Virginia Raggi ist gegen eine Olympia-Bewerbung

Roms Bürgermeisterin legt Veto gegen Olympia-Bewerbung ein

Mittwoch, 21. September 2016 | 18:37 Uhr

Nach Hamburg und Boston zieht wohl auch Italiens Hauptstadt Rom ihre Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele 2024 zurück. Nach dem Nein von Bürgermeisterin Virginia Raggi gibt es kaum noch Chancen, die Bewerbung weiter aufrecht zu erhalten. “Es ist unverantwortlich, Ja zu dieser Kandidatur zu sagen”, sagte Raggi am Mittwoch in Rom.

“Olympische Spiele sind ein Traum, die sich an einem gewissen Punkt in einen Alptraum verwandeln”, erklärte die Politikerin. Das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) wollte sich später zum Veto Raggis äußern. Präsident Giovanni Malago hatte jedoch zuvor erklärt, ein Nein der Bürgermeisterin würde das Ende aller Olympia-Träume in Italien für viele Jahre bedeuten. Ein für Mittwoch geplantes Treffen zwischen Raggi und den CONI-Vertretern platzte.

“Wir nehmen keine weitere Hypothek auf die Zukunft Roms und Italiens auf”, sagte Raggi. Sie kritisierte, Kosten für Olympische Spiele seien stets viel höher als zuvor geschätzt, Olympia bedeute Schulden und später nutzlose Sportanlagen in der Stadt. “Ein gutes Geschäft für die Lobby, nur Schulden für die Bürger”, kritisierte sie.

Der voraussichtliche Rückzug Roms ist ein weiterer Rückschlag für das Internationale Olympische Komitee (IOC), das im September 2017 in Lima den Gastgeber bestimmt. 2015 hatten Hamburgs Bürger in einem Referendum gegen die Bewerbung gestimmt, auch Boston stieg aus dem Rennen aus und wurde durch Los Angeles ersetzt. “Unsere Position ist nicht isoliert, andere haben das Gleiche getan”, betonte Raggi.

Schon beim Kampf um die Winterspiele 2022 hatten München, Graubünden, Stockholm und Oslo vorzeitig aufgaben. Olympia-Gegner werfen dem IOC Maßlosigkeit vor, die 51 Milliarden Dollar (45,60 Mrd. Euro) teuren Spiele in Sotschi 2014 wirken nach und haben das Image des IOC nachhaltig beschädigt.

Doch auch für Italien ist der erneute Rückzieher Roms peinlich. Schon die Bewerbung der Hauptstadt für die Spiele 2020 war gescheitert, nachdem der damalige Regierungschef Mario Monti die Kandidatur mit Verweis auf die Finanzkrise zurückgezogen hatte. Das angekratzte Image Italiens beim IOC dürfte mit dem erneuten Aus weiter beschädigt werden.

Die hohen Kosten und die schlechte wirtschaftliche Situation Roms sind auch das Hauptargument der Olympia-Gegnerin Raggi, die ihre Ablehnung bereits vor ihrer Wahl im Juni deutlich gemacht hatte. “Wir müssten weitere Schulden aufnehmen, das ist nicht haltbar”, sagte sie. Die Stadt sei hoch verschuldet und zahle noch immer für frühere Großereignisse. Zuletzt war Rom 1960 Gastgeber der Sommerspiele, in Cortina d’Ampezzo 1956 und in Turin 2006 fanden Winterspiele statt.

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (CONI), Giovanni Malago, erklärte, er nehme das Nein zur Kenntnis. “Wir werden weitermachen bis zum formalen Aus. Die Stadt und der Stadtrat müssen die Verantwortung für den Beschluss übernehmen.”

Formal muss nun Roms Stadtrat noch über die Bewerbung entscheiden, wie Bürgermeisterin Virginia Raggi erklärte. Malago hatte bereits zuvor angekündigt, ein Nein würde das Ende aller Olympia-Träume in Italien für viele Jahre bedeuten.

Damit bleiben mit Los Angeles, Paris und Budapest drei Bewerber für die Spiele 2024 übrig. Die Kandidatur Los Angeles’ läuft bisher nach Plan, es gibt keinen nennenswerten Protest und keine Kritik. Auch in Paris zeigten Umfragen eine klare Mehrheit der Bevölkerung für die Kandidatur, ein Referendum war ohnehin nie geplant, in der Politik gibt es eine breite Mehrheit für die Pläne. In Ungarn könnte es theoretisch noch zu einer Volksabstimmung kommen, allerdings werden Budapest ohnehin nur Außenseiter-Chancen eingeräumt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Roms Bürgermeisterin legt Veto gegen Olympia-Bewerbung ein"


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Dublin
Tratscher
7 Tage 35 Min

Gute Entscheidung. Kostet viel und bringt nichts.

oli.
Tratscher
6 Tage 23 h

eine tolle Frau mit Mut .
Kostet Millionen , kaum mehr Werbung für Rom , etc. etc. ,
Italien hat so viele Schulden , wo das Geld für Olympia besser aufgehoben ist .

