Knox hatte eine Entschädigung von 500.000 Dollar verlangt

Rekurs abgelehnt: Italien muss Amanda Knox entschädigen

Mittwoch, 26. Juni 2019 | 06:45 Uhr

Italien muss der US-Amerikanerin Amanda Knox 10.400 Euro Entschädigung zahlen. Dies beschloss der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg, der einen Antrag Roms auf ein neues Urteil abgelehnt hatte, nachdem Italien im Jänner bereits im selben Fall verurteilt worden war. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Italien die Verteidigungsrechte von Knox verletzt hat.

Die ehemalige Austauschstudentin hatte eine Entschädigung von einer halben Million Euro verlangt. Sie führte in ihrer Klage an, dass sie bei ihrer Festnahme in der Nacht auf den 6. November 2007 15 Stunden lang von der Polizei ohne Anwalt vernommen worden sei. Obwohl ihre Aussagen wegen der Abwesenheit eines Verteidigers nicht rechtskonform waren, seien diese gegen sie vor Gericht verwendet worden. Bei der Einvernahme hatte Knox den kongolesischen Barmann Patrick Lumumba des Mordes beschuldigt und war deswegen wegen Verleumdung verurteilt worden.

Die 31-jährige Knox führte in ihrer Klage darüber hinaus an, dass sie von der Polizei nicht über ihre Rechte informiert worden sei. Die Beamten hätten mit ihr Italienisch gesprochen, eine Sprache, die sie damals kaum beherrschte. Ein Dolmetscher sei bei der Befragung nicht anwesend gewesen.

Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, Ende 2007 die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben. Deren Leiche war halb nackt in ihrem Schlafzimmer in der mittelitalienischen Stadt Perugia gefunden worden. Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt. Sollecito und Knox wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 aber freigesprochen. Knox kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch mehrere Instanzen, beide wurden erneut verurteilt, das oberste Gericht Italiens sprach sie aber im März 2015 endgültig frei.

Verurteilt wurde Knox wegen der Verleumdung Lumumbas. Die Haftstrafe von drei Jahren hat die Amerikanerin aber bereits abgesessen. Sie war 2011 nach vierjähriger Haft in die USA zurückgekehrt. Am 15. Juni war Knox bei einem Kongress zu Justizirrtümern in der norditalienischen Stadt Modena aufgetreten. Es war ihre erste Reise nach Italien, nachdem sie dort 2009 wegen des Mordes an Kercher verurteilt worden war.

Der einzige rechtskräftig Verurteilte wegen des Mordes an der Austauschstudentin ist der gebürtige Ivorer Rudy Guede, der als Adoptivsohn eines italienischen Paares seit seinem sechsten Lebensjahr in Perugia gelebt hatte. Er war im Oktober 2008 nach einem Schnellverfahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Berufung wurde das Strafmaß auf 16 Jahre reduziert. Die Ermittler waren sich einig, dass er nicht allein gehandelt haben konnte. Guede scheiterte im Vorjahr mit einem Antrag auf einen neuen Prozess.

Von: apa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Rekurs abgelehnt: Italien muss Amanda Knox entschädigen"


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Neumi
Neumi
Kinig
23 Tage 5 h

So billig wäre der Staat in einem US-Verfahren wohl kaum weggekommen. 10400 Euro für mehrere Jahre unschuldig hinter Gittern … ein schlechter Scherz.

Kurti
Kurti
Tratscher
23 Tage 4 h

unschuldig….sell wissmor net…

Freidenker
Freidenker
Grünschnabel
23 Tage 4 h

Italien kann sich eben. Keine neuverschuldung leisten, bist du doch auch der meinung?

schreibt...
schreibt...
Tratscher
23 Tage 3 h

Sie wurde freigesprochen! Ob sie unschuldig ist, weiß nur sie selber!

Zugspitze947
Zugspitze947
Superredner
23 Tage 2 h

Diese steigt jede SEKUNDE um ca. 1.380.00 € ,also red nicht so was daher 🙁

Neumi
Neumi
Kinig
23 Tage 41 Min

@Kurti @schreibt
Was ist aus “unschuldig bis zum Beweis der Schuld” geworden?

Savonarola
23 Tage 6 h

typisch italia, wieder einmal.

Zugspitze947
Zugspitze947
Superredner
23 Tage 2 h

Sehr gut ! 1 Million sollte sie verlangen,denn was da rechtlich abging war an Dummheit nicht zu überbieten ! Und danach müssen auch die Südtiroler Freiheitskämpfer die unschuldig im Gefängnis waren entschädigt werden ! 🙂

franky
franky
Grünschnabel
23 Tage 3 h

was ist denn das für eine Geschichte.. Unglaublich, die ist noch so tough um nochmals in Italien einzureisen.. vermeintliche Täterin verarscht die Strafgerichtsbarkeit enbloque.. 

silas1100101
silas1100101
Universalgelehrter
23 Tage 4 h

Viel Geld!

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
23 Tage 3 h

Für wem ?

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
23 Tage 5 h

witz des tages ,italien lässt sich olm gleich fregieren .
olls wos italien mocht isch folsch.

wos gibt es do für dumme leit in der justiz. kenn de die regel net ?
oamol vergessen se an beistrich ,s nächstemol an punkt und schon zohlt der stoot.
soll der drauzohln ,der sie net aufgeklärt hot ,der ihr koan onwolt zur seite gstellt hot. es werd bol oander die verantwortung kop hobn.
do gibts jo stufen  ,de wos gonz oben stiehn solln a die verontwortung übernehmen und drauzohln für fahler ,genau wie inseroans und net ollm auf insre spesen

Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
23 Tage 1 h

Wie heisst es so schön auf italienisch: Oltre il danno anche la beffa!

Mammy
Mammy
Tratscher
22 Tage 17 h

egal ob schuldig oder nicht wer weiß es schon…. die arschkarte hat sie auf jeden fall lebenslänglich… sowass bleibt ewig an einem hängen…

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