Der britische Thronfolger machte sich selbst ein Bild von Amatrice

Prinz Charles und Papst besuchten Erdbebenstädte in Italien

Sonntag, 02. April 2017 | 18:46 Uhr

Im Rahmen seiner Reise durch mehrere EU-Länder hat der britische Prinz Charles am Sonntag die durch ein Erdbeben zerstörte Stadt Amatrice in Mittelitalien besucht. Der 68-Jährige traf Überlebende der Katastrophe vom vergangenen August und drückte ihnen und den Rettungskräften seine Bewunderung aus.

Mit einem Schutzhelm auf dem Kopf besichtigte der britische Kronprinz die eigentlich gesperrte “rote Zone”, das Zentrum der Zerstörungen. “Es ist eine erschreckende Szene der Zerstörung”, sagte Charles, als er an den Trümmern der Kirche Sant’Agostino vorbeikam.

“Ich wünschte, ich könnte mehr für Sie tun, Ihre Belastbarkeit ist bewundernswert”, sagte Charles im Gespräch mit einem Einwohner. Für manch einen war aber schon der Besuch aus Großbritannien ein kleiner Trost: “Es war eine wunderbare Geste der menschlichen Wärme, ich war den Tränen nahe”, sagte der 75-jährige Carmine Monteforte, der geduldig gewartet hatte, um den Prinzen zu sehen. “Sein Besuch hat ganz bestimmt die Moral der Leute hier gestärkt.”

Die 65-jährige Marina Torredi sagte, sie habe dem Prinzen erzählt, dass sie bei dem Beben ihren Ehemann verloren habe. “Er war sehr bewegt, er hat mich in den Arm genommen”, erzählte Torredi. “Es war ein sehr emotionaler Moment.”

Der Bürgermeister von Amatrice verzichtete darauf, den Prinzen in die “zona rossa” zu begleiten: “Ich schaue in die Zukunft. Ich kehre in das historische Zentrum zurück, wenn es wieder aufgebaut ist”, sagte Sergio Pirozzi. Ende August waren bei dem Beben der Stärke 6 in Mittelitalien fast 300 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen in dem Sommer-Ferienort Amatrice.

Wegen der immer noch beschädigten Straßen in der Region war Charles von Florenz aus per Hubschrauber nach Amatrice gekommen. Er reist gerade zusammen mit seiner Ehefrau Camilla durch einige EU-Staaten – als Teil einer Charmeoffensive des britischen Königshauses inmitten der Brexit-Vorbereitungen. Charles’ Sohn William und dessen Ehefrau Kate hatten kürzlich Paris besucht.

Charles’ und Camillas Reise begann am Mittwoch in Rumänien und endet am kommenden Mittwoch und Donnerstag in Österreich. Am Freitag waren die beiden in Florenz eingetroffen, am Samstag machten sie einen Abstecher nach Neapel. Am Montag stehen nochmals Termine in Florenz auf dem Programm, bevor Charles und Camilla am Dienstag Papst Franziskus im Vatikan treffen.

Der Papst selbst besuchte unterdessen die norditalienische Stadt Carpi, die 2012 ebenfalls von einem Erdbeben betroffen war. Er zelebrierte eine Messe auf dem Platz vor der Kathedrale. Der Papst appellierte dabei an die Gläubigen, sich nicht von Trostlosigkeit überwältigen zu lassen.

Nach der Messe legte der Papst vor dem von einem Erdbeben 2012 beschädigten Dom der Ortschaft Mirandola zum Gedenken an die Opfer der Naturkatastrophe einen Blumenkranz nieder. Bei zwei Erdbeben im Jahr 2012 waren 17 Menschen ums Leben gekommen. Zu Mittag aß Franziskus im Priesterseminar mit Bischöfen, Seminaristen und älteren Priestern.

Die 70.000-Einwohner-Stadt Carpi liegt 70 Kilometer südlich von Verona in der Region Emilia Romagna. Es handelt sich um die dritte inneritalienische Reise des Papstes in diesem Jahr. Franziskus hatte am 25. März Mailand besucht. Am 27. Mai ist dann ein Besuch in Genua geplant.

Von: APA/dpa