Für die kriminellen schlecht und für den Staat gut .

Huggy
Neuling
6 Tage 23 h

Das ist eine gute aber vielleicht nicht populäre Entscheidung. Mutig.
Das kann ich gut verstehen.
Viel Geld ausgeben und zurück bleiben nur Schulden.

elmar
Grünschnabel
6 Tage 23 h

Es ist erwiesen das die Kosten höher als die Einnahmen sind und Werbeeffekt braucht Rom auch nicht den es ist ja eine Weltbekannte Stadt zu Bürgermeisterin ist zu sagen Respekt den die Lobby der Befürworter ist sicher groß

Bubi
Neuling
6 Tage 22 h

Bravo Frau Raggi ich bin auch gegen Olympia in Rom italien hat genug andere probleme ich möchte nur wissen wer das finanzieren sollte da die verschuldung italiens ständig steigt und noch etwas die ganze Dopinghorde kanm sich auch irgendwo anders treffen aber bitte nicht in italien.

Grisu
Grünschnabel
6 Tage 22 h

Mutig, mutig Frau Virginia Raggi.

Hoffentlich gibt es noch mehr von Ihrer Sorte.

Entlich bewegt sich was in die richtige Richtung und die Macht,- Geld- und Profitheie kommen unter die Räder.

Amadeus
Neuling
6 Tage 22 h

Bravissima

fritzol
Grünschnabel
6 Tage 22 h

Endlich einmal eine Frau und ihre Partei die normal denken. Olympia hat noch nie etwas postives für die Wirtschaft nach den Spielen gebracht, man braucht nur die ganzen Ruinen der Sportstätten anschauen eines in unserer Nähe Turin .Bravo Frau Bürgermeisterin

Gitte
Neuling
6 Tage 21 h

Roms Rückzieher isch iborhaupt net peinlich, gonz im Gegntoal – endlich a Politiker(in) dei Courage zoag und sich getraut NA zu sogn. Kompliment!

Mikeman
Tratscher
6 Tage 23 h

@ oli :

👍
ganz Deiner Meinung und genau deswegen hat sie alle dagegen
so daß der übliche  S……………. weitergehen kann.

lupo990
Grünschnabel
6 Tage 21 h

Ein Kompliment an Bürgermeisterinn Raggi,ist nur Geldverschwendung…..

Weberknecht
Neuling
6 Tage 19 h

Rom hat so wahnsinnig viel Historie und Kultur zu bieten – was von den Abertausend Touristen jedes Jahr auch unterstrichen wird. Das könnten selbst 5 aufeinanderfolgende Olympiaden nicht aufwiegen. Warum soll man viele Millionen für Sportstätten ausgeben, die danach verfallen. Ein Blick nach Athen, Seoul oder Toronto würde reichen, um zu sehen wie unsinnig solche Ausgaben sind! Und zahlen tut es das Volk!

knoflheiner
Grünschnabel
6 Tage 12 h

Sehr gute Entscheidung ! Zuwos braucht man nou Olimpia???
Die Sportler sein sou (fast) alle gedopt.

marsmaennchen
Grünschnabel
6 Tage 8 h

Ich finde es überhaupt nicht peinlich, wenn Rom seine Kandidatur zurückzieht, peinlich ist eher das IOC. Doping, Bestechungsskandale, überteuerte Spiele, die allein von den Bürgern des Ausrichtungsstaates finanziert werden müssen, Steuerhinterziehung und Ausbeutung von Arbeitern… nur einige Punkte, die zum negativen Image der Olympischen Spiele in den letzten Jahren geführt haben. Ich bin ein absoluter Sportfan, ich liebe sportliche Großereignisse und bin auch kein Fan des M5S, aber ich teile vollkommen die Meinung dieser mutigen Bürgermeisterin…

Dolomiticus
Grünschnabel
6 Tage 3 h
IO STO CON VIRGINIA! Sie hatte es im Rahmen des Wahlkampfes angekündigt, sie wurde gewählt und nun setzt sie um. Was will man mehr? Alles andere wäre die Fortführung dessen, was die zerfilzten Lobbys und deren Marionettenpolitiker eingefädelt hatten. Was will NOK-Malagò? Die Gemeinde auf 20 Mio. Euro verklagen? Hat er noch nicht geschnallt, dass die Politik entscheidet und die anderen haben das auszuführen. Wenn sich diese Typen über Wahlen und Legislaturperioden hinaus binden und festlegen, ohne mit dem Wählerwillen zu rechnen, dann sind sie selber Schuld. Ich bin jedenfalls froh, dass es nix daraus wird, denn, wie die Bürgermeisterin… Weiterlesen »
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