Aufreibende Suche nach möglichen Überlebenden

Schon 250 Tote bei Erdbeben in Mittelitalien

Donnerstag, 25. August 2016 | 22:56 Uhr

Nach dem verheerenden Erdbeben in Italien hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Zugleich gab der Ministerrat bei einer Krisensitzung am Donnerstagabend die ersten 50 Millionen Euro für die Unterstützung der Menschen frei, die vielfach alles verloren haben und vor den Ruinen ihrer Existenz stehen. Damit soll Erdbebenopfern in den betroffenen Regionen schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Bei einem der verheerendsten Erdbeben in der jüngeren Geschichte Italiens sind mindestens 250 Menschen ums Leben gekommen und weitere 365 verletzt worden. In mehreren Ortschaften in Zentralitalien wurden jahrhundertealte kulturhistorische Bauwerke beschädigt oder zerstört. Die Zahl der Todesopfer könnte nach Angaben des Zivilschutzes noch steigen.

Das Beben könne “noch schlimmere Dimensionen erreichen als jenes in L’Aquila” im Jahr 2009, warnte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. Damals starben 309 Menschen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bisher mindestens 215 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Etwa 6.000 Helfer kämpften unermüdlich gegen die Zeit. Aber einen Tag nach dem Beben einer Magnitude von mehr als 6 schwand mit jeder weiteren Stunde die Hoffnung, noch Überlebende zu finden.

Italien wird nach den Worten von Premier Matteo Renzi die zerstörten Orte wieder aufbauen. Das habe derzeit Priorität, sagte Renzi am Donnerstag in Rom. “Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine moralische Verpflichtung gegenüber den Männern und Frauen dort haben”, ergänzte er. Zugleich sei es wichtig, die Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben in Italien zu verbessern. Italien sei zwar sehr gut darin, mit solchen Katastrophen umzugehen, sagte Renzi. Das sei aber nicht genug. Künftig müsse man sich mehr auf vorbeugende Schritte konzentrieren.

Das Beben hatte übereinstimmenden Medienberichten zufolge in der Nacht auf Mittwoch um 3.36 Uhr begonnen und länger als zwei Minuten gedauert – genau 142 Sekunden. Bis Donnerstagabend gab es mehr als 460 teils starke Nachbeben, die die Arbeiten erschwerten. Gleichzeitig kam neue Kritik am Umgang des Landes mit dem Erdbebenschutz auf.

Die meisten Toten gab es in den Orten Amatrice und Accumoli in der Region Latium und in der Gegend um Pescara del Tronto in den Marken. Wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind, war am Abend noch immer unklar.

“Es ist unmöglich, eine Zahl der Vermissten zu nennen”, sagte Zivilschutzchef Curcio. Viele seien auf der Durchreise oder im Urlaub in den betroffenen Orten gewesen. Sie liegen zwischen den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und den Abruzzen. Vor allem viele Italiener machen dort Urlaub.

Aber auch Ausländer kamen ums Leben, die Außenministerien in Madrid und Bukarest bestätigten den Tod eines spanischen und fünf rumänischer Staatsbürger. Von deutschen Opfern ist bisher nichts bekannt. Das Auswärtige Amt in Berlin stand mit der Botschaft in Italien in Kontakt.

Die Rettungsarbeiten waren die ganze Nacht mit Taschenlampen, Baggern und Spürhunden weitergegangen. Immer wieder wurden Leichen geborgen, die Zahl der Opfer stieg fast stündlich. Zahlreiche Nachbeben versetzten nicht nur die Überlebenden in Panik, sondern ließen auch Gebäude weiter einstürzen.

In Italien wurden an vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Die Regierung in Rom hatte dies als Zeichen der Trauer und zum Gedenken landesweit angeordnet.

Rufe nach besseren Vorsorgemaßnahmen wurden laut, Italien müsse erdbebensicher werden, forderte etwa der frühere Regierungschef Romano Prodi. Denn das Land ist hoch erdbebengefährdet, weil unter dem Apennin-Gebirgszug die afrikanische und die eurasische Platte aufeinanderstoßen.

“Es wäre nötig, alle privaten Häuser auf Erdbebensicherheit zu überprüfen”, sagte Gianpaolo Rosati, Direktor des Mailänder Polytechnikums. “Aber die Aufrüstung kostet oft mehr, als ein komplett neues Haus zu bauen. Deshalb schaffen es viele Privatleute nicht.”

Tausende Menschen in den betroffenen Orten sind obdachlos, nachdem ihre Häuser eingestürzt sind. In Notunterkünften wie Zelten verbrachten viele die Nacht. Andere zogen es vor, in ihren Autos zu übernachten, so der Zivilschutz.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der französische Präsident François Hollande drückten Italien ihre Solidarität aus und boten Hilfe bei den Rettungsarbeiten an. “Wir können Italien alle möglichen Hilfsmittel zur Verfügung stellen, wenn das Land uns darum bittet, denn es können noch Leben gerettet werden”, sagte Hollande. “Solche Katastrophen zeigen wieder einmal unsere Verwundbarkeit, aber auch, was Solidarität bedeuten kann.”

