der Verbraucher kann schwer feststellen, ob er mit seiner gekauften Ware ein modernes Sklavensystem mafiösen Charakters mitten in Europa unterstützt. “Das Problem ist, dass es keine Kontrolle gibt”, sagt der italienische Autor Antonello Mangano, der zahlreiche Recherchen dazu gemacht hat. Mit dem Kauf einer Zitrone, Orange oder Tomate in Deutschland und Österreich sei es also möglich, dass man indirekt auch in die Taschen der Mafia zahlt.

Zwar würde es in Italien regelmäßig Festnahmen, Beschlagnahmungen oder Strafen für mutmaßliche Kriminelle in der Landwirtschaft geben. “Aber danach geht es weiter wie vorher.” Statt sich auf die dem Untergang geweihte herkömmliche Landwirtschaft zu konzentrieren, sollte man in Italien an “Exzellenz” und ethisch korrekten Produkten arbeiten, so Mangano. “Beim Preis können wir schon lange nicht mithalten.”

Italien ist für Deutschland nach Spanien und den Niederlanden das drittwichtigste Land für den Import von frischem Obst und Gemüse, wie aus der Statistik des deutschen Landwirtschaftsministeriums hervorgeht.

Doch wo genau die Ware herkommt und unter welchen Umständen sie geerntet wurde, erfährt man im Supermarkt meist nicht. “Es ist für den deutschen Verbraucher schwer zu erkennen, ob er ein mafiafreies Produkt kauft, da steht ja nicht “Produced by Mafia” drauf”, sagt Elmar Schulze Messing vom Fairhandels-Zentrum Rheinland, das auch mafiafreie-Waren aus Italien vertreibt. “Die Menschen wollen mehr Bio haben, weil das gut für ihre Gesundheit ist. Der soziale Aspekt, wie die Produkte hergestellt werden, wird vernachlässigt.”

Aber selbst in Rosarno gibt es inmitten der Hoffnungslosigkeit einen Lichtblick. Organisationen wie die Vereinigung SOS Rosarno bieten auch Migranten einen fairen Arbeitsplatz an und verkaufen ihre Bio-Zitrusfrüchte im In- und Ausland. “Hier spielt sich ein unglaublicher Niedergang ab, ein Krieg zwischen den Armen”, sagt Nino Quaranta. Er träumt im grünen Orangenhain von einer besseren Welt. Ihm sei bewusst, dass seine Orangen und Mandarinen teurer seien und sie sich nicht jeder leisten könnte. Aber sein Credo ist: Wenn immer mehr Menschen fair gepflückte Ware kauften, dann würden auch diese Produkte mit der Zeit billiger.

Von: APA/dpa

Kommentare

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40 Kommentare auf "Migranten werden bei Ernte in Italien ausgebeutet"


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Blitz
Blitz
Superredner
16 Tage 12 h

Süditalien isch wirtschoftlich wia Nordafrika; korrupt und marod, also wos holtet ins an den Stieflstoot?
…..i tat sogn; gor nix !

ivo815
ivo815
Kinig
16 Tage 12 h

Du wanderst aus? Und tschüssss 👋🏿

traktor
traktor
Universalgelehrter
16 Tage 10 h

@ivo815
warm gehst nichtdu in den süden zu deinen fratelli zuernten?

italiener
italiener
Grünschnabel
16 Tage 10 h

@traktor Und ihr habt sowieso den italienischen Ausweiss!!!! Ahajahaha und aso bleibs a desholb schhhhhhh

urban
urban
Tratscher
15 Tage 22 h

hi blitz du hosch is thema verfehlt.
auf deine engstirnigin aussage spring leider keiner auf.
i sog a: DU SOLLTEST AUSWANDERN!!
GUTE REISE!!

