Aber teure Energie bereitet große Sorgen

Plus 15 Prozent: Italien freut sich über gutes Tourismusjahr

Montag, 12. September 2022 | 08:18 Uhr

Rom – Italiens Touristiker blicken auf einen erfolgreichen Sommer zurück. Die Ausläufer der letzten Pandemiewelle im Juni, das teilweise herrschende Chaos auf den Flughäfen und die Teuerung bei den Treibstoffen verursachten zwar, dass die Zahlen des letzten Jahres vor der Pandemie, 2019, nicht erreicht werden konnten, aber das satte Plus von 15 Prozent sorgt bei den Tourismustreibenden dennoch für Zufriedenheit. Vielmehr sind es die massiv gestiegenen Energiekosten, die die Gewinnmargen der Betriebe schmälern, die den Touristikern große Sorgen bereiten.

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Die italienischen Tourismustreibenden sind mit dem eben erst vergangenen Sommer sehr zufrieden. Die Hoteliers und Lokalinhaber hegten anfangs sogar die leise Hoffnung, die Werte des Rekordjahrs 2019 knacken zu können, aber die letzten Ausläufer der Frühjahrspandemiewelle, die stark gestiegenen Treibstoffpreise und die anziehende Inflation sorgten dafür, dass diese hohe Latte nicht gerissen werden konnte.

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Aber die nackten Zahlen können sich sehen lassen. Bei einer Umfrage des italienischen Verbands der Tourismustreibenden „Assoturismo“, die eine Stichprobe von 1.694 Beherbergungsunternehmen umfasste, gaben die Befragten an, dass die Zahl ihrer Gäste in den Monaten Juni, Juli und August gegenüber dem Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres im Schnitt um 15,5 Prozent zunahm. Der Befragung zufolge waren es mit einem satten Plus von 35,4 Prozent besonders die Ausländer, die dem italienischen Tourismus im ersten fast normalen Jahr zu neuem Schwung verhalfen.

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In absoluten Zahlen gemessen, meldeten sich im Sommer in Italiens Beherbergungsbetrieben rund 49 Millionen Touristen an, die insgesamt 198,8 Millionen Übernachtungen verzeichneten. Gegenüber dem letzten Jahr vor der Pandemie, 2019, entspricht dies einem Rückgang von nur 6,9 Prozent. Auffallend ist, dass mit über 18 Prozent Wachstum die nördlichen Regionen stärker von der Erholung des Tourismus profitieren konnten als Süditalien.

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Das abgelaufene Sommerquartal markierte somit die Rückkehr zu den normalen Sommerferien und eine wichtige Konsolidierung des Wachstums der Touristenströme. Blickt man auf die einzelnen Urlaubsgebiete, ist leicht zu erkennen, dass sowohl die Urlaubsorte am Meer und an den Seen als auch die Berggebiete gleichmäßig am Tourismusaufschwung teilhaben konnten. Jene Sparte, die unter der Pandemie am meisten gelitten hatte, der Städte- und Kulturtourismus, zog mit einem Wachstum von 31 Prozent gegenüber den Sommermonaten des Vorjahrs am stärksten an.

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Nach dem erfolgreichen Sommer 2022 richten sich die Augen der Touristiker nun auf den kommenden Herbst. Mit einem geschätzten Übernachtungsplus von 2,7 Millionen macht der September Hoffnung auf eine gute Herbstsaison. Besonders die gute Buchungslage mit einem Plus von 15,9 Prozent in den Kunst- und Kulturstädten Italiens verleiht dem italienischen Tourismus Flügel. Neben den Klassikern Venedig, Florenz und Rom erfreut sich besonders Neapel großer Beliebtheit.

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Wären die hohen Energiekosten nicht, wäre das Bild des italienischen Tourismus fast ungetrübt. „Die Strom- und Gasrechnungen haben sich praktisch verdreifacht. Da die Pauschalreisen für die Sommersaison vor den Erhöhungen verkauft worden waren, haben sich die Gewinnspannen der Tourismusunternehmen stark verringert. Die Tatsache, dass der Tourismus fast wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht hat, ist sicherlich eine gute Nachricht, aber ohne konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen werden Tausende von Beherbergungsbetrieben und Lokalen nicht mehr in der Lage sein, ihre Energierechnungen zu begleichen. Dadurch werden viele gezwungen sein, zu schließen“, zeichnet der Präsident von „Assoturismo“, Vittorio Messina, wenig rosige Zukunftsaussichten.

Von: ka

Kommentare

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11 Kommentare auf "Plus 15 Prozent: Italien freut sich über gutes Tourismusjahr"


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monia
monia
Tratscher
21 Tage 3 h

Zum Glück ist der Tourismus krisenfest! War in der Vergangenheit schon immer so und bleibt es hoffentlich auch!

Ohne Gäste war Südtirol ein armes Völkchen von Bergbauern und in vielen Tälern herrschte Armut und Not! Das vergessen leider viele!

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

du vergisst den Speck und die Äpfel!

DerTourist
DerTourist
Tratscher
21 Tage 4 h

Dies sind die offiziellen Zahlen, auf die Steuern gezahlt werden müssen. In Wirklichkeit sind sie wegen der Parallelwirtschaft in Italien viel höher.

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 1 h

Nun, wenn aber in Italien Maßnahmen dagegen getroffen werden, will sie niemand und die Südtiroler schon mal gar nicht. Frag dich mal warum!

Faktenchecker
20 Tage 23 h

NG Warum?

Zugspitze947
19 Tage 4 h

Der Tourist : so ist es und der Inhalt der Bankschliessfächer würde es verraten 😉

ieztuets
ieztuets
Superredner
21 Tage 3 h

Einen kleinen Teil der Mehreinnahmen bitte auch den Angestellten weitergeben…

tom
tom
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

das zu verlangen, wird in Zeiten wie diesen wohl ein leichtes sein

Plusminus
Plusminus
Grünschnabel
20 Tage 23 h

Nach dieser tollen Saison mit fettem +, wird schon wieder geheult und gebettelt für die Wintersaison, echt schlimm was die Touristiker dauernt zu lärmen haben🙈 Kein Arbeitnehmer hat heuer 15% mehr bekommen und muß auch schauen über den Winter zu kommen. Durch die erhöhten Preise kommt vielleicht der ersehnte Bettenstop von alleine, denn der aktuell Beschlossene wirkt sich ja eh nicht auf die überfüllten Straßen und den Massentourismus aus.

irgendwer
irgendwer
Tratscher
20 Tage 21 h

@Monia
?????auch krisenfest ohne die ganzen Subventionen und Zuschüsse für unverschuldet verschuldeten Hoteliere ????

Tina1
Tina1
Superredner
21 Tage 4 h

Man kann nicht alles haben…..

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