Papst Franziskus vor heiklem Auslandsbesuch

Papst reist nach Myanmar und Bangladesch

Sonntag, 26. November 2017 | 12:03 Uhr

Papst Franziskus bricht am Sonntagabend zu einem einwöchigen Staats- und Pastoralbesuch in das mehrheitlich buddhistische Myanmar und das islamisch geprägte Bangladesch auf. Im Mittelpunkt der bis 2. Dezember dauernden und insbesondere wegen der Krise um die Rohingya aus diplomatischer Sicht heiklen Reise stehen laut Kathpress Treffen mit den Staatsspitzen der beiden Länder.

Außerdem sind Gottesdienste mit der christlichen Minderheit und interreligiöse Begegnungen geplant, wie aus dem offiziellen Programm hervorgeht. “Während ich mich auf meinen Besuch in Myanmar und Bangladesch vorbereite, möchte ich ihren Völkern ein Wort des Grußes und der Freundschaft schicken. Ich kann es kaum erwarten, euch begegnen zu dürfen!”, ließ der Papst am Samstag per Twitter verbreiten. Es ist die 21. Auslandsreise des seit 2013 amtierenden Kirchenoberhaupts und die dritte nach Asien.

Die Katholiken machen in beiden Staaten nur eine kleine Minderheit aus. In Myanmar bilden sie etwa ein Prozent der Bevölkerung, in Bangladesch beträgt ihr Anteil nach Kirchenangaben 0,24 Prozent. Auch die Christen werden Opfer eines zunehmenden Extremismus in beiden Ländern.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin kündigte am Freitag an, Franziskus werde während seiner Reise auf eine humanitäre Lösung des Dramas um die staatenlosen Rohingya drängen. Der Kardinal betonte auch, ohne eine Staatsangehörigkeit gebe es weder Stabilität noch Frieden oder Entwicklung. Vorrangiges Ziel der Reise sei jedoch, die christliche Minderheit zu stärken und sie zum Einsatz für Frieden, Versöhnung und Solidarität in ihrer jeweiligen Gesellschaft zu ermutigen.

International stehen Myanmar und Bangladesch nach wie vor wegen des Dramas um die mehr als 600.000 geflohenen muslimischen Rohingya in der Aufmerksamkeit. Ein Abstecher in die myanmarische Krisenregion Rakhine wird unter den offiziellen Terminen des Papstes bisher nicht aufgeführt. In Bangladesch soll es nach Vatikanangaben aber eine Begegnung mit mehreren Rohingyas geben. Vor einer Woche war zudem Kardinal Charles Maung Bo, Erzbischof der myanmarischen Metropole Rangun, beim Papst. Er bat ihn um ein privates Treffen jenseits des offiziellen Programms mit Vertretern verschiedener Religionen. Das kommt nun am Dienstagvormittag zustande. Dort könnten auch “Muslime aus der Provinz Rakhine” anwesend sein, wie Bo italienischen Medien sagte.

Papst Franziskus hat mehrfach seine Solidarität mit der muslimischen Minderheit in Myanmars Westen erklärt. Die katholischen Ortsbischöfe von Myanmar hatten mit Blick auf die sensible politische Lage schon vor Monaten an den Papst appelliert, während seiner Visite auf den Begriff “Rohingya” zu verzichten. Der Erzbischof von Chittagong in Bangladesch – jene Region, in der sich die großen Rohingya-Flüchtlingslager befinden – zeigte sich zuletzt überzeugt, dass Franziskus das Thema während der Reise ansprechen wird. Der Papst dränge die Kirche ständig zur Sorge um die Ärmsten, meinte Moses Costa in einem Interview: “Ich weiß nicht wie der Papst es sagen wird, aber ich weiß, dass er nicht ohne ein Wort wieder weg gehen kann. Sein Herz liegt bei diesen Menschen.”

Mit einer Dauer von gut sechs Tagen zählt die Südasien-Visite jedenfalls zu den längeren der bisher 21 Auslandsreisen von Papst Franziskus. Auffallend ist eine rund 24-stündige Lücke im Programm zwischen der Ankunft in Rangun am 27. November und dem Weiterflug in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw.

Am 28. November wird Franziskus dort nach der kurzfristig eingeschobenen Begegnung mit Religionsvertretern von Staatspräsident Htin Kyaw willkommen geheißen. Beim historisch ersten Besuch eines Papstes in Myanmar stehen am gleichen Nachmittag eine Unterredung mit der De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sowie eine Rede vor Vertretern von Politik und Gesellschaft auf dem Programm.

Am 29. November feiert der Papst seine erste öffentliche Messe in Rangun. Außerdem sind Begegnungen mit dem obersten Rat der buddhistischen Mönche und mit den katholischen Bischöfen des Landes vorgesehen. Tags darauf kommt es zu einem Treffen mit dem Oberbefehlshaber der Armee, General Min Aung Hlaing. Anschließend ist ein weiterer Gottesdienst mit Jugendlichen vorgesehen, bevor Franziskus ins benachbarte Bangladesch weiterreist.

Die dortige Visite beginnt Franziskus am 30. November mit einer Ehrung der Märtyrer des Unabhängigkeitskriegs 1971 an der nationalen Gedenkstätte in Savar und des “Vaters der Nation”, Mujibur Rahman (1920-1975), in dessen ehemaligem Wohnhaus in der Hauptstadt Dhaka. Anschließend wird Franziskus von Staatspräsident Abdul Hamid empfangen und hält eine Ansprache vor Vertretern von Politik und Gesellschaft.

Am 1. Dezember feiert Franziskus unter freiem Himmel eine Messe mit Priesterweihe und lädt zu einem interreligiösen und ökumenischen Friedenstreffen in das Erzbischöfliche Palais in Dhaka ein. Dort halten fünf Delegationen kurze Statements; Vatikanangaben zufolge soll auch eine kleine Gruppe Rohingya aus Bangladesch anwesend sein.

Ferner sind Gespräche mit Premierministerin Hasina Wajed in der Vatikanbotschaft sowie mit den katholischen Bischöfen des Landes in einem Priesterwohnheim geplant. Zum Abschluss der Reise nach Bagladesch, wo bereits die Päpste Paul VI. (1970) und Johannes Paul II. (1986) zu Gast waren, stehen am 2. Dezember Begegnungen mit Klerikern und Ordensleuten sowie mit Jugendlichen auf dem Programm.

In privater Form will der Papst auch ein Heim Mutter Teresas besuchen, das sich vor allem um Straßenkinder in einem Elendsviertel kümmert. Am späten Abend vor dem ersten Adventsonntag am 3. Dezember wird Franziskus in Rom zurückerwartet.

Von: apa