Blitz
Blitz
Superredner
15 Tage 17 h

@urban Bin Dopplstootsbürger, also !

italiener
italiener
Grünschnabel
15 Tage 7 h

@urban schhhhhhh…… Repubblica Italiana bitte..

hohoho
hohoho
Grünschnabel
16 Tage 11 h

Es isch echt schlimm wenn Migranten orbeitn miassn…

amme
amme
Tratscher
16 Tage 10 h

obstbauer der diese 20euro arbeiter auch haben möchte?traurig wenn man so denkt

enkedu
enkedu
Kinig
16 Tage 9 h

@amme brauchts do net. dei kennen lei wieder hoam gian.

Leo 675
Leo 675
Tratscher
16 Tage 5 h

@enkedu
Dass selle kommentare do auscheinen…sel wor klor🙈 des mit dr mafia sell isch ah problem in süditalien sell wert ah ollm asoo bleibm. OBER dass do iaz apor sogn dass de migranten auswondern sollen, findi egtl shn awia witz. Ausgebeutet will woll niamand weren gleich welcher hautforbe…haaa? Ollm wert in die migranten di schuld gebm🙈 de wos entweder durchn klimawandel, hungersnöte, krieg oder korruption ausn lond fliehen miasn, weilse sem kuane perspektive mehr hobm!!!!!!
Ober sel tschecktet des woll net, dasses um Hilfsbereitschaft und Humanität geat!!!!

lord schnee
lord schnee
Tratscher
15 Tage 20 h

hohoho so ein blödsinn: in österreich ist es so, dass sie ohne asylbescheid nicht arbeiten dürfen und wenn sie massenhaft schwarz arbeiten würden, dann fliegt das schnell auf. falls dem in italien nicht so ist, dann wundere dich nicht, dass die kriminalität steigt. die ist dann einfach hausgemacht.

Antivirus
Antivirus
Superredner
15 Tage 20 h

Schlimm wäre esvwenn sie daran gezwungen würden! werden Sie aber nicht, sind alles Freiwillig/e, zu uns gekommen…

maria zwei
maria zwei
Superredner
15 Tage 14 h

@Antivirus da hast du recht

Paul
Paul
Superredner
16 Tage 12 h

Lohndumping, Ausbeutung Sklaverei ….es klingelt , oder ?

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
16 Tage 10 h

War doch klar, dass dies das Ziel ist. Nur bei den großen internationalen Unternehmen liest man nichts in den Zeitungen. Der Trend ist aber eindeutig in diese Richtung.

werner66
werner66
Superredner
16 Tage 7 h

@Mistermah
Früher mussten man die Sklaven noch in Afrika fangen, heute genügt es, wenn man sie an der libyschen Küste abholt.
Sie dürfen sich sogar den Sklavenhalter aussuchen, bei dem sie ausgebeutet werden.

king76
king76
Grünschnabel
16 Tage 10 h

Hot koner gsogt dass sie kemmen sollen …

Staenkerer
16 Tage 11 h

seit jahrzehnten woas man das de mafia de unteren zwoa drittel des marodn stifels beherrscht und koan hots gschärt, im gegenteil, es schaug aus als wurn de “sklaven:” von der mafia importiert mit unterstützung von der mafia in rom de die 🙈🙉🙊spielt! denn wenn de in rom nit seit i denkn konn mitspielatn gabs de mafia schun long nimmer, und im südn hatn mir long schun lei slams oder italien hat a blühende wirtschoft!

giftzwerg
giftzwerg
Superredner
14 Tage 19 h

die mafia isch überoll,a ban ins do

Staenkerer
14 Tage 14 h

@giftzwerg stimmt! wenn a no versteckt, unschriebn, als notwendig berpockt …

One
One
Tratscher
16 Tage 5 h

Kaum muss ein Ausländer mal arbeiten, heisst es er wird ausgebeutet. Viele von uns haben für viel weniger unsere Lehre bestreiten müssen. Diese Leute müssen endlich lernen dass man für jeden Cent hart arbeiten muß, sonst funktioniert das alles hier eben nicht.

witschi
witschi
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

wer zwingt sie denn?

