Abgedeckte Gondel am Unfallsort

Seilbahnunglück: Gericht sieht keine Beweise gegen Direktor

Sonntag, 30. Mai 2021 | 15:26 Uhr

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore mit 14 Todesopfern vergangene Woche ist es bei den Ermittlungen zu einer überraschenden Wende gekommen. Laut einer Untersuchungsrichterin in der norditalienischen Stadt Verbania bestehen keine Schuldbeweise gegen den Besitzer der Seilbahnanlage “Ferrovie del Mottarone” und gegen den Direktor, die am Mittwoch zusammen mit dem Einsatzleiter festgenommen worden waren. Die drei Männer wurden mittlerweile enthaftet.

Laut der Untersuchungsrichterin würde es an soliden Beweisen gegen den Seilbahn-Besitzer und den Direktor fehlen, wie die Vernehmung der beiden Männer am Samstag bewiesen hätte. Die beiden kamen in der Nacht auf Sonntag wieder frei. Der Einsatzleiter wurde unter Hausarrest gestellt.

Das tödliche Seilbahnunglück am Lago Maggiore ist offenbar durch die absichtliche Abschaltung eines Sicherheitssystems verursacht worden. Die Bremsvorrichtung war Medienberichten zufolge bereits seit dem 26. April, dem Tag der Wiederaufnahme des Seilbahnbetriebs, wegen eines technischen Problems außer Betrieb. Bei dem Unglück starben Familien, junge Paare und zwei Kinder.

“Ich bin froh, zu meiner Familie zurückzukehren, aber ich bin verzweifelt wegen der 14 Todesopfer”, sagte der Betriebsdirektor beim Verlassen des Gefängnisses von Verbania. Er habe über die Aussetzung der Notbremse nichts gewusst. “Ich hätte diesen Beschluss nie genehmigt”, versicherte er.

Der Seilbahn-Einsatzleiter gestand seine Verantwortung ein. Er habe nie gedacht, dass es zu einem Kabelriss kommen würde. “Ich bin kein Krimineller. Ich hätte keine Menschen in die Kabine einsteigen lassen, wenn ich gedacht hätte, dass das Seil reißen würde”, sagte der Mann, der seit 38 Jahren für die Seilbahngesellschaft “Ferrovie del Mottarone” arbeitet.

In den kommenden Tagen wird die Inspektion durch einen Berater der Staatsanwaltschaft von Verbania am Unfallort beginnen. Die Arbeit des Beraters konzentriert sich auf das gerissene Zugseil, um die Ursachen des Bruchs zu prüfen. Der Anwalt des angeklagten Einsatzleiters ist bereit, seine eigenen technischen Berater zu ernennen.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "Seilbahnunglück: Gericht sieht keine Beweise gegen Direktor"


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Jesus_Official
Jesus_Official
Grünschnabel
24 Tage 8 h

Bella Italia du stinkst aus allen Rohren

anniho63
anniho63
Grünschnabel
24 Tage 7 h

hosch recht

The secret garden
The secret garden
Grünschnabel
24 Tage 7 h

Jetzt können der Besitzer und der Direktor sich absprechen und die ganze Verantwortung auf den Techniker abwälzen.

Es mag zwar (noch) keine Beweise geben, dass sie informiert waren, aber der Direktor trägt immer Verantwortung. Wenn der “Forchettone” seit Ende April die Bremsen blockierte, hätte er es merken müssen.

OrtlerNord
OrtlerNord
Grünschnabel
24 Tage 4 h

Zur Info die Klammer ist von unten nicht sichtbar, da musst du von oben auf das Seil schauen. Alles andere werden die Gerichte klären. Die Frage warum das Seil gerissen ist auch noch zu klären.

Chrys
Chrys
Superredner
24 Tage 4 h

Schwer zu glauben, dass nicht zumindest der Besitzer der Seilbahn, der ja eigentlich der einzige Nutznießer der Aktion ist, davon nichts gewusst hat.

Offline
Offline
Universalgelehrter
23 Tage 21 h

@The secret garden…wenn die Fahrer unserer LKWS und die (auch Privat) Nutzer unserer Geschäftswagen etwas an Ihren Fahrzeugen manipulieren (Fahrtenschreiber, Chip Tuning oä.), wie sollte das die Firmenleitung mitbekommen ?

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
23 Tage 21 h

@Chrys korrekt. Aber mündliche Absprachen sind keine Beweise. Aussage gegen Aussage. Das sollte eine Lehre für alle verantwortlichen Arbeiter sein. Trotzdem sitzt der Arbeitgeber am längeren Hebel. Sollte es diesen Befehl wirklich gegeben haben und der Techniker verweigert dies kann er sich eine andere Arbeit suchen.

Autodago
Autodago
Neuling
24 Tage 2 h

Bei einem Kfz gibt es in D z.B. die sog. Halterhaftung, also wenn die Bremsen nicht funktionieren ist der Halter(Besitzer) dran. Er kann keinesfalls die Schuld auf einen Fahrer abwälzen. Der Fahrer kann diese auch nicht übernehmen. Der Direktor wird doch ein Haufen Geld kassieren für seine Position. Da kann die Verantwortung doch nicht ausgeschlossen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Hinterbliebenen nicht so einfach abspeisen lassen und klagen. Wie immer in Italien gibts zuerst viel Aktionismus also viel heiße Luft und dann ist keine Substanz darin.

OrtlerNord
OrtlerNord
Grünschnabel
24 Tage 1 h

Autodago
Verstehe mich nicht falsch. Ich bin der Meinung der Fall soll von Fachleuten geklärt werden und nicht hier im Forum von Möchtegernfachleuten. Wenn ich die Bremsen von deinem Auto ohne dein Wissen manipuliere oder verändere bin ich der Verantwortliche.

Buecherwurm
Buecherwurm
Grünschnabel
24 Tage 4 h

Die “italienische Lösung” man lässt die Beschuldigten erst mal frei und opert dann Jahre, wenn es sein muss auch Jahrzehnte an einem Prozess herum, bis die Beschuldigten eines natürlichen Todes im Bett gestorben sind.

A pro pos, was ist eigentlich der Aktuelle Stand von Kapitän Schettino?

Evi
Evi
Universalgelehrter
24 Tage 5 h

Ich verstehe die Welt nicht mehr 🤦🏼‍♀️

prontielefonti
prontielefonti
Superredner
24 Tage 5 h

Keine Worte

Tina1
Tina1
Grünschnabel
24 Tage 4 h

In Italien muss man ehrlich sein, einen Furz am falschen zur falschen Zeit dann bist du sicher im Häfen und nicht nur…..

Tina1
Tina1
Grünschnabel
24 Tage 4 h

“….am falschen Ort”

raetia
raetia
Grünschnabel
23 Tage 9 h

Darum braucht es dringend Reformen in der Justiz…das kann wohl nicht wahr sein….

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