Die italienische Regierung hat ihren vollen Einsatz für die Restaurierung der im Erdbebengebiet in Mittelitalien Kunstschätze versprochen. “Wir wollen versuchen, die zerstörten Gemeinden so aufzubauen, wie sie waren und zugleich Gebäude mit antiseismischen Standards garantieren”, berichtete Kulturminister Dario Franceschini am Donnerstag. 295 Kulturgüter wurden im Erdbebengebiet beschädigt, 50 davon sind eingestürzt. “Die Bilanz wird noch steigen”, sagte der Minister bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. In Macerata fast 100 Kilometer nordöstlich des Epizentrums wurde am Donnerstag die Kathedrale San Giuliano gesperrt, deren Fundamente aus dem 10. Jahrhundert stammen.

In der Geburtsstadt des Heiligen Benedikt (geb. 480), in Norcia, wurde der Dom in Mitleidenschaft gezogen. Auch in Cascia, Heimatort der Heiligen Rita, wurden Monumente beschädigt. Das Kolosseum in Rom soll auf mögliche Schäden überprüft werden.

Der Bürgermeister des hart getroffenen Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, machte den Überlebenden Mut. “Jetzt gibt es einen Moment der Verzweiflung, aber wir glauben an uns. Wir sind hartnäckige Bergbewohner und wir werden das schaffen.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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26 Kommentare auf "Schon 250 Tote bei Erdbeben in Mittelitalien"


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1 Monat 4 Tage

dei leit miasn unterstützung kriagn!! wen jeder flüchtling be ins do a unterkunft kriag nr hoffentlich woll a dei.leit!! do soll italien zomstian und dei helfen!

Norbi
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Was da passiert ist macht mich sehr traurig. aber ich werde nichts spenden. denn der wirklich Hilfe braucht sieht keinen Zent davon. das wird von Banken und Politiker schon so gerichtet. und noch was. Gestern im TV Die wirklich alles verloren haben, die ihr leben lang gearbeitet haben, standen dort ohne zu schreien, dann kommt eine und schreit alles verloren. Möchte dieser Frau fragen was? den wahrscheinlich gestohlenen Camper. so und jetzt könnt ihr ruhig auf minus drücken. ist mir sch..egal weil wenn ich schon was schreibe dann schreib ich was ich denke obs gefällt oder nicht 

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

@marsmaennchen konnsch du ins ewt. irgend welche organisationen vermitteln bzw. wo man erfahrn konn welch, außer der caritas od. caritas untergeordnete organisationen es gib? bitte!

marsmaennchen
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage
@Staenkerer  Du kannst dem Italienischem Zivilschutz direkt ein SMS auf die Nummer 45500 schicken, es werden dann 2 Euro von deinem Guthaben abgezogen und ohne Spesen auf ein Soforthilfekonto überwiesen. Das hat bei den letzten Katastrophen immer gut funktioniert. Du kannst auch dem Südtiroler Zivilschutz vertrauen. Organisationen, denen ich gerne helfe und wo ich persönlich Mitarbeiter kenne, sind Safe the Children und Ärzte ohne Grenzen. Der Caritas gebe ich auch nichts, die hat vor vielen Jahren einen meiner besten Freunde auch nicht geholfen, aus nichtigen Gründen. Und wenn man bedenkt, wieviel die Kirche hat, ist es sowieso eine Schande, dass… Weiterlesen »
Norbi
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@gitsch  stimmt Meine Eltern sind IT ich hab nur versucht auf deutsch zu schreiben wenn dich das stört dann könnte ich anders antworten

gitsch
Neuling
1 Monat 4 Tage

Natürlich hast du Recht damit, aber ein paar Deutsch-Nachhilfestunden würden dir nicht schaden!
…natürlich haben die Leute auch mein vollstes Mitgefühl.
DANKE an all die fleißigen Helfer!

Bluemchen
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

“Gedacht” ???? Bei diesem Kommentar ????? Weist du überhaupt was das Wort bedeutet ???? Ich glaube nicht.

marsmaennchen
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Habe mich auch über diese Frau geärgert. Leider gibt es solche Menschen, schade, dass die Medien ihnen immer Aufmerksamkeit schenken. Was die Spenden anbelangt, es gibt schon auch Organisationen, bei denen das Geld wirklich bei den Leuten ankommt. Vielleicht ändern Sie ja Ihre Meinung, wäre schön und es muss ja nicht viel sein…

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

i gib dir recht! i spendat gern ober sicher nit über die caritas,wo des geld hinkimmt woas man!
es hob recht, de ärmsten, de, de davor nit viel hatten u. des bisl a no verlorn hobn, krieg decht nix, weil se sich nit derwehrn, dafür staubt vieleicht a reicher ob, der sein ferienhaus verlorn hot!
wenn, wer i als zeichn meiner solidarität, de spendentel.nummer a poor mol unruafn,(von der do in an ondern bericht de rede isch) … wenn i depp imstonde bin de auserzufindn …

Ninni
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Einfach nur Schlimm
Allen vor Ort, runderhurm viel viel Kraft.

