Milliardengewinne und verseuchte Böden

Ökomafia kennt keine Krise

Freitag, 03. Juli 2015 | 12:07 Uhr

Bozen – Während andere Branchen seit Jahren einen schweren Stand haben, kennt die Ökomafia in Italien keine Krise.

Organisationen, die mit der illegalen Entsorgung von gefährlichen Stoffen, mit Bausünden und anderen Umweltdelikten enorme Gewinne einfahren, erwirtschafteten im Vorjahr 22 Milliarden Euro – sieben Milliarden mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer Studie des Umweltschutzverbandes Legambiente hervor.

In Italien wurden im vergangenen Jahr 29.293 Verbrechen gegen die Umwelt angezeigt. Das sind etwa 80 pro Tag. Über die Hälfte davon wurden laut wirtschaftsblatt.at in den vier süditalienischen Regionen Kampanien, Apulien, Kalabrien und Sizilien registriert, in denen die Mafia am stärksten vertreten ist.

Mafiöse Organisationen in Italien machen mit der illegalen Entsorgung gefährlicher Stoffe Milliardenumsätze. In diesem Bereich wurden 2014 um 26 Prozent mehr Verbrechen als im Vorjahr festgestellt. Auch die Bausünden stiegen an.

Die Mafia betreibt das Geschäft der illegalen Entsorgung von Giftmüll seit den 80-er Jahren. Es handelt sich dabei um einen der rentabelsten Geschäftszweige. Unter anderem wird Giftmüll aus ganz Europa im Boden der Region Kampanien verscharrt.

Der ehemalige Mafia-Boss Carmine Schiavone hat schon 1997 vor einem Untersuchungs­ausschuss ausgesagt, dass bis 1992 Regionen im Süden Italiens mit toxischem Müll verseucht wurden – mit Müll aus ganz Europa, nicht nur aus Italien, heißt es in dem Bericht weiter.

Laut dem Präsidenten der Anti-Korruptionsbehörde, Raffaele Cantone, werden öffentliche Aufträge im Umweltbereich besonders oft von der Mafia unterwandert.

Jetzt will die Regierung unter Premier Matteo Renzi gegen die Korruption bei der Vergabe von Aufträgen tätig werden. Nicht mehr nur das günstigste Angebot soll künftig zählen, sondern auch die Legalität und die Qualität der Leistung.

Von: ©lu