Marta
Marta
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

und wie ist es in Südtirol????

Antivirus
Antivirus
Superredner
15 Tage 20 h

GENAUSO!!!😎😎👍

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
16 Tage 9 h

In Spanien ist es auch nicht besser.
Diese Umstände sind seit Jahren bekannt und in Deutschland ist das Lohndumping bei der Gemüseernte nicht besser.

peterle
peterle
Superredner
16 Tage 9 h

Ich habe vor ca. zwei Monaten zwei Berichte gesehen. Identisch das Filmmaterial, verschieden im Text. Am Ende stand beim Einen fest dass solche Dinge nicht in Ornung sind. Beim Anderen fast genauso, nur dass Filmmaterial mit Flüchtlingen auf See eingespielt wurden und am Ende der Text mit Spendenaufruf nicht fehlte.

enkedu
enkedu
Kinig
16 Tage 6 h

man spart wo man kann 😂😂 wenn die Spende trotzdem fliesst

peterle
peterle
Superredner
16 Tage 4 h

@enkedu
Kann mich errinnern dass Einer von Ihnen davon sprach dass, hätte Er das Geld umgehend zurück nach Afrika möchte da er von Europa entäuscht ist.

honigdachs
honigdachs
Tratscher
16 Tage 8 h

wia schun oft erwähnt wordn isch wenns ihnen do net passt , noa megnse lei widdo hoam fohrn , es heb se jo niamand do ……

cooler Typ
cooler Typ
Tratscher
16 Tage 6 h

Bauern aufgepasst:
Apfelklauber um 20€ am Tag!!! Noch billiger als die Rumänen.

Marta
Marta
Universalgelehrter
16 Tage 7 h

und bei uns gibt’s alles gratis !!!

sarnarle
sarnarle
Tratscher
15 Tage 21 h

Das sind die Resultate unkontrollierter Zuwanderung. Nicht die Bauern sind Schuld, sonder die Politiker die die EU Ausengrenzen nicht schützen.

Staenkerer
15 Tage 18 h

stimmt, olle kemmen se ahnscheinend wegn a orbeit, wo soll italien für de olle a gutbezahlte orbeit hernemmen wenn de eigenen leit orbeitslos sein!
de einwondre kemmen zum teil mit der vorstellung das ba ins auf olle a wohnung wortet, es geld auf de bäume wochst und am bodn lig und finden sich enttäuscht am boden der tatsachen wieder!
sicher rechtfertigt de nit ausbeute und sklaverei, ober a ba ins wars wünschenswert wenn de einwanderer orbeitn würden, a dort wo koane riesenlöhne zu erwortn sein!

DerBerni
DerBerni
Neuling
15 Tage 21 h

Weil mir pa insrer Orbet net ausgebeutet werden oder wia? Mit dem Staat und EU als Ausbeuter an erster Stelle

So ist das
So ist das
Superredner
15 Tage 22 h

Die Migranten in Südtirol haben dieses Problem sicher nicht.

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
15 Tage 21 h

“mafia” ist das einzige Wort, das die Politiker nicht in den Mund nehmen.

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
15 Tage 17 h

Deshalb sind viele für eine ungehemmte Zuwanderung von Analphabeten um sie dann ausbeuten zu können. Hauptsächlich in der “armen” subventionsgemästeten Landwirtschaft 

giftzwerg
giftzwerg
Superredner
14 Tage 19 h

de hobn olla an händy,de werden bol den dahoamgebliebene a nochricht schicken ,dass do nicht mehr zi holen isch .
wenn se decht kemen ,hoasst des ,dass se a positive nochricht kriag hobn fa insre sklaven

maria zwei
maria zwei
Superredner
15 Tage 14 h

wenn sie am Feld orbeitn donn sein des koane Asylantn sondern clandestini ohne Aufenthaltsgenehmigung nimm i on, oder konn mi jemond aufklärn bitte

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