"Dieses Konzert ist ein Zeichen der Nähe zur syrischen Bevölkerung"

Muti dirigierte in Süditalien ein Konzert für Syrien

Montag, 06. Juli 2020 | 08:24 Uhr

Geschwisterlichkeit im Namen der Schönheit und der Kultur: Dirigent Riccardo Muti hat am Sonntagabend mit einem Konzert vor den Tempeln des archäologischen Geländes von Paestum in Süditalien eine musikalische Brücke in das vom Krieg zerstörte Syrien gebaut. Der 78-Jährige dirigierte Beethovens 3. Symphonie “Eroica”.

“Dieses Konzert ist ein Zeichen der Nähe zur syrischen Bevölkerung, die seit Jahren heroisch unter einem Konflikt leidet, für den kein Ende abzusehen ist und der der Zivilbevölkerung enormes Leid zugefügt hat. Gegen die Gewalt setzen wir Musiker unsere Waffen ein: Harmonie und Kultur”, sagte Muti vor Beginn des Konzerts auf einer großen Bühne, die zwischen den Tempeln von Hera und Poseidon aufgestellt wurde. 1.000 Zuschauer nahmen am Freiluftkonzert teil, bei dem strenge Anti-Covid-Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden.

Mutis Jugendorchester “Luigi Cherubini” spielte gemeinsam mit syrischen Exil-Musikern des “Syrian Expat Philharmonic Orchestra”. Dieser Klangkörper war 2015 in Deutschland gegründet worden. Mit dem Konzert stellte Muti eine Verbindung zwischen der UNESCO-Weltkulturerbestätte Paestum in Kampanien mit Baudenkmälern aus der Griechen- und Römerzeit und der syrischen Ruinenstadt Palmyra her. Die Ausgrabungsstätte der antiken Oasenstadt in Syrien war 2015 von der IS-Terrormiliz stark zerstört worden. “Die Tempel von Paestum atmen, sie stehen zwar still, sind aber voller Leben und Geschichte”, sagte der Maestro.

Das Benefiz-Konzert wurde dem 2015 ermordeten Khaled Asaad, dem früheren Chefarchäologen der syrischen Ruinenstadt Palmyra, sowie der kurdischen Aktivistin Hevrin Khalaf gewidmet, die im Zuge der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien 2019 von türkentreuen Milizen getötet wurde. Vor Beginn von Beethovens “Eroica” trat die türkische Sängerin und kurdische Aktivistin Aynur Dogan auf.

Mutis Konzert in Paestum ist Teil der Konzertreihe “Le Vie dell’Amicizia” (Die Wege der Freundschaft), in deren Rahmen der Dirigent jährlich Verbindungen zu einem krisenbetroffenen Ort aufbaut. Stationen der Konzertreihe waren seit 1997 unter anderem Sarajevo, Beirut, Jerusalem, Moskau, Istanbul und Kairo. Das Konzert ist Teil des Ravenna-Festivals, das bis Ende Juli in der Adria-Stadt läuft.

Nach dem Konzert in Paestum reist Muti nach Salzburg zu den Festspielen. Geplant ist das Konzert mit den Wiener Philharmonikern, die Beethovens Neunte Symphonie spielen. “Es ist das 50. Jahr, dass ich bei den Salzburger Festspielen am Pult stehe. Und dies ausgerechnet beim 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele. Bei den Philharmonikern debütierte ich 1971 in Salzburg auf Einladung Herbert von Karajans”, erinnerte sich Muti.

Im September sollte der Maestro mit Beethovens “Missa Solemnis” die Saison mit dem Chicago Symphony Orchestra einweihen. Angesichts der wegen der Coronavirus-Epidemie in den USA angespannten Lage ist jedoch noch unklar, ob das Konzert stattfinden wird.

Von: apa