Thorsten Fink schaut bereits wieder nach vorne

Milans Lehrstunde sorgte für violette Ernüchterung

Freitag, 15. September 2017 | 12:27 Uhr

AC Milan hat zum Auftakt der Europa League für komplette violette Ernüchterung gesorgt. Die Austria hatte im Heimspiel gegen Italiens Topclub nicht den Funken einer Chance. Nach nicht einmal zehn Minuten lagen die Mailänder am Donnerstagabend im Happel-Stadion mit zwei Toren voran, schonten danach bereits Kräfte. Nach dem 1:5 war im Lager der Wiener durchgehend von einer “Lehrstunde” zu hören.

Thorsten Fink wollte sich mit der genauen Analyse des Gesehenen nicht lange aufhalten. “Nach neun Minuten war das Spiel gegessen”, merkte der Austria-Trainer an. Da hatten der starke Hakan Calhanoglu und Andre Silva die Gäste früh voran gebracht, während etliche Zuschauer noch nicht einmal den Weg an den Sicherheitskontrollen vorbei gefunden hatten. Die Austria agierte in dieser Phase mitunter naiv, wobei vor allem Innenverteidiger Kadiri Mohammed mit viel zu viel Übermut an die Sache heranging.

Nach nicht einmal einer Minute spielte der 21-jährige Ghanaer bei einem Dribbling vor dem eigenen Strafraum bereits mit dem Feuer, danach patzte er bei beiden Treffern. Fink verzichtete auf Schuldzuweisungen, sah die mangelnde Erfahrung auf der europäischen Bühne als entscheidenden Faktor. Der jugendliche Leichtsinn habe das Übrige zur völlig verunglückten Anfangsphase beigetragen.

“Zu euphorisch, zu positiv, zu mutig”, seien die jungen Austrianer zu Beginn aufgetreten, stellte Fink fest. “Wir haben uns nicht intelligent genug verkauft”, sagte der ehemalige Bayern-Profi. So habe man entgegen dem ursprünglich Anvisierten versucht, Milans Tempo mitzugehen. Ein unmögliches Unterfangen, wie auch der Treffer zum 3:0 der Rossoneri bewies. Aus einem Austria-Angriff wurde binnen weniger Sekunden ein erfolgreich abgeschlossener Alleingang von Silva Richtung Osman Hadzikic. 20 Minuten waren da gespielt. Vom vor der Partie vorgenommenen “Ärgern” der Mailänder war spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die Rede.

Erfolglos die Kreise von Calhanoglu einzudämmen, versuchte auch Florian Klein. Seine Analyse fiel deutlich aus. “Wir haben uns vorgenommen, mutig aufzutreten. Aber dann darf man nicht solche Fehler machen. Die darf man einmal machen, aber nicht so oft. Wenn das Spiel nach ein paar Minuten gelaufen ist, wird es schwer”, sagte der Ex-Teamspieler. Es gelte nun, daraus zu lernen und “kritisch zu analysieren”. Eine Meinung, die auch Heiko Westermann vertrat. Der Deutsche sah unnötig viel Risiko im Spiel der Wiener. “Den Ball einmal wegzuschlagen, ist auch gegen Milan keine Schande”, stellte er fest.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Westermann kurz vor der Pause verlor die Austria einen weiteren Mann mit Erfahrung. Anstelle des 34-Jährigen rückte der 16 Jahre jüngere Alexandar Borkovic in die Innenverteidigung. Klein war mit seinen 30 Jahren zu diesem Zeitpunkt der deutlich älteste Austria-Akteur, kein anderer Violetter auf dem Spielfeld älter als 24. Dominik Prokop, Lee Jin-Hyun, Kadiri, Hadzikic und Borkovic sind 21 und jünger. Auch deshalb wollte Fink mit seiner Elf nicht zu hart ins Gericht gehen.

“Meine Jungs müssen einfach daraus lernen und die anderen Spiele gegen die anderen Gegner einfach anders gestalten. Da können wir uns messen, aber nicht mit Milan”, betonte Austrias Coach. Der nächste Auftritt in der Europa League führt die Favoritner in zwei Wochen nach Athen. AEK siegte zum Auftakt bei Rijeka mit 2:1, ein weiterer Erfolg der Griechen würde in der Gruppe früh für klare Verhältnisse sorgen.

Für die Austria war das 1:5 gegen Milan auch die höchste Heimniederlage ihrer Europacup-Geschichte. Ein 0:4 gegen Juventus Turin im Europacup der Cupsieger im Oktober 1990 stand bis dato als negativer Bestwert zu Buche. Gespielt wurde auch damals im Wiener Prater, im Austria-Tor stand der heutige Sportdirektor der Violetten, Franz Wohlfahrt. Trainer war Herbert Prohaska.

An die EL-Partie in Athen will und kann Fink vorerst nicht zu viele Gedanken verschwenden. Für die Austria rückt wieder die Meisterschaft in den Fokus. Sonntag geht es daheim gegen Schlusslicht St. Pölten, den Tabellenvierten plagen dabei große Personalprobleme in der Defensive. Westermann fehlt aufgrund einer Bänderverletzung im Sprunggelenk, und auch Borkovic wird pausieren müssen. Der Teenager, der mit seinem Treffer zum 1:3 (47.) zumindest ein persönliches Erfolgserlebnis hatte, fiel im Finish der Partie mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel aus.

“Wir haben nicht mehr so viel Auswahl. Ich muss jetzt zaubern”, sagte Fink mit Blick auf die Optionen in der Abwehr. Neben Kadiri steht nur noch Tarkan Serbest für einen Platz in der Innenverteidigung parat. Der Mittelfeldmann plagte sich aber zuletzt mit Knieproblemen. Der am letzten Tag der Sommer-Transferzeit geholte Brasilianer Ruan wartet jedenfalls weiter auf seine Arbeitsgenehmigung. Diese könnte kommende Woche eintreffen, womit er möglicherweise im Cup am Mittwoch in Vöcklamarkt sein Austria-Debüt geben könnte.

Von: apa

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