Antonino Borgia ermordete seine schwangere Liebhaberin – VIDEO

Skandalurteil: Nur 19 Jahre anstatt lebenslänglich

Sonntag, 09. Oktober 2022 | 08:03 Uhr

Palermo/Partinico – Ein Gerichtsurteil löst weit über Sizilien hinaus Ungläubigkeit und Entsetzen aus. Nachdem das Schwurgericht von Palermo den 54-jährigen Antonino Borgia, der seine schwangere Liebhaberin mit zehn Messerstichen ermordet hatte, zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt hatte, hob das Berufungsgericht diesen Richterspruch auf und setzte die Haftstrafe auf 19 Jahre und vier Monate herab. Das Berufungsgericht, das die erschwerenden Umstände des Vorsatzes, der verwerflichen und nichtigen Beweggründe und der Grausamkeit als nicht gegeben ansah, kam zum Schluss, dass „das Verbrechen Folge eines Wutanfalls gewesen war“.

YouTube/Antonino Borgia, Ana Maria Lacramioara Di Piazza

Der schreckliche Femizid geschah am 22. November 2019. Zwischen der damals 30-jährigen Ana Maria Lacramioara Di Piazza, die als kleines Kind aus Rumänien von einer sizilianischen Familie adoptiert worden war, und dem zum Tatzeitpunkt 51-jährigen Unternehmer Antonino Borgia bestand bereits seit geraumer Zeit ein Liebesverhältnis. Nachdem sie dem verheirateten Mann gebeichtet hatte, dass sie von ihm ein Kind erwartete, kam es zwischen den beiden zu einem heftigen Streit. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zog Antonino Borgia ein Messer und stach auf die wehrlose Ana Maria Lacramioara Di Piazza insgesamt zehnmal ein. Anschließend hüllte er die Leiche in eine Plastikplane ein und entledigte sich ihr neben der Staatsstraße in der ländlichen Umgebung von Partinico.

Allerdings rechnete der Mörder nicht mit der Aufmerksamkeit eines Einwohners von Partinico, der über die Überwachungsanlage seines Grundstücks einen Großteil des Streits praktisch live miterlebt hatte. Über die Mikrofone hörte er die vielleicht letzten Worte im Leben von Ana Maria Lacramioara Di Piazza mit. „Was willst du tun? Ich erwarte ein Kind von dir. Ich liebe dich“, waren die letzten Worte des Opfers.

Über die Kamera sah derselbe Zeuge, wie ein Mann eine junge Frau angriff. Zur fast gleichen Zeit fiel einem weiteren Zeugen in der ländlichen Umgebung zwischen Alcamo und Balestrate auf, wie eine Frau aus einem weißen Lieferwagen floh und dabei von einem Mann verfolgt wurde. Der Zeuge konnte sich sogar an den Schriftzug, den der kleine Lieferwagen trug, erinnern. Der Lieferwagen gehörte zum Unternehmen von Antonino Borgia, das im Bereich der Projektierung und Errichtung von Schwimmbädern tätig ist.

ANSA/STAMPA/CARABINIERI

Von den beiden Zeugen alarmiert, nahmen die Carabinieri sogleich Ermittlungen auf. Noch am selben Abend fanden die Beamten neben der Straße die versteckte Leiche der 30-jährigen, schwangeren Frau. Wenige Stunden später führten die Aussagen der beiden Augenzeugen die Carabinieri zuerst zum weißen Lieferwagen und dann zu Antonino Borgia, der nach dem Mord vergeblich versucht hatte, mit dem Hochdruckreiniger alle Blutspuren zu beseitigen. Mit der erdrückenden Beweislast konfrontiert, brach Antonino Borgia nach einem stundenlangen Verhör zusammen und gestand die schreckliche Bluttat. „Sie wollte Geld und drohte damit, alles meiner Frau zu erzählen“, rechtfertigte der Mörder die grausame Bluttat.

