NGOs werden verdächtigt von Schleppern Geld zu erhalten

Sizilianischer Staatsanwalt will NGO-Finanzierung prüfen

Freitag, 28. April 2017 | 09:47 Uhr

Der italienische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro, der Nichtregierungsorganisationen eine Zusammenarbeit mit libyschen Schleppern bei der Rettung von Migranten im Mittelmeer vorgeworfen hat, will prüfen, ob NGOs auf illegale Wege finanziert werden. “Wir wollen prüfen, wer die NGOs finanziert”, so Zuccaro im Interview mit der römischen Tageszeitung “La Repubblica” am Donnerstag.

“Aus den Bilanzen der NGOs, die wir bisher kontrollieren konnten, ist es offenkundig, dass diese Organisationen über enorme Geldmittel verfügen. Es ist normal, dass solide Organisationen wie ‘Ärzte ohne Grenzen’ und ‘Save the children’ über diese Ressourcen verfügen, nicht aber, dass andere NGOs so viele Geldmittel haben. Wir arbeiten, um zu verstehen, wer diese NGOs finanziert. Dass eine Organisation wie MOAS monatlich 400.000 Euro im Monat ausgeben kann, ist ein Element, dem wir nachgehen wollen”, so Zuccaro.

Bisher habe er noch keine fundierten Beweise gesammelt, die Kontakte zwischen Schleppern und den NGOs belegen könnten. Aus zuverlässigen Quellen habe er jedoch erfahren, dass Schiffe der NGOs tausende Menschen an Bord nähmen, bevor die Flüchtlingsboote überhaupt in Gefahr gerieten.

Zuccaro rief die Politik auf, die im Mittelmeerraum aktiven NGOs genau unter die Lupe zu nehmen. “Als Staatsanwalt habe ich die Pflicht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein großes kriminelles Phänomen zu lenken, gegen das die Politik schnell eingreifen muss. Sollte man die langen Zeiten einer komplexen Justizuntersuchung abwarten, könnte es zu spät sein”, so der Anwalt.

“Save the children” forderte am Donnerstag ein Ende der pauschalen Vorwürfe. Würden die Hilfsorganisationen weiter unter Generalverdacht gestellt, nähre das ein “Klima des Misstrauens auf Kosten der Kinder, Frauen und Männer auf der Flucht”, hieß es in einer Mitteilung. Derzeit befinden sich mindestens zehn NGOs im Mittelmeer vor Libyen, darunter mehrere Organisationen aus Deutschland wie Jugend Rettet, Sea Watch, Sea-Eye, LifeBoat, SOS Mediterranee und Mission Lifeline.

Von: apa