Papst Franziskus: Es geht "nicht um Zahlen, sondern um Menschen"

Papst: Migranten nicht im Stich lassen

Donnerstag, 14. Juni 2018 | 17:25 Uhr

Papst Franziskus hat mehr internationales Engagement für Zuwanderer eingemahnt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft wandte er sich gegen eine Mauer “bequemer und stummer Mittäterschaft”, mit der man Migranten im Stich lasse. Nötig sei die Hilfe aller Staaten.

Die internationale Zusammenarbeit müsse sich über alle Phasen der Migration von den Herkunftsländern bis zur “Ermöglichung einer Rückkehr” erstrecken, so Franziskus laut kirchlichem Nachrichtendienst Kathpress in einer Stellungnahme anlässlich eines Treffens aller amerikanischen Staaten mit Kirchenvertretern und Experten, die im Vatikan über Leitlinien der Migrationspolitik berieten.

Bei der Migrationsfrage gehe es “nicht um Zahlen, sondern um Menschen mit ihrer Geschichte, ihrer Kultur, ihren Gefühlen und ihrem Streben”, so der Papst in seiner vom vatikanischen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Richard Gallagher verlesenen Botschaft.

Im Mittelpunkt des eintägigen Treffens der amerikanischen Staatenvertreter stand der UNO-Globalpakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration. Die Federführung der Zusammenkunft im Vatikan hatten die Regierung Mexikos und das vatikanische Staatssekretariat.

Mexikos Außenminister Luis Videgaray Caso beklagte den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem globalen Abkommen, das noch dieses Jahr verabschiedet werden soll.

In den USA indes übten die katholischen Bischöfe massive Kritik am Umgang der Regierung von Präsident Donald Trump mit Flüchtlingen und Einwanderern. Man habe es mit “beunruhigenden Entwicklungen im Bereich der Einwanderung zu tun”, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung des US-Episkopats am Mittwoch (Ortszeit) in Fort Lauderdale.

Sichtlich bewegt sprach der Kardinal aus dem Grenzstaat Texas darüber, wie Beamte der US-Regierung an der Grenze die Familien von Einwanderern und Flüchtlingen zwangsweise trennen, um sie dann getrennt in Gewahrsam zu nehmen.

Das rabiate Vorgehen, das US-Justizminister Jeff Sessions Anfang Mai verfügte, ist Teil der “Null-Toleranz”-Politik gegenüber illegalen Einwanderern aus Zentralamerika. Allein in den ersten beiden darauffolgenden Wochen wurden mindestens 640 Familien getrennt. Im Schnitt nahmen US-Grenzer Müttern am Tag zwischen 55 und 65 Kindern ab.

Am Tag der Bischofsversammlung sorgte der Fall einer honduranischen Frau am Grenzübergang im texanischen McAllen für Schlagzeilen. Die Beamten hatten der stillenden Mutter laut ihrer Anwältin das Kind von der Brust genommen.

In einer Erklärung der US-Bischöfe heißt es, so sehr der Schutz der Grenzen wichtig sei, gebe es bessere Wege dies zu tun. “Babys von ihren Müttern zu trennen, ist nicht die Antwort und unmoralisch.” Kinder dürften nicht zum Faustpfand der Politik gemacht werden. Sie müssten mit ihren Familien zusammenbleiben können, um nicht “irreparable Schäden und Traumata” zu erleiden.

Ein weiteres Thema, das den Bischöfen am Herzen liegt, sind die Verschärfungen im Asylrecht, die Sessions gerade erst verkündete. Demnach wies der Justizminister die Behörden an, künftig weder häusliche Gewalt gegen Frauen noch die Gewalt krimineller Banden als Asylgrund anzuerkennen.

Kardinal DiNardo betonte: “Im Kern ist Asyl ein Instrument, das Recht auf Leben zu schützen.” Die Entscheidung der Regierung, Frauen diesen Schutz zu nehmen, setze diese extremen Gefahren in ihren Heimatländern aus.

Von: apa

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1 Kommentar auf "Papst: Migranten nicht im Stich lassen"


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sakrihittn
sakrihittn
Superredner
9 Tage 12 h

Einheimische Steuerzahler vor allem einheimische Familien nicht im Stich lassen.

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