Erdbeben zerstörte das ganze Dorf

Nachbeben der Magnitude 3,8 in italienischer Stadt Norcia

Mittwoch, 31. August 2016 | 19:25 Uhr

Ein Nachbeben mit der Magnitude 3,8 ist am Mittwochnachmittag im mittelitalienischen Erdbebengebiet zwischen den Regionen Latium und Marken verspürt worden. Das Epizentrum lag in der Provinz Macerata. Besonders stark wurde das Beben in der umbrischen Stadt Norcia gespürt, das vom schweren Erdbeben vor einer Woche zum Großteil verschont geblieben war. Dort liefen Menschen in Panik auf die Straße.

Der Zivilschutz kontrollierte, ob Gebäude beschädigt wurden. In Norcia waren 1979 bei einem Erdbeben der Stärke 5,9 fünf Menschen ums Leben gekommen, tausende Menschen waren obdachlos geworden.

Die Zahl der Opfer des Erdbebens vom Mittwoch vergangener Woche ist inzwischen neuerlich gestiegen. Eine Frau, die in Pescara del Tronto verschüttet worden war, erlag ihren Verletzungen. Damit hat das Beben 294 Menschenleben gefordert.

Fast 400 Menschen wurden seit dem vergangenen Mittwoch mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, etwa 3.000 Menschen sind seit dem Beben obdachlos. Sie müssen in einem der 49 Zeltlager oder in Notaufnahmezentren ausharren. Die Regierung versprach, dass innerhalb eines Monats für alle Obdachlosen eine Unterkunft zur Verfügung stehen werde. Die Menschen sollen in Holzbungalows untergebracht werden. Niemand solle länger als vier Wochen in den Zeltlagern übernachten müssen.

Für positive Nachrichten aus dem Erdbebengebiet sorgten unermüdliche Helfer zu Beginn der Woche: Fünf Tage nach dem Beben wurde in Amatrice eine Katze lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses geborgen. Ihr Leben verdankt Gioia (“Freude”) ihrer Besitzerin Daniela, die bis zuletzt die Feuerwehrmannschaften angefleht hatte, das Tier zu suchen. Der Vierbeiner ist schließlich am Montag entdeckt worden.

“Als wir einige Trümmer weggeräumt haben, habe ich etwas Graues gesehen, das sich bewegt. Ich habe sofort die Katze erkannt, nach der Daniela suchte”, berichtete der Feuerwehrmann Andrea. Gioia war einigermaßen mitgenommen und ziemlich durstig, sonst aber unversehrt. Sie wurde in ein Zelt gebracht, in dem Tierärzte sich um den Vierbeiner kümmerten, und durfte dann zu ihrer Besitzerin zurück. “‘Es ist ja nur eine Katze’, haben mir einige Leute gesagt. Doch für mich ist Gioia ein Mitglied der Familie. Ich bin froh, dass ich nicht nachgelassen habe”, wurde Daniela in der Tageszeitung “La Stampa” zitiert.

Deutschland will unterdessen Italien bei dem Wiederaufbau nach dem schweren Erdbeben am vergangenen Mittwoch aktiv unterstützen. Bei einem Treffen mit dem italienischen Premier Matteo Renzi am Mittwoch in Maranello erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel, Deutschland wolle den Wiederaufbau einer Schule im Erdbebengebiet finanzieren. Renzi dankte Merkel und Deutschland für die Solidarität.

“Für uns ist es wichtig, nicht nur der Regierung, sondern auch der Lokalbevölkerung im Erdbebenraum einen konkreten Beitrag für den Neustart zu leisten”, berichtete Merkel. Renzi versprach volle Transparenz und Legalität beim Wiederaufbau. Seine Regierung sei bemüht, einen Plan zur Konsolidierung der Gebäuden in Italien gegen Erdbebengefahr zu finanzieren.

Er kündigte die Ernennung eines Sonderkommissars an, der den Wiederaufbau koordinieren soll. Dabei handelt es sich um Vasco Errani, Ex-Präsident der norditalienischen Region Emilia Romagna. Errani hatte sich bereits mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in der Emilia Romagna 2012 befasst.

Von: apa

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