Papst Franziskus redet den Katholiken ins Gewissen

Papst fordert von Katholiken mehr Mitgefühl für Flüchtlinge

Montag, 09. April 2018 | 14:47 Uhr

Papst Franziskus hat die Katholiken in einem neuen Lehrschreiben zu mehr Mitgefühl für Flüchtlinge aufgefordert und entschieden für eine Willkommenskultur geworben. “Einige Katholiken betrachten die Lage von Migranten als nebensächliches Thema”, kritisierte der Papst in dem am Montag veröffentlichten Dokument.

Eine solche Haltung sei aber allenfalls bei einem “um seinen Erfolg besorgten Politiker” verständlich – “aber nicht bei einem Christen”, mahnte der Papst. Zu einem Christen passe nur die Haltung, “sich in die Lage des Bruders und der Schwester zu versetzen, die ihr Leben riskieren, um ihren Kindern eine Zukunft zu bieten”, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche in seinem dritten Apostolischen Schreiben.

Darin zitiert der Papst unter anderem eine Passage aus dem Alten Testament, in der die Aufnahme von Fremden gefordert wird. Es handle sich bei einer offenen Haltung gegenüber Flüchtlingen also “nicht um die Erfindung eines Papstes oder um eine momentane Begeisterung”, hielt Franziskus seinen Kritikern entgegen.

Franziskus verweist in dem Dokument auch auf die Bergpredigt und betont, dass der “große Maßstab” für echte Heiligkeit gelebte Barmherzigkeit sei. “Wenn ich einem Menschen begegne, der in einer kalten Nacht unter freiem Himmel schläft, kann ich fühlen, dass dieser arme Wicht etwas Unvorhergesehenes ist, das mir dazwischenkommt, ein Nichtsnutz und Gauner, ein Störenfried auf meinem Weg, ein lästiger Stachel für mein Gewissen, ein Problem, das die Politiker lösen müssen, und vielleicht sogar ein Abfall, der den öffentlichen Bereich verschmutzt. Oder ich kann aus dem Glauben und der Liebe heraus reagieren und in ihm ein menschliches Wesen erkennen, mit gleicher Würde wie ich, ein vom Vater unendlich geliebtes Geschöpf, ein Abbild Gottes, ein von Jesus Christus erlöster Bruder oder Schwester. Das heißt es, Christ zu sein”, betont Franziskus.

Papst Franziskus hat seit seinem Amtsantritt im März 2013 immer wieder auf das Leid von Migranten aufmerksam gemacht und mehr Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise verlangt. Im April 2016 besuchte er Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos und nahm drei muslimische Familien aus Syrien mit in den Vatikan.

Mit seiner Haltung stieß Franziskus immer wieder auf Kritik in rechtskonservativen Kreisen in Politik und Kirche. Dieser Kritik trat der Papst in seinem neuen Lehrschreiben nun direkt entgegen.

Es sei ein Fehler, Forderungen des Evangeliums von der eigenen “persönlichen Beziehung” zu Gott zu trennen und das konkrete Christentum als eine “Art von NGO” zu deuten. Manche dächten, “dass wir Gott die Ehre nur mit dem Gottesdienst und dem Gebet geben oder wenn wir lediglich einige ethische Vorschriften beachten – in der Tat kommt der Beziehung zu Gott der Vorrang zu -, und vergessen dabei, dass das Kriterium für die Beurteilung unseres Lebens vor allem darin besteht, was wir den anderen getan haben”.

In dem Schreiben mit dem Titel “Gaudete et exsultate” (Freut euch und jubelt) bekräftigte der Papst zudem die ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Abtreibung. Die “Verteidigung des ungeborenen unschuldigen Lebens” müsse “klar, fest und leidenschaftlich” sein, forderte der Papst. Das “Leben der Armen” sei aber “gleichermaßen heilig”.

Von: APA/ag.