Salvini schrieb auf Twitter: "Tanti nemici, tanto onore"

“Mussolini-Propaganda” – Italiens Salvini empört mit Zitat

Montag, 30. Juli 2018 | 13:15 Uhr

Italiens rechtspopulistischer Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini hat mit neuen Äußerungen Empörung ausgelöst. Auf Twitter schrieb er am Sonntag über seine Kritiker “Tanti nemici, tanto onore”, was so viel heißt wie “Viel Feind, viel Ehr”. Oppositionspolitiker erinnerten daran, dass Salvini sich damit beim faschistischen Diktator Benito Mussolini (1883-1945) bedient habe.

“Wer auf die Verfassung geschworen hat, die aus dem Kampf gegen den Faschismus geboren ist, darf sich nicht erlauben, Mussolini zu würdigen”, erklärte der Präsident der Sozialdemokraten, Matteo Orfini. Salvini solle sich entschuldigen oder den Ministerposten räumen. Das Zitat fiel ausgerechnet mit Mussolinis Geburtstag am 29. Juli zusammen. “Molti nemici, tanto onore” steht zum Beispiel auf den Böden der faschistischen Bauten des Foro Italico in Rom – wo auch “Duce Duce” eingelassen ist.

Salvini wolle mit dem Zitat aus der “Propaganda-Rhetorik Mussolinis” ein “klares Signal an die extreme Rechte senden”, erklärte der Fraktionschef der Linkspartei Liberi e Uguali, Federico Fornaro. Mussolini wird in Italien vielerorts noch offen verehrt.

Zuvor hatte der Chef der rechtsextremen Lega Rassismus als eine “Erfindung der Linken” bezeichnet. Der “einzige wahre Alarm” in Italien seien die Straftaten, die Migranten begehen würden, sagte er.

Für Aufsehen sorgen in diesem Zusammenhang auch die Angriffe auf Afrikaner in Italien. So soll am Sonntag ein Marokkaner in der Kleinstadt Aprilia von zwei Italienern totgeprügelt worden sein. Er war angeblich beim Versuch ertappt worden, ein Auto zu stehlen, berichteten italienische Medien. Die beiden Männer gingen auf den Marokkaner los, verprügelten ihn und ließen ihn tot auf der Straße liegen. Die Täter flüchteten, konnten jedoch nach wenigen Stunden mithilfe einer Videoüberwachungsanlage identifiziert werden.

Am Sonntag wurde von der Polizei ein Italiener festgenommen, der vor vier Tagen einen 19-jährigen Senegalesen in Partinico nahe Palermo geschlagen und beschimpft hatte, während dieser als Kellner in einem Lokal arbeitete.

In der Nacht auf Montag wurde die italienische Athletin Daisy Osakue in Moncalieri in der norditalienischen Region Piemont angegriffen. Die Diskuswerferin mit nigerianischen Wurzeln wurde von einem vorbeifahrenden Auto von Unbekannten mit Eiern beworfen. Sie wurde an einem Auge verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei ermittelt in dem Fall. “Es besteht Gefahr, dass die Athletin nicht an der Europameisterschaft in Berlin teilnehmen kann. Die Verantwortung der Regierung und vor allem Salvinis in dieser Serie von Gewaltfällen ist offensichtlich. Schluss mit Rassismus”, schrieb die sozialdemokratische Abgeordnete Chiara Gribuado.

Vergangene Woche hatte Staatspräsident Sergio Mattarella die Verletzung eines einjährigen Roma-Mädchens durch einen Römer verurteilt. Der Mann hatte vom Balkon seiner Wohnung aus mit einer Luftdruckpistole das Kind getroffen und es lebensbedrohlich verletzt. “Italien darf nicht zum Wilden Westen werden, wo sich jemand ein Gewehr kauft und auf ein einjähriges Kind feuert, ihm dabei die Gesundheit und die Zukunft ruiniert. Dies ist eine Barbarei und muss Empörung auslösen”, sagte Mattarella.

Auch die Opposition zeigt sich alarmiert: “Überall in Italien mehren sich rassistische Vorfälle, doch Innenminister Matteo Salvini leugnet das”, kommentierte Sozialdemokraten-Chef Maurizio Martina. “Die Regierung darf das Phänomen Rassismus nicht ignorieren. Wir müssen menschlich bleiben”, so Ex-Premier Matteo Renzi auf Twitter.

Der Innenminister und Vizepremier Salvini verteidigte seine Politik. “Angreifen und schlagen ist ein Verbrechen, dieses Verhalten muss bestraft werden. Die Italiener und die Regierung wegen einiger beschränkter Vorfälle des Rassismus zu bezichtigen, ist jedoch verrückt. Täglich begehen Ausländer in Italien circa 700 Verbrechen pro Tag, das sind fast ein Drittel aller Delikte”, kommentierte Salvini.

Rückendeckung erhielt der Innenminister von seinem Regierungskollegen Luigi Di Maio, Arbeitsminister und Chef der Fünf-Sterne-Bewegung. “Es besteht keinerlei Rassismus-Alarm in Italien. Dieses Argument wird von der Linken genutzt, um Salvini zu attackieren”, kommentierte Di Maio.

Von: APA/dpa