Zwei Seilschaften bei Gletscherabbruch verschüttet

Eissturz in den Dolomiten – acht Leichen geborgen

Montag, 04. Juli 2022 | 17:32 Uhr

Ein nach dem Gletscherbruch an der Marmolata (Marmolada) in den italienischen Dolomiten als vermisst gemeldeter Österreicher ist nach Angaben des Außenministeriums in Wien wohlauf. Ursprünglich war der 63-jährige Niederösterreicher am Montagnachmittag als einer von 15 Vermissten angesehen worden, die Rettung hatte ihn demnach zu den ausländischen Gesuchten gezählt, die Mehrzahl sind Italiener. Kurze Zeit später gab das Außenministerium Entwarnung.

Bereits zuvor hatte die APA aus diplomatischen Kreisen in Rom und vom Außenministerium in Wien erfahren, dass vermutet wurde, der Österreicher sei nicht an der Unglücksstelle unterwegs gewesen. Bisher sind acht Leichen geborgen. “Wir haben keinen Anhaltspunkt, dass sich die Person zum Unglückszeitpunkt in dem Gebiet aufgehalten hat”, sagte Außenministeriumssprecherin Antonia Praun zunächst auf APA-Anfrage. Kurze Zeit später hatte sie Gewissheit, dass der gesuchte Niederösterreicher wohlauf ist.

Neben den bisher acht geborgenen Toten wurden weitere acht Personen bei dem Unglück am Sonntag verletzt, zwei Deutsche schweben auf der Intensivstation des Krankenhauses von Belluno in Lebensgefahr, hieß es am Montagnachmittag. Bis Montagfrüh waren vier Opfer identifiziert worden. Dabei handelt es sich um drei Italiener, darunter zwei Bergführer aus der Region Venetien, und einen Tschechen.

Die Chance, Überlebende zu finden, ist laut den Rettungseinheiten sehr gering. Das gesamte Gebiet rund um den Gletscher wurde für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Suche nach den Vermissten wurde am Montag mit Drohnen und einigen Rettungseinheiten fortgesetzt, jedoch am Nachmittag wegen schlechten Wetters wieder unterbrochen.

Die Identifizierung der Todesopfer könnte länger dauern, Obduktionen dürften notwendig werden. Die geborgenen Leichen sind von Eis, Steinen und Geröll entstellt, daher ist es vorerst schwierig, die genaue Zahl der Todesopfer zu eruieren. Aus diesem Grund sind DNA-Tests vorgesehen: Die genetischen Daten werden mit denen von Familienmitgliedern und Verwandten abgeglichen.

Kontrollen auf den Straßen des Fedaia-Passes und auf den Parkplätzen rund um den Fedaia-See, von wo aus die Wanderwege zur Marmolata beginnen, ergaben, dass bei mehreren Fahrzeugen die Besitzer noch nicht erreicht werden konnten. Somit versuchen die Carabinieri und die Rettungskräfte, die vermissten Bergsteiger zu identifizieren, indem sie die Nummernschilder mit den Buchungen der Unterkünfte in der Gegend abgleichen. Auch auf der Seite des Berges in der Provinz Belluno werden Kontrollen durchgeführt, da möglicherweise auch von diesem Hang Personen aufgestiegen sind.

Der Präsident der italienischen Bergrettung, Maurizio Dellantonio, glaubt laut dpa, dass es Wochen oder sogar noch länger dauern könnte, bis alle Toten am Hang des Marmolata-Massivs gefunden und geborgen werden. Er erklärte, dass nach dem Gletscherbruch riesige Mengen an Eis und Gestein in Fels- und Gletscherspalten gerutscht seien. Die Felsspalten sollten noch im Sommer freigelegt werden, auch dank des schmelzenden Eises, sagte er voraus.

“Falls aber jemand im oberen Bereich des Berges in Gletscherspalten gestürzt ist, dann wird es schwierig”, sagte Dellantonio. “Es ist aktuell nicht möglich, zu graben, weil die Masse an Eis sich schon so festgesetzt hat und hart geworden ist”, sagte er. “Das ginge nur mit mechanischem Gerät, aber das können wir nicht hoch bringen.”

