Jubelschreie nach Sensationssieg

Nach Sensation gegen Barcelona brachen in Rom die Dämme

Mittwoch, 11. April 2018 | 15:41 Uhr

Der sensationelle 3:0-Sieg der AS Roma gegen den FC Barcelona nach der 1:4-Niederlage im Hinspiel hat am Dienstag in der Ewigen Stadt alle Dämme brechen lassen. Mit dem Einzug ins Halbfinale der Fußball-Champions-League bewiesen die Römer, dass es die großen Überraschungen in der Königsklasse doch noch gibt. Roma-Coach Eusebio Di Francesco wurde mit Lobeshymnen bedacht.

Die aktuelle Mannschaft ist nicht die talentierteste der Vereinsgeschichte. Aber sie steht als erste Roma-Mannschaft seit 1984 im Halbfinale des wichtigsten Clubwettbewerbs. Sie schaffte, was andere Generationen um Vereinsikonen wie Francesco Totti nicht geschafft haben. In der Serie A hat man 21 Punkte Rückstand auf Leader Juventus und mehr Probleme als man noch im Sommer erwartet hatte. Sportchef Monchi, der mit exzellentem Ruf und Ergebnissen vom FC Sevilla kam, stand daher in Rom in den letzten Monaten oft in der Kritik.

Doch das war an diesem Abend alles vergessen. “Mir ist es egal, ob ich nun einen Platz in den Geschichtsbüchern bekomme”, sagte Kostas Manolas, der das umjubelte 3:0 erzielt und die Wende nach dem 1:4 im Hinspiel perfekt gemacht hatte. “Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gewonnen. Wir haben immer daran geglaubt und haben es verdient.” Außer Rom hatten davor in der Königsklasse nur Deportivo La Coruna in der Saison 2003/04 gegen den AC Milan (Hinspiel 1:4) und Barcelona vor einem Jahr gegen Paris Saint-Germain (Hinspiel 0:4) ähnliche Rückstände aufgeholt.

Kapitän Daniele de Rossi, Elferschütze zum 2:0 (58.), lobte nicht zuletzt Coach Eusebio Di Francesco. Der hatte einen Spieler von seiner gewohnten Viererkette abgezogen und Barca im 3-5-2 mit unablässigem, hohem Pressing entnervt. “Er hat diese Formation vor zwei Tagen eingeführt, sie uns in die Köpfe gehämmert, und es hat Wunder gewirkt”, schwärmte de Rossi. Barca-Trainer Ernesto Valverde bestätigte das: “Wir sind es nicht gewohnt, so zu verteidigen.”

Auch Edin Dzeko, dessen früher Treffer (6.) einen idealen Start der Roma bedeutete, sang Di Francesco eine Hymne. “Wir haben zum ersten Mal mit drei Defensiven gespielt und es großartig gemacht. Ich habe Barcelona noch nie in solchen Problemen gesehen. Wir haben sie von der ersten Minute weg angepresst”, erklärte Dzeko, der schon beim 1:4 im Hinspiel das wichtige Auswärtstor erzielt hatte. “Wir haben alle daran geglaubt, auch wenn uns andere nur eine Fünf-Prozent-Chance gegeben haben.”

Jetzt wollen sich die Römer keine Grenzen mehr setzen. “Wir können Kiew erreichen”, sagte Di Francesco mit Blick auf den Austragungsort des Finales. Der Weg dahin ist trotz allem immer noch weit, denn die Roma wird bei der Halbfinal-Auslosung am Freitag in Nyon die nominell schwächste Mannschaft sein. Doch das war auch vor dem Viertelfinale schon so.

Keine Rolle mehr wird in Nyon Barca spielen. Kapitän Andres Iniesta hatte sichtlich Mühe, den Schock zu verdauen. Trotz einer komfortablen Ausgangslage nahm seine Truppe zum dritten in Folge im CL-Viertelfinale den Hut. “Das tut weh. Niemand hat das erwartet. Nach der großartigen Saison bisher ist das eine Riesenenttäuschung”, meinte Iniesta, dessen Triple-Hoffnungen jäh zerschellten. Noch geknickter wirkte Iniestas Mittelfeldkollege Sergio Busquets: “Das ist der schwerste Schlag, den ich in meiner Zeit bei Barcelona hinnehmen musste.”

Während Di Francesco in den Himmel gelobt wurde, musste sich Barca-Trainer Ernesto Valverde viel Kritik anhören. “Valverdes Unbeweglichkeit ist teuer zu stehen gekommen”, schrieb die Sporttageszeitung Marca, die den Coach für seinen generellen Unwillen zur Rotation anprangerte. Das habe müde Spieler zur Folge, die am Dienstag zudem zu spät ausgewechselt worden seien. Erst ab der 81. Minute – kurz vor dem dritten Tor – brachte Valverde frische Kräfte. “Als Rom noch ein Tor brauchte, dachte ich, wir hätten genug Erfahrung am Platz, um das Spiel über die Zeit zu bringen”, erklärte Valverde hinterher.

Von: APA/dpa/Ag.

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