Appell an Regierungen

Salvini will weitere Ex-Terroristen aus dem Ausland zurückholen

Mittwoch, 16. Januar 2019 | 14:05 Uhr

Nach der Inhaftierung des seit 38 Jahren flüchtigen ehemaligen Linksextremisten Cesare Battisti will sich die italienische Regierung um die Heimführung anderer Ex-Terroristen bemühen, die im Ausland untergetaucht sind. Innenminister Matteo Salvini plädierte am Mittwoch für eine “aktive und loyale Zusammenarbeit” durch jene Länder, in denen sich Ex-Terroristen aufhalten.

“Wir hoffen auf eine aktive und loyale Zusammenarbeit seitens der Regierungen, damit nach 30, oder 40 Jahren Kriminelle, die das schöne Leben im Ausland genießen, nach Italien zurückkehren, um in den italienischen Strafanstalten ihre Haft abzusitzen”, sagte Salvini nach Medienangaben vom Mittwoch. Besonders aktiv seien die italienischen Sicherheitskräfte in Frankreich und in Südamerika, um flüchtige Ex-Terroristen aufzuspüren.

Nach Angaben der Mailänder Tageszeitung “Il Giornale” sind noch 33 frühere italienische Terroristen im Ausland auf der Flucht, darunter 15 Ex-Mitglieder der linksextremistischen Terrororganisation “Rote Brigaden” (Brigate Rosse), die für unzählige Morde und Anschläge in den 1970er- und 1980er-Jahren verantwortlich gemacht wird. Die meisten davon sollen sich in Frankreich befinden.

Die italienische Rechtspartei “Brüder Italiens” (Fratelli d’Italia – FdI) fordert aus diesem Anlass ihrerseits die Auslieferung des ehemaligen Südtirol-Attentäters Heinrich Oberleiter an Italien. Der in Deutschland lebende Oberleiter hatte jüngst ein Gnadengesuch an den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella gerichtet. Der 77-Jährige, der in Italien zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, lebt in Gössenheim in Bayern. Das Gnadengesuch hatten seine drei Kinder an den italienischen Staatspräsidenten gerichtet.

Oberleiter war zusammen mit den anderen drei “Pusterer Buam” Sepp Forer, Siegfried Steger und dem 2006 verstorbenen Heinrich Oberlechner wegen verschiedener, in den 1960er Jahren verübter Anschläge von den Schwurgerichten Bologna und Florenz zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Oberleiter wurde ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Er flüchtete 1968 nach Österreich. Nach dem Gnadengesuch muss nun die Oberstaatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Brescia ein Gutachten erstellen. In Brescia war Oberleiter 1974 wegen eines Anschlags auf den Zug Brennerexpress verurteilt worden.

Von: apa