Weil die Gefahr besteht, dass sich weitere Eisbrocken lösen und abstürzen, dürfen vorerst keine Retter mehr die Flanke des Berges betreten. Mit Drohnen wird nach Leichen und Material gesucht. Das Eis sei teilweise bis zu zehn Meter dick, sagte der Bergretter. Deshalb sei die Lokalisierung und Bergung der Leichen so schwierig.

Die vom Marmolata-Gletscher abgelöste Masse stürzte mindestens 500 Meter mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde auf zwei Seilschaften von Bergsteigern, berichteten die Experten der Alpinen Rettung. Die abgelöste Masse erstreckt sich über eine zwei Kilometer lange Front auf einer Seehöhe von etwa 2.800 Metern.

Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen könnten für das Unglück verantwortlich sein, vermuten Experten. Am Sonntag wurde bei einer Messstation auf 2.606 Meter Höhe in der Marmolata-Gruppe eine Höchsttemperatur von 16,8 Grad gemeldet. Am 20. Juni waren sogar 17,7 Grad registriert worden. Am Samstag war auf der Marmolata ein Temperaturrekord von zehn Grad am Gipfel gemessen worden, die Durchschnittstemperatur der vergangenen Jahre lag etwa bei sieben. Der Marmolata-Gletscher ist der größte in den Dolomiten und befindet sich auf der Nordseite der Marmolata-Gruppe. Diese liegt in den Provinzen Trient und Belluno.

Der italienische Premierminister Mario Draghi traf Montagvormittag in der Ortschaft Canazei ein, wo sich die Einsatzzentrale befindet. Draghi, der sich persönlich über die Suche nach den Vermissten erkundigen will, traf den italienischen Zivilschutzchef Fabrizio Curcio und den Präsidenten der Region Venetien, Luca Zaia. Er besuchte die Halle in Canazei, in der sich die Leichen der Unglücksopfer befinden. Der italienische Staatschef Sergio Mattarella telefonierte mit dem Trentiner Landeshauptmann Fugatti und kondolierte den Familienangehörigen der Opfer.

Draghi sah laut dpa Handlungsbedarf, um ein solches Unglück in Zukunft zu vermeiden. “Die Regierung muss darüber nachdenken, was passiert ist und Maßnahmen ergreifen”, sagte er. Der Abgang der Lawine habe sicherlich etwas mit Umweltschäden und der Lage des Klimas zu tun, erklärte der Parteilose weiter. “Heute weint Italien um die Opfer”, sagte Draghi.

Auch Papst Franziskus trauert um die Opfer des Unglücks und betet für ihre Familien. “Die Tragödien, die wir wegen des Klimawandels erleben, müssen uns dazu bewegen, dringend neue Wege zu finden, Menschen und Natur respektieren”, twitterte der Heilige Vater. Der frühere Extrembergsteiger Reinhold Messner sieht in dem Gletschersturz eine deutliche Folge des Klimawandels und der Erderwärmung. “Diese fressen die Gletscher weg”, sagte der 77-Jährige nach dem Unglück. Die österreichische Gletscherforscherin Andrea Fischer ortet eine reelle Gefahr, “dass solche Prozesse in den österreichischen Alpen im heurigen Sommer passieren”.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

35 Kommentare auf "Eissturz in den Dolomiten – acht Leichen geborgen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 5 Tage

Das kommt davon wenn der Mensch alles bezwingen will. Hoch, höher und höcher! Die Natur wehrt sich jetzt und setzt Zeichen!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

Meun Deutsch ist grottenschlecht! Hoch höher am höchsten. Südtiroler Wortschöpfungen finde ich gar nicht gut.
“Bitte das Brot nicht angreifen”, hab ich so bei uns gelesen. Das Brot befindet sich nicht im Krieg. Man fasst es nicht an.

