Pell nahm das Urteil ohne große Regung auf

Missbrauchsurteil gegen Kardinal Pell bestätigt

Mittwoch, 21. August 2019 | 09:26 Uhr

Der ehemalige Finanzchef des Vatikan, der australische Kardinal George Pell, muss wegen Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben im Gefängnis bleiben. Der Oberste Gerichtshof in Melbourne lehnte einen Berufungsantrag Pells am Mittwoch ab und bestätigte damit die Verurteilung der ersten Instanz. Auf Grundlage dessen kann der 78-Jährige frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden.

“Er wird seine sechsjährige Haftstrafe weiter absitzen”, sagte Richterin Anne Ferguson über den Kardinal. Ein Geschworenengericht hatte Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Buben entblößt, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben. Im folgenden Jahr soll er sich erneut an einem der Buben vergangen haben.

Im März wurde Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Kardinal ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Er galt lange Zeit als einer der mächtigsten Männer im Vatikan – und als Vertrauter von Papst Franziskus.

Pell hat die Vorwürfe gegen sich stets entschieden zurückgewiesen und Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt. Im Berufungsverfahren Anfang Juni argumentierten seine Anwälte, der Geistliche hätte wegen der dünnen Beweislage nicht schuldig gesprochen werden dürfen.

Die Verurteilung basierte überwiegend auf der Aussage eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer. Das zweite mutmaßliche Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäußert.

Die Richter in Melbourne urteilten nun aber mit einer Mehrheit von zwei zu eins Stimmen, dass der Zeuge als äußert glaubwürdig einzustufen sei. Er sei kein “Lügner” oder “Fantast”.

Pells Anwälte hatten auch angebliche Verfahrensfehler angeführt, um die Verurteilung des Kardinals zu kippen. Diese Anträge wurden von den drei Richtern einstimmig zurückgewiesen.

Das Urteil nahm Pell ohne große Regung auf. In einer schriftlichen Stellungnahme ließ der Kardinal anschließend erklären, er sei “offensichtlich enttäuscht”. Zugleich bekräftigte er, dass er unschuldig sei. Seine Anwälte wollen nun prüfen, ob sie vor Australiens High Court ziehen. Experten hatten dem Kardinal im Berufungsverfahren gute Chancen eingeräumt.

Nach der Bestätigung des Missbrauchsurteils gegen Kardinal Pell will der Vatikan auf das letztinstanzliche Urteil in dem Fall warten. Der Kardinal habe während des Gerichtsverfahrens stets seine Unschuld beteuert, erklärte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni am Mittwoch. Es sei Pells Recht, auch noch das höchste australische Gericht, den High Court, anzurufen. Pell und seine Anwälte ließen am Mittwoch noch offen, ob sie davon Gebrauch machen werden.

Australiens Premierminister Scott Morrison erklärte am Mittwoch, die Gerichte hätten “ihre Arbeit” gemacht. Er kündigte an, dem Kardinal solle ein australischer Ehrenorden entzogen werden.

Der Fall Pell hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die katholische Kirche ist in einer Reihe von Ländern wegen Kindesmissbrauchs durch Priester und andere Geistliche unter Beschuss geraten.

Von: APA/ag.

Kommentare

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15 Kommentare auf "Missbrauchsurteil gegen Kardinal Pell bestätigt"


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heinold
heinold
Tratscher
1 Monat 18 h

Es gibt keine nachprüfbaren Beweise gegen Pell, nur die Aussage eines “Opfers” das angibt, nach einer Messe vom Kardinal in der Sakristei der Kathedrale Melbourne vergewaltigt worden zu sein. Als ehemaliger Ministrant kann ich mich daran erinnern, wie wir uns nach einem Hochamt in der Sakristei gegenseitig auf die Füße traten. Pell hatte das Pech in seinen Verfahren immer Richterinnen ausgeliefert gewesen zu sein. Pell ist unschuldig, das sage ich Ihnen als Nicht-Katholik! (Empfehlung: lesen sie zum Fall den Artikel von Andrew Bolt:  OJ Simpson, aber umgekehrt)    

MickyMouse
1 Monat 10 h

heinold……………..das glauben sie wohl selbst nicht,oder sind sie so NAIV??????😂😂😂

heinold
heinold
Tratscher
1 Monat 9 h

Ihre Meinung ist mir egal!

andr
andr
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

Hahaha richterinnen man hatte immer schon Probleme mit den “weibern,”in der kirche sie anscheinend auch. Eben mittelalterlich

Cartman
Cartman
Grünschnabel
29 Tage 13 h

@heinold 🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 ich hole luft 🤣🤣🤣🤣🤣🤣 hole nochmals luft🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 einen moment bitte 🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 jetzt aber….🤣🤣🤣🤣🤣🤣🤣 ja das glauben sie doch selber nicht 🤣🤣🤣🤣

Bella Bionda
Bella Bionda
Superredner
28 Tage 13 h

@heinold

lesen Sie doch mal bitte “Im Namen Gottes?” Dann wissen Sie, was die Kirche/der Vatikan wirklich macht.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

@Bella Bionda
Von David A. Yallop.
Habe ich auch gelesen und war ehrlich geschockt. Alles im Namen Gottes.

Mutti
Mutti
Superredner
1 Monat 20 h

Wenn er des getun hot soll er in haft bleiben sein gonzes Leben….

Anderrrr
Anderrrr
Grünschnabel
1 Monat 18 h

Die Heilige Kirche wos olm predigt friede usw
Sein die letzigsten mecht net wussn wia viel € der Varikan hot …..

Mutti
Mutti
Superredner
1 Monat 16 h

heinold@ und die Aussage eines Opfers isch net genua oder wia??

nachgedacht
nachgedacht
Grünschnabel
28 Tage 14 h

u wia hoasts olm? im zweifel für den angeklagten u es gilt die unschuldsvermutung und bla bla bla

Interesse
Interesse
Grünschnabel
1 Monat 17 h

sell sog i a …..

Tolerahahahanz
Tolerahahahanz
Grünschnabel
1 Monat 17 h

Heuchlerischer Verein.

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 11 h

Routinefall in der kirche nichts neues”arme kinder”

Nichname
Nichname
Tratscher
1 Monat 11 h

Sollte Kardinal Pell wirklich unschuldig sein, was ich eher nicht glaube, dann hatte er das Pech, dass allzu viele seiner Amtsbrüder sich eindeutig als Sexualstraftäter erwiesen haben, so dass die Aussage eines Geistlichen in so einem Fall heutzutage wohl eher als unglaubwürdig eingestuft wird. 

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