Staatsanwaltschaft befürchtet "geheime Absprachen"

Seilbahnunglück am Lago Maggiore: Festgenommene befragt

Samstag, 29. Mai 2021 | 22:25 Uhr

Die drei wegen des Unglücks am Lago Maggiore festgenommenen Mitglieder der Seilbahngesellschaft “Ferrovie del Mottarone” sind am Samstag einvernommen worden. Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft besteht die Gefahr “geheimer Absprachen” zwischen dem Besitzer der Seilbahn und dem Seilbahndirektor, um die ganze Verantwortung auf den Einsatzleiter abzuschieben. Alle drei Männer sitzen seit Mittwoch im Gefängnis der piemontesischen Stadt Verbania.

Die Ermittler vermuten, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten. Die Gondel raste am Pfingstsonntag mit hoher Geschwindigkeit an den Tragseilen zurück Richtung Tal, knallte an einen Seilbahn-Pfeiler und überschlug sich mehrfach. Dabei kamen 14 Personen, darunter zwei Kinder, ums Leben.

Der Seilbahn-Einsatzleiter gestand seine Verantwortung ein. Er habe nie gedacht, dass es zu einem Kabelriss kommen würde. “Ich bin kein Krimineller. Ich hätte keine Menschen in die Kabine einsteigen lassen, wenn ich gedacht hätte, dass das Seil reißen würde”, sagte der Mann, der seit 38 Jahren für die Seilbahngesellschaft “Ferrovie del Mottarone” arbeitet. Sein Anwalt forderte, dass sein Mandant unter Hausarrest gestellt werde. “Er ist am Boden zerstört. Er dachte nicht, dass dieses Unglück passieren könnte”, erklärte Rechtsanwalt Marcello Perillo, der für seinen Mandanten den Hausarrest beantragen will. Er dementierte, dass es Fluchtgefahr bestünde.

Der Seilbahn-Direktor schiebt die Schuld auf den Einsatzleiter. Er wusste nicht, dass die Notbremse außer Betrieb gesetzt worden war, nachdem es wiederholt zu Betriebsstörungen gekommen war, behauptete sein Anwalt. Der Einsatzleiter meinte dagegen, der Direktor und der Seilbahn-Eigentümer seien informiert gewesen, dass die Notbremse außer Betrieb gesetzt worden war.

In dem Antrag auf Untersuchungshaft für die drei Festgenommenen erwähnt die Staatsanwaltschaft vorsorglich die Gefahr einer Beweismittelverunreinigung. Die Männer hätten sich nicht unmittelbar nach der Tat gestellt.

In den kommenden Tagen wird die Inspektion durch einen Berater der Staatsanwaltschaft von Verbania am Unfallort beginnen. Die Arbeit des Beraters konzentriert sich auf das gerissene Zugseil, um die Ursachen des Bruchs, der zur Katastrophe führte, zu prüfen. Der Anwalt des angeklagten Einsatzleiters ist bereit, seine eigenen technischen Berater zu ernennen.

Inzwischen besserte sich der Zustand des einzigen Überlebenden des Unglücks, einem fünfjährigen Buben aus Israel. Das Kind erwachte vom Koma. “Er fragt nach seinen Eltern, seine Tante und seine Großmutter bleiben immer in seiner Nähe”, teilten die Ärzte mit. Das Kind wird noch einige Tage auf der Intensivstation bleiben müssen. Die Stadt Pavia, in der die bei der Seilbahnkatastrophe verunglückten Eltern des Buben lebten, starteten eine Spendensammlung für den Buben.

Die italienische Region Piemont hat einen Trauertag für die Opfer des schweren Seilbahnunglücks vor einer Woche ausgerufen. Regionalpräsident Alberto Cirio rief die Bevölkerung in einem Erlass dazu auf, am Sonntag um 12.00 Uhr eine Schweigeminute einzulegen

Von: apa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Seilbahnunglück am Lago Maggiore: Festgenommene befragt"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Zugspitze947
14 Tage 18 h

Da gibbt es keine Entschuldigung und somit sollen die Verantwortlichen im Gefängnis bleiben und bald ein Prozess stadtfinden ! 🙁

Storch24
Storch24
Kinig
14 Tage 18 h

Mindestens waren es zwei. Einer der angeordnet hat, der zweite der den Befehl ausgeführt hat.

Chrys
Chrys
Superredner
14 Tage 15 h

Der Seilbahndirektor ist wohl immer Verantwortlich, auch wenn er es nicht gewusst hat. Wenn ein Maurer vom Gerüst stürzt und der Chef in Urlaub ist, ist er trotzdem verantwortlich. 
Nur, die Notbremse ok. Das ist undiskutabel. Aber auch das Seil, das kann es nicht geben und auch dort ist man verantwortlich. Entweder irgendwer hat da irgendetwas kaputt gemacht, oder die Firma Seeber wird da wohl noch in arge Schwierigkeiten kommen. 
Zudem, auch jedes Auto hat eine Notbremse (Handbremse) Wie viele sind der Meinung, dass im Notfall jemand seinen Wagen mit der Notbremse zum stehen bringt, bei einem plötzlichen Versagen der Fußbremse? 

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Universalgelehrter
14 Tage 9 h

Wie kommen Sie denn darauf, dass die Handbremse im Auto eine Notbremse sei? Sie dient nämlich ausschließlich dazu, ein parkendes Auto im Stillstand zu halten. Bevor man jetzt dagegen begehrt…. steht auch bei Google in zahlreichen Erklärungen genau so…

Autodago
Autodago
Neuling
14 Tage 14 h

Es entsteht der Eindruck, dass sich Verantwortliche in Selbstmitleid ergehen, anstatt sich dem Recht zu stellen. Sie sollen alle und nicht nur die kleinen nach dem Strafrecht abgeurteilt werden. Es gibt auch nichts zu Sammeln für einen Überlebenden, dafür muß es Versicherungen geben die dafür einstehen. Mit Spenden wollen sich einige Leute sowieso nur von der Schuld freikaufen.

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
14 Tage 12 h

Guter Kommentar

Orch-idee
Orch-idee
Tratscher
14 Tage 12 h

Ich bin froh, dass der Junge noch eine Tante und eine Oma hat…
Wenigstens muss er nicht alleine, diese schwere Zeit durchmachen..
Gott möge ihnen helfen 🙏

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
14 Tage 12 h

Armes Kind soviel Leid.

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