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 5 Tage

@N. G. wegn Deutsch bisch du der leste wos redn braucht🤣🤣🤣🤣🤣

kunstgis
kunstgis
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

N.G.: … Besonders toll ist Ihr Deutsch wirklich nicht (Grammatik, Rechtschreibung), wenn man so die letzten Kommentare von Ihnen gelesen hat. Obendrein wirken viele Ihrer Beiträge sehr arrogant !!! – Ich finde Südtiroler “Wortschöpfungen” und den Dialekt selbst schön und kann diese auch lesen und verstehen, war schon oft im Urlaub in Südtirol und habe weiter vor, dieses wunderschöne Land zu besuchen !

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 5 Tage

NG….soll ich dirs unter Anführungszeichen schreiben? “Höcher” ist bei MIR das Maximum! Und außerdem zähl deine Schreibfe

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 5 Tage

NG zähl deine Fehler dann hast genug zu tun. Gscheidhaferl 🤨

Stadtler
Stadtler
Tratscher
1 Monat 5 Tage

@Tina1 Zeit genug müsste der NG haben. Kann mir nicht vorstellen, dass einer der so viel kommentiert, einer regulären Arbeit nachgeht

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@kunstgis Das hab ich auch nie behauptet!

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 5 Tage

@Tanja 1, Schriftdeutsch sollte jeder, der sich der dt. Sprache zugehörig fühlt, einigermaßen beherrschen. Pampig werden gegenüber “Herrn Schlauberger” und Provokateur N.G. nützt nichts.
https://www.verbformen.de/deklination/adjektive/hoch.htm

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@Tina1 Du weißt sehr wohl wie meine Fehler zustande kommen, dazu liest du mich schon zu lange und irgendwo, hast du es bestimmt mitbekommen wkrans kuegz… Also red nicht..!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@kunstgis Das ein Deutscher nem Südtiroler Arroganz vorwirft, find ich belustigend.
Interessant ist, dass du als Tourist Land und Leute gut findest. Land ok, Leute , na ja… dann leb mit denen mal ein Jahr, dann wirds schon anders. Auser man liebt rückständiges Denken. Meine Verwandtschaft kommt aus Hamburg, weltoffen usw. und auch die bestätigen immer wieder… “ein kleinkariertes Bergvolk”!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@kunstgis Übtigens, “höcher” gibt’s auch im Dialekt bei uns nicht!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 5 Tage

@N. G. nor ziach holt zu deiner Verwondschoft. So letz kons do net sein wenn lei maulsch und olm no do wohnsch.

falschauer
1 Monat 5 Tage

@The Hunter

wenn schon der “leschte” oder der letzte herr lehrer, auf keinen fall der leste

sou ischs
sou ischs
Superredner
1 Monat 5 Tage

@N. G. höcher weiss ich nicht,aber heacha ganz sicher

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 5 Tage

@N. G. Einen solchen Beitrag unter solch einem Bericht zu veröffentlichen beweist eine ordentliche Portion Skrupellosigkeit und einen erheblichen Mangel an Empathie. Da nutzt an anderer Stelle auch nicht ihr Geschreibsel über Pazifismus etc. Hier ist ein sehr tragisches Unglück passiert und sie e ergötzen sich an ihrer penetranten Klugscheißerei (Pardon SN) an Pseudowissen … Laut Hilfe schreien! Was müssen sie für einen exorbitanten Minderwertigkeitskomplex haben!

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage
nikname
nikname
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

das bezweifele ich🙄

koana
koana
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Eher das Gegenteil wird der Fall sein……

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Diese Route wird gesperrt bleiben.

Hustinettenbaer
1 Monat 5 Tage

Wahrscheinlich wird nicht nur die Route gesperrt.

Staenkerer
1 Monat 5 Tage

sprachlos vor endzetzn und trauer bleib man do!

i will mir gor nit vorstelln mit welche bilder de helfer konfrontiert wern und bet und hoff das wenigstens de olle gsund zruggkemmen.mögen sie de schreckensbilder einigermaßen verorbeitn können!