YouTube/Antonino Borgia

In der Folge wurde Antonino Borgia im Frühjahr 2021 wegen Mordes, Verbergens einer Leiche und Verursachung eines Schwangerschaftsabbruches unter den erschwerenden Umständen der Grausamkeit und des niederträchtigen und nichtigen Motivs in erster Instanz vom Schwurgericht von Palermo zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Das Berufungsgericht, das die erschwerenden Umstände des Vorsatzes, der verwerflichen und nichtigen Beweggründe und der Grausamkeit als nicht gegeben ansah, kam hingegen zum Schluss, dass „das Verbrechen Folge eines Wutanfalls gewesen war“. Dementsprechend setzten die Richter die ursprünglich lebenslängliche Haftstrafe auf „nur“ 19 Jahre und vier Monate herab.

Die Staatsanwaltschaft von Palermo hatte die Bestätigung der lebenslangen Haftstrafe beantragt und erwägt nun, gegen dieses Urteil vor dem römischen Kassationsgericht Berufung einzulegen. Die Mutter von Ana Maria Lacramioara Di Piazza, Anna Di Piazza, ist zutiefst enttäuscht und versteht die Welt nicht mehr.

YouTube/Ana Maria Lacramioara Di Piazza

„Es genügt, sich das Video der Überwachungskamera anzuschauen. Meine Tochter könnte noch am Leben sein, wenn dieser Mann auch nur einen Moment des Erbarmens gezeigt hätte. Stattdessen hat er sie verfolgt und mehrmals auf sie eingestochen. Es ist ein grausamer Tod gewesen. Wie kann das alles nicht berücksichtigt werden? Sagt mir, was eine Gräueltat ist. Sagt mir, ob meine Tochter nicht mit Gewalt und Grausamkeit getötet worden ist. Wie ist es möglich, dass ein so abscheuliches Verbrechen mit einem Urteil bestraft wird, das meiner Tochter nicht gerecht wird? Ich will keine Rache, sondern nur Gerechtigkeit“, so Anna Di Piazza, deren einzige Hoffnung es ist, dass der römische Kassationsgerichtshof das Urteil des Berufungsgerichtes revidiert.

Die Mutter des Opfers ist mit ihrer Enttäuschung und ihrem Entsetzen nicht allein. Viele Italiener vertreten die Ansicht, dass angesichts der Grausamkeit der Bluttat als Strafe nur eine lebenslängliche Kerkerhaft angemessen sei.

Von: ka

Kommentare
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alpenfranz
alpenfranz
Superredner
1 Monat 29 Tage

schreckliche Tat. wobei lebenslänglich in Italien 26 Jahre bedeutet.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 29 Tage

alpenfranz Beutel bekam 30!!

Savonarola
1 Monat 29 Tage

@Sag mal

man muss nur oft genug bis in alle Instanzen hinaufrekurrieren, dann wird die Strafe häufig weniger…

brunner
brunner
Universalgelehrter
1 Monat 29 Tage

Schafft sicher Vertrauen in die Justiz….manche Anwälte sind zum Schämen…

Plusminus
Plusminus
Grünschnabel
1 Monat 29 Tage

Mord ist meines Erachtens, daß schlimmste, was man ein Mensch einem anderen antun kann, wird aber in vielen Fällen im Verhältnis nur gering Bestraft. In vielen Ländern sitzen Menschen Jahre lang im Geschäft, nur weil sie für ein besseres Leben demonstrieren. Wie ungerecht unsere Welt doch ist

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 29 Tage

hätte wie Beutel 30 !Jahre kriegen müssen.

ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 29 Tage

Sag mal.. Beutel ist auch viel jünger..

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
1 Monat 29 Tage

Zu schämen de Strofn und Gesetze!!! In Solche Fälle sollten Amerikanische Strofn ungewondt werdn

ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 29 Tage

Wutanfall? Was ändert das… für die Betroffenen sicher nichts, wie ich schon sagte: wer jemand anderem vorsätzlich das Leben nimmt, zeitlebens ohne Freiheit so wie es für Opfer ewig ist (am besten wäre Arbeit für die Allgemeinheit, und zwar wirklich das ganze Leben, nicht in Jahren bemessen!

Horizont
Horizont
Tratscher
1 Monat 29 Tage

Praktisch hat er nicht nur die junge Frau grausam umgebracht sondern auch dass Ungeborene.

KASPERLE
KASPERLE
Tratscher
1 Monat 28 Tage

30 Jahre Haft (ergastolo) wäre angemessen.
Oder eben 19 Jahre für den Täter und die restlichen 11 Jahre soll der Richter statt ihn absetzen, wenn er wirklich meint…

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