Resi
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

sehr sehr schlimm bitte helft alle

Marc
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Entsetzlich! Solche Ereignisse prägen sich ein und werden nie wieder vergessen. Die hohe Opferzahl und Verletzten sind eine erschreckende Zahl! Ich bin traurig das es so viele sind und denke es hätten weniger sein können wenn entlich mal ordentliche und für die Region in der es immer wieder Erdbeben geben wird auch entsprechend sichere Gebäude gebaut würden!
Wer trägt eigentlich eine Mitverantwortung das ganze Dörfer vernichtet werden?! Leider wird in Italien immer erst nach einem solchen Unglück über Vermeidungsmaßnahmen diskutiert. Das ist viel zu spät!
Ich wünsche den Menschen und auch den vielen Helfern Kraft und Mut.
Mein Beileid!

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage
jo entzetslich, de menschen wern des trauma woll nie gonz onschütteln kennen, de katastrofe ischbohner jede vorwarnung über sie hereingebrochn! menschen hobn familie, freunde u. olles hab u. gut verlorn! grod de senioren tien mir load, sie stien am abend ihres lebens vor an trümmerhaufn der a oll de kloanen u. größeren erinneringen verschluckt hot u. müßn gonz neu beginn! für mi isch es no zu früh schuldige zu suachn, no stien de opfer u. de verschütteten u. verletzten im vordergrund! de schuldigen zu suachn isch zeit wenn sich de staubwolke geleg hot u. man sicher isch das der letzte… Weiterlesen »
Alpenrepuplik
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Hätte man nicht mit Milliarden Griechenland gerettet, sondern einen Katastrophen Fond gegründet..jetzt würde dieses verschleuderte Geld soooo dringend in dem Erdbeben Gebiet benötigt….ach Frau Merkel, ich werde die nächsten Wochen das Anti-Merkel T-Shirt nur noch tragen…..

shin ken
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Man terfs jo et sogn, obo i gitraume decht amol: hoppas de budn gsegn wos do untn stian? Probiar ba ins herobm amol a sea bude auzistell. De baustelle sperrn sie do vorn unfong schun.
Trotzdem olls guite in olla do untn.

Bluemchen
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Bei dieser stärke von Erdbeben wird deine soooooo gute Bude wohl auch nicht mehr stehen.

bergfex
Neuling
1 Monat 4 Tage

gonz deindo meinung.!!

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

i honn viele trümmer von meerolten häusern gsechn, fost 100% steinbauten, ob i honn nit olles verfolg u. woas nit wieviele neuere- bezw. neubauten betroffen sein! a österr. aufbauhilfe experte hot gestern gsog das do sehr viele der 100 u. mehr kährigen häuser innennsaniert u. umgebaut wurden u. grod die sem als erster eingstürzt sein, do de neuen zwischendeckn u. -wände aus “starren” zement onderst reagiern wie de olten mauern mit “weicherem” mörtel, also a des a fehler den man do beim saniern der denkmalgschützten gebäuden worscheinlich a mocht!

jefferson
Neuling
1 Monat 4 Tage

Wos redesch du fir an scheiss daher …des sein olte Dörfer und sicher koane Klimahäuser a la Südtirol ! I wor erst untn und genau dei oltn Strukturen faszinieren . Dass sie an Erdbeben net stondholten kennen wissen olle erst wenns passiert isch !

shin ken
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@werner du gscheido du! Honi IRGNDJEMAND beleidigt mit mein post? Glab et, hegschtns di architektn und statika do untn, obo gonz sicho et DI, also tatido rotn an ondon ton inzischlogn.

werner
Neuling
1 Monat 4 Tage

jo du gscheido , la stion de Budn schu a poor hundot Johr und et erscht seit geschto

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

i zieh vor olle helfern vor ort den hut, egal von wo de kemmen, de leisten enormes!
für oll de toten meine stille,demütige verneigung
ihren trauernden wünsch i kroft
all den verletzten a.schnelle genesung u
all de traumatisierten mut zum weiermochn!
oll den menschen karft u. mut zu neuanfang!

ExSuedtiroler
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Das ist wirklich ein schreckliches Erdbeben. Mein Mitgefühl allen! 

Ist das nicht eine besonders gefährdete Erbeben-Gegend? Hat man da nie vorgesorgt? Vermutlich eine wirtschaftlich schwache Gegend und es fehlte das Geld um sicherer zu bauen.. Der Staat spart eben immer am falschen Ort.
Wie kann man helfen?

Poppi
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Wahnsinn – und niemand kann etwas dagegen tun…

oha
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

: (

leila
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Einfach nur traurig…

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