Kinig
1 Monat 5 Tage

Schrecklich, aber die Natur holt sich das zurück, was die Menschen kaputt machen.
Schrecklich, was die Helfer hier miterleben, sehen müssen.
Hergott helfe ihnen

falschauer
1 Monat 5 Tage

das auftauen des permafrostes hat solche katastrophen zur folge, gletscherlawinen donnern ins tal und bergen fallen in sich zusammen, extreme trockenheit, wassermangel und ernteausfälle im tal sind weiteren folgen des unaufhaltsam fortschreitenden klimawandels und wir schauen machtlos und entsetzt zu, ja wir hätten die warnungen der klimaforscher ernst nehmen müssen, aber unsere wirtschaft, das liebe geld unser wohlstand war uns wichtiger und nun bekommen wir weltweit die rechnung präsentiert und hinterlassen unseren nachkommen wahrlich kein schönes erbe

kaisernero
kaisernero
Superredner
1 Monat 5 Tage

@folscherauer…….wos für nochkommen…..???

falschauer
1 Monat 5 Tage

@kaisernero

blödern kommentar kannst du wohl nicht schreiben, offensichich hast du keine nachkommen und das ist auch gut so

falschauer
1 Monat 5 Tage

@kaisernero

und den folscheauer kannst du dir …..

Vonmiraus
Vonmiraus
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Die Natur schlägt gnadenlos zurück, weil wir Menschen alles zerstören.

MN2778
MN2778
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

I bin schockiert fa die Kommentare de do einige Zwitgenossen hinterlassen … oana fa die größten Bergtragödien hierzulande, Retter kämpfen um Leben und missen grausame Bilder ertragen und es hob Probleme zwecks Rechtschreibung und Minderung der Tourismuszahlen in der Region…..
Schamp enk…..
Mein Beileid den Hinterbliebenen

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Deutschland und Österreich sind unter Schock.

https://www.n-tv.de/panorama/Deutsche-unter-Bergsteigern-bei-Gletschersturz-article23440432.html

“Die Nachrichtenagentur Ansa zitierte Ermittler, wonach sich an dem Berg
ein “unvorstellbares Blutbad” abgespielt habe, nach dem “es schwer sein
wird, die Identität der Opfer festzustellen, denn die Körper wurden
zerstückelt” von den Eis- und Steinbrocken.”

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 5 Tage

R.I.P. Den Familien der tödlich verunglückten Bergsteiger wünsche ich viel Kraft. Den verletzten Bergsteiger, besonders den zwei Schwerverletzen wünsche baldige Genesung.
Den vielen Helfern, Bergrettern, med. Personal, Flugrettung, Hunden, Polizei etc. gebührt ein sehr großer Dank.

Hausverstand bitte
Hausverstand bitte
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Seid dem heurigen Frühling bemerkt man das die Klimaerwärmung stark vorangeschritten ist!Doch was wid dagegen getan?Alles wird zubetoniert ob Wald,Felder u Äcker!Überall entstehen neue Industriezonen!Die Grünflächen sind für immer zerstört!Erst kürzlich wurde in Bruneck schon wieder ein Areal von 4,5 Hektar genehmigt !Sieht so Klimaschutz aus Damen u Herren?????

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Das wird Folgen haben:

” “Außerdem müssen die Ortsverwaltungen mutiger sein”, fügt Tozzi hinzu.
“Auch wenn es Hochsaison ist, muss man bei Wetterlagen, wie wir sie
jetzt haben, gewisse Aufstiege sperren. Die Dolomiten gelten seit jeher
als einfache Berge. Das ist aber nicht mehr so.” ”

https://www.n-tv.de/panorama/Die-Dolomiten-sind-keine-einfachen-Berge-mehr-article23440961.html

“Die Gletscher, die wir hier haben, wird es in 20 Jahre nicht mehr geben.”

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 4 Tage

Fak….
Du hast von Gletscher ein gar keine Ahnung,
Aber überhaupt keine ! !

1litermuelch
1litermuelch
Superredner
1 Monat 5 Tage

Der schuldige für solche szenarien sind wir 😪

wpDiscuz