Coronademos in Italien werden gewalttägiger

Rechtsextreme nach Corona-Demo in Rom festgenommen

Sonntag, 10. Oktober 2021 | 15:32 Uhr
Update

Zwölf Aktivisten der italienischen rechtsextremen Partei Forza Nuova sind am Sonntag nach Handgreiflichkeiten bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Rom festgenommen worden. Unter ihnen war auch der römische Forza-Nuova-Chef Giuliano Castellino, der sich in den vergangenen Wochen an mehreren Protestdemonstrationen gegen die Einführung des Grünen Passes als Zutrittsvoraussetzung für zahlreiche Aktivitäten in Rom beteiligt hatte, sowie Parteigründer Roberto Fiore.

Der sozialdemokratische Parlamentarier Emanuele Fiano berichtete, dass die gesamte Spitze der Forza Nuova festgenommen worden sei. Die Demokratische Partei, Italiens drittstärkste Einzelpartei im Parlament, werde die Auflösung der Forza Nuova beantragen.

Die zwölf Aktivisten werden beschuldigt, sich am Samstagnachmittag an einem Angriff auf den Hauptsitz des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL beteiligt zu haben. Die Gewerkschaftsorganisationen werden von Gegnern der Corona-Restriktionen kritisiert, weil sie die am kommenden Freitag geplante Einführung der 3G-Regel für alle Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst – eine Maßnahme, die 23 Millionen Arbeitnehmer betrifft – befürworten. Vor dem Parlament fand am Sonntag eine Solidaritätsdemonstration mit dem CGIL-Verband statt.

Die Maßnahme ist umstritten, seit Wochen wird samstags in mehreren italienischen Städten gegen die Zutrittsbeschränkungen durch den sogenannten Grünen Pass demonstriert. Die Gegner des wahlweise papierenen oder digitalen Dokuments behaupten, dies sei ein Weg, um die Arbeitnehmer zur Impfung zu zwingen, obwohl in Italien keine allgemeine Impfpflicht besteht. Eine Impfpflicht gilt bisher nur für das Gesundheitspersonal.

Wer fünf Tage lang ohne eine Impfbescheinigung, einen negativen Test oder ein Zertifikat, das die Genesung von einer Covid-Erkrankung bestätigt, erscheint, wird ohne Gehalt vom Dienst suspendiert. Eine Kündigung ist aber ausgeschlossen. Die Regierung garantiert zudem einen Preis von 15 Euro für die Tests. Die Forderung der Gewerkschaften nach kostenlosen Tests für die Arbeitnehmer wurde von der Regierung abgelehnt.

Mehrere Zehntausende Demonstranten hatten am Samstagnachmittag gegen die Corona-Impfpolitik der italienischen Regierung in Rom demonstriert. Unter die aus ganz Italien angereisten Demonstranten mischten sich Aktivisten der rechtsextremen Forza Nuova. Diese hatten versucht, zum Amtssitz von Ministerpräsident Mario Draghi und zum Sitz der CGIL-Gewerkschaft vorzudringen. Die Polizei griff mit Tränengas ein. Bei den Auseinandersetzungen wurde ein Polizist verletzt. Der Unmut der Impfgegner, die ihre Freiheitsrechte beschränkt sehen, wird von neofaschistischen Gruppen unterstützt.

Premier Mario Draghi verurteilte die Handgreiflichkeiten in Rom und drückte dem Gewerkschaftsverband CGIL seine Solidarität aus. “Das Demonstrationsrecht darf nie in Aggressionen und Einschüchterungsaktionen entarten”, betonte Draghi. Die Regierung sei bemüht, die Impfkampagne fortzusetzen. Auch Präsident Sergio Mattarella erklärte sich mit dem Gewerkschaftsverband solidarisch.

Innenministerin Luciana Lamorgese wurde von Rechtsparteien kritisiert. Sie wurde beschuldigt, nichts unternommen zu haben, um die Ausschreitungen zu verhindern. Die parteilose Ministerin ist seit Monaten wegen der starken Einwanderungsströme in Italien im Visier der rechten Lega und der oppositionellen postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens, FdI).

