Von Hoffnungslosigkeit zu Freudentränen: Eltern durchleben Wechselbad der Gefühle

„Oh mein Gott, es ist Davide! Ja, das ist er“

Freitag, 08. Juli 2022 | 08:08 Uhr

Canazei – Die Eltern von Davide Carnielli haben ein wahres Wechselbad der Gefühle durchlebt. Die Eltern, die sich gedanklich bereits auf die traurige Aufgabe vorbereitet hatten, in Canazei die sterblichen Überreste ihres Kindes identifizieren zu müssen, erkannten auf einem Foto, das einen unbekannten Schwerverletzen zeigte, ihren Sohn Davide wieder.

ANSA/ANDREA SOLERO

„Oh mein Gott, es ist Davide! Ja, das ist er, das ist er“, riefen die beiden, als sie das Gesicht ihres Sohnes sahen. Sogleich machten sie kehrt und eilten zu ihrem Sohn, der im Krankenhaus von Treviso liegt. Die behandelnden Ärzte, die sich der Prognose enthalten, wissen zwar noch nicht, ob der 30-Jährige von seinen schweren Verletzungen vollkommen genesen wird, aber für seine Eltern, die ihn nur für wenige Minuten sehen dürfen, ist derzeit nur wichtig, dass ihr Kind lebt.

Instagram/Davide Carnielli

Wie alle Angehörigen der Opfer der Tragödie auf der Marmolada, die in Canazei auf Neuigkeiten warten, hatte auch das Ehepaar Carnielli aus Fornace im Trentino, deren Kind seit dem Unglück als vermisst galt, wenig Hoffnung, ihren Sohn Davide jemals lebend wiederzusehen. Vielmehr hatten sich der Vater und die Mutter des 30-jährigen Bergliebhabers gedanklich bereits auf die traurige Aufgabe vorbereitet, die sterblichen Überreste ihres Kindes identifizieren zu müssen. „Hoffentlich finden sie wenigstens seine Leiche“, so die traurigen Eltern, die glaubten, den schwärzesten Tag ihres Lebens vor sich zu haben.

Facebook/Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico – CNSAS

Der Schmerz und die Ungewissheit einte die Gruppe von Angehörigen und Freunden, die in Canazei in aller Stille auf Nachrichten von den Vermissten warteten. Plötzlich sahen sie den Präsidenten der Region Venetien, Luca Zaia, der den Angehörigen seine Solidarität ausdrücken wollte. „Präsident Zaia kommt, er will uns begrüßen. Vielleicht hat er Neuigkeiten“, rief einer der wartenden Angehörigen. Geduldig hörte Luca Zaia den Eltern, Ehepartnern und Freunden der Vermissten zu. „Aber was können wir für sie tun?“, wandte er sich an einen seiner Mitarbeiter, die in begleiteten.

Alto Adige

Im selben Moment kam er auf die Idee, sich die Fotos eines unbekannten Schwerverletzten schicken zu lassen, der noch am Sonntag von den Bergrettern geborgen und ins Krankenhaus Ca’ Foncello von Treviso eingeliefert worden war. Vielleicht war es ja einem der Wartenden möglich, seinen Angehörigen darauf wiederzuerkennen. Wenige Minuten später erhielt er schockierende Bilder von einem zerschundenen Gesicht und von vom Bergunglück gezeichneten Händen und Füßen, die zu einem jungen Mann gehörten.

Für Außenstehende war es schwierig, diese Fotos einer Person zuordnen zu können, aber Eltern erkennen ihre Kinder auch an kleinsten Details. „Oh mein Gott, es ist Davide! Ja, das ist er, das ist er“, riefen die Mutter und der Vater von Davide Carnielli. Das dumpfe Gefühl der Hoffnungslosigkeit wich sogleich Freudentränen. Ein Detail des Fußes und ein kleines Loch im Ohr ermöglichten es dem Ehepaar Carnielli, den Unbekannten als ihren Sohn Davide zu identifizieren. Ein Blutgruppentest brachte später endgültige Sicherheit. Die Carniellis machten sofort kehrt und fuhren nach Treviso.

Davide Carnielli liegt auf der Intensivstation. Die behandelnden Ärzte enthalten sich der Prognose, aber sein Zustand ist stabil. Von der Eis- und Gerölllawine, von der der 30-jährige Bergliebhaber vermutlich „nur“ gestreift worden war, hatte er ein Polytrauma mit Verletzungen der inneren Organe davongetragen. Bei seiner Bergung war der junge Mann in einem Zustand der Bewusstlosigkeit und ohne Papiere aufgefunden worden. Nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus von Treviso stellten die Ärzte neben einer Unterkühlung und vielen Verletzungen auch ein ausgedehntes Gehirnödem, dessen Ursache noch nicht genau geklärt ist, fest. Aufgrund der Verletzungen der inneren Organe wurde er einer Embolisation unterzogen.

Die Ärzte wissen zwar noch nicht, ob der 30-Jährige von seinen schweren Verletzungen vollkommen genesen wird, aber für seine Eltern, die ihn nur für wenige Minuten sehen dürfen, ist derzeit nur wichtig, dass ihr Kind lebt. „Es ist nicht einfach, aber er lebt“, freuen sich seine Eltern.

Facebook/Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico – CNSAS

Die Carniellis wissen, dass nicht nur Davide, sondern auch sie noch einen weiten Weg vor sich haben, aber nach der Gewissheit, dass ihr Kind lebt und nicht unter der Lawine ist, wollen sie die Erleichterung nach dieser glücklichen, nicht mehr erwarteten Nachricht zumindest für ein paar Stunden genießen.

Von: ka

Kommentare

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4 Kommentare auf "„Oh mein Gott, es ist Davide! Ja, das ist er“"


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Faktenchecker
1 Monat 1 h

Dramatisch.

blumenwiese
blumenwiese
Tratscher
30 Tage 23 h

Was für ein Glücksgefühl für die Eltern. Ich wünsche ihnen ,dass Davide wieder ganz gesund wird 🙏🙏🙏

Staenkerer
1 Monat 22 Min

i hoff mit de eltern das ihr sohn wieder vollkommen genest und wünsch ihnen ollem a glückliche zukunft!
es gleiche wünsch i natürlich oll den onderenverletzten ung gschockten und deren familien a!

an de stelle a riesen veergelsgott an oll den rettern und helfern, mögen sie de schrecklichen bilder guat verkroften und mögen sie ollm von ihre einsätze gsund und unversehrt zruggkemmen

Evi
Evi
Universalgelehrter
30 Tage 21 h

Möge der junge Mann wieder ganz gesund werden 🙏

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