Rigorose Schutzmaßnahmen im Dolomiten-Ort

Ski-WM: Cortina 2021 als Symbol im Kampf gegen Corona

Donnerstag, 04. Februar 2021 | 07:35 Uhr

In zwei Tagen beginnt eine der größten internationalen Veranstaltungen während der Coronavirus-Pandemie. Dass die 46. alpine Ski-WM in Cortina d’Ampezzo überhaupt stattfindet, ist ein halbes Wunder, in vielerlei Hinsicht aber von immenser Bedeutung. Der Rennsport braucht die Einnahmen, das arg gebeutelte Italien ein Event mit Symbolkraft. Das Programm ist so dicht wie nie: 13