Chrisammesse bildet Auftakt zu Osterfeieren

Papst fordert Ende von “Weltkrieg in Stücken”

Donnerstag, 13. April 2017 | 19:04 Uhr

Papst Franziskus hat am Gründonnerstag die Chrisammesse im Petersdom mit rund 3.000 Priestern aus der Diözese Rom und der vatikanischen Kurie gefeiert. Die Chrisammesse bildet den Auftakt zu den großen liturgischen Feiern rund um Ostern. Zuvor hatte Franziskus in einem Interview dazu aufgerufen, den derzeit stattfindenden “Dritten Weltkrieg in Stücken” zu stoppen.

“Ich denke, dass sich die Sünde heute in all ihrer zerstörenden Kraft in Kriegen, in verschiedenen Formen von Gewalt und Misshandlung, sowie in dem Verlassen der Schwächeren zeigt. Den höchsten Preis dafür zahlen immer die Letzten, die Schwächsten”, so der Heilige Vater gegenüber der Tageszeitung “La Repubblica”. Die Welt sei mit einem “schrecklichen Weltkrieg in Stücken” konfrontiert. “Es ist nicht einfach zu begreifen, ob die Welt derzeit gewaltsamer als gestern ist, ob die modernen Medien und die Mobilität unserer Epoche uns mehr Bewusstsein über das Thema Gewalt gegeben haben, oder ob wir uns daran gewöhnt haben”, so der Papst.

Gewalt sei aber keine Therapie “für unsere zerbrochene Welt. Mit Gewalt auf Gewalt zu antworten, führt im besten Fall zu Zwangsmigrationen und zu riesigem Leid, weil riesige Ressourcen zu Militärzwecken genutzt werden und den täglichen Bedürfnissen der Jugendlichen, der Familien in Schwierigkeiten, der Älteren und der Kranken – des Großteils der Menschen auf der Erde – entzogen werden. Im schlimmsten Fall kann dies zum physischen und spirituellen Tod von vielen Menschen und sogar von allen Menschen führen”, warnte Franziskus.

Er fordere deshalb mit aller Stärke Frieden für diese Welt. Sie dürfe sich nicht den Menschenhändlern, die mit dem Blut von Männern und Frauen verdienen, unterwerfen, so der Papst. Die Kirche müsse immer mehr den Ausgegrenzten nahe sein. “Wir müssen in uns selbst schauen und unsere Sünden sehen. Dann wird unser Herz menschlicher”, sagte der Pontifex.

Bei der Chrisammesse im Petersdom wurden die heiligen Öle geweiht, die bei der Spendung von Taufe, Firmung, Krankensalbung sowie bei Weihen verwendet werden. Zugleich erneuerten im Petersdom mehrere tausend Priester die Versprechen, die sie bei ihrer Weihe gegeben hatten.

In seiner Predigt rief der Heilige Vater die Priester dann erneut auf, sich um die Armen und Ausgegrenzten zu kümmern. Die Kirche dürfe weder “eingebildet noch starr” sein. “Wie jeder missionarische Jünger verleiht der Priester mit seinem ganzen Wesen der Verkündigung freudigen Ausdruck. Und andererseits sind es gerade die kleinsten Einzelheiten, welche die Freude besser fassen und mitteilen: Wenn jemand einen kleinen Schritt mehr macht und so bewirkt, dass die Barmherzigkeit ins Niemandsland überläuft (…), wenn jemand ruhig und bereitwillig zulässt, dass man seine Zeit in Anspruch nimmt”, so der Heilige Vater.

Im Rahmen der zweiten großen Liturgie am Gründonnerstag, der Messe vom letzten Abendmahl, hat Franziskus in der Strafanstalt von Paliano südlich von Rom zwölf Gefängnisinsassen, darunter drei Frauen und ein Muslim, die Füße gewaschen. Der muslimische Häftling soll im Juni getauft werden. Franziskus kniete vor jedem der Häftlinge nieder, übergoss die Füße mit Wasser und küsste sie.

Zu den Strafinsassen, denen Franziskus die Füße wusch, zählten ein Argentinier und ein Albaner. Bei den anderen Häftlingen handelte es sich um Italiener. Zwei der zwölf Gefängnisinsassen wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Vor der Fußwaschung feierte Franziskus eine Messe mit den Häftlingen. Dabei hob er die Bedeutung des Dienens hervor. “Bei dieser Zeremonie wäscht der Pfarrer den Gläubigen die Füße. Der Ältere muss Sklavenarbeit leisten, um Liebe zu sähen. Wenn ihr einem Bruder in Haft einen Dienst leisten könnt, tut das, es ist, als würdet ihr ihm die Füße waschen. Das bedeutet, Diener des Nächsten zu sein”, sagte der Papst. Die Sträflinge schenkten dem Papst biologische Produkte, Süßigkeiten und einen weißen Umhang aus Wolle.

Von: apa