In Italien sind rund 80 Prozent aller Einwohner über zwölf Jahre vollständig gegen das Corona-Virus geimpft. Damit hat die Regierung ihr Ziel erreicht. In Italien wird seit September auch die dritte Dosis Impfstoff an Menschen über 60 und gebrechliche Personen verabreicht.

Von: apa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Rechtsextreme nach Corona-Demo in Rom festgenommen"


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redbull
redbull
Tratscher
8 Tage 4 h

die forza nuova nur als Rechtsextremisten zu bezeichnen ist das gleiche als würde man neonazis als nostalgiker bezeichnen. forza nuova soll man beim namen nennen was sie sind! Faschisten!

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
8 Tage 2 h

…dass Impfgegner mit Faschisten gemeinsame Sache machen, ist ein starkes Stück, überrascht aber nicht, wenn man die Kommentare hier und deren Bewertungen verfolgt…
😁

nikname
nikname
Universalgelehrter
8 Tage 48 Min

@Doolin
glaube eher das der Grossteil Mitläufer sind und die Demos für andere Zwecke nutzung.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
8 Tage 3 h

…unglaublich: Impfgegner sind solidarisch mit Faschisten…
😁

Gredner
Gredner
Universalgelehrter
7 Tage 21 h

@Doolin naja, vom IQ her sind beide Gruppierungen auf demselben, niedrigen Niveau. Sekten eben.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
8 Tage 2 h

No vax mit faschismus gleichzustellen ist erbärmlich. Was ist mit den hießigen lehrer, mediziener etc?

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
8 Tage 7 h

…den green pass haben die fascios im visier…
😆

Techno Guy
Techno Guy
Tratscher
8 Tage 3 h

Alle einsperren und Schlüssel wegwerfen!!

Moritz P.
Moritz P.
Grünschnabel
8 Tage 14 Min

Irgendwelche Spinner, die eine Demo, für eigene Zwecke missbrauchen, hat es und wird es immer geben.
Es wurde nur von den Rechtsextremen berichtet, nicht von der Demo und deren Wirkung auf die (fragwürdige) Entscheidug der Regierung.

Galantis
Galantis
Grünschnabel
8 Tage 2 h

Zwölf Festnahmen, gewaltige Leistung!

nikname
nikname
Universalgelehrter
8 Tage 48 Min

zu wenig!

falschauer
7 Tage 22 h

unglaublich aber wahr:

überfall von novax auf die erstehilfe station der umberto I klinik in rom, weil ein eingelieferter novax patient sich geweigert hat sich dem covid test zu unterziehen

https://www.romatoday.it/cronaca/assalto-devastato-policlinico-umberto-i-no-green-pass.html

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
7 Tage 13 h

bis jetzt dachte ich ja, es wären alles nur Spaßvögel oder nicht ganz Helle hier, die willkürlich + oder – drücken…

Aber bei den Bewertungen zu den Kommentaren dieses Artikels bin ich wirklich schockiert!!!
Solche Ausschreitungen mit Verwüstungen und erst recht der Überfall auf die Nothilfe können durch NICHTS gerechtfertigt oder entschuldigt werden!!!

SCHÄMT EUCH!!!

quilombo
quilombo
Superredner
7 Tage 16 h

Forza Nuova, Casa Pound, Fratelli d’Italia, Lega … alle gehen sie wallfahren nach Predappio. Wie man sieht ist der Faschismus nie verschwunden und jetzt ist eine neue Brut herangewachsen.
Die Maßnahmen der Regierung in der Coronakrise sind völlig absurd, jedoch darf man sich die berechtigten Proteste nicht von diesem rechtsradikalen Schmutz entreißen lassen.
Der Überfall auf den Sitz des Gewerkschaftssitzes geht gar nicht, das ist eine Schweinerei.
Leider ist auch die CGIL nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Heute kricht sie vor den Arbeitgeberverbänden und ist viel zu viel drauf konzentriert sich selbst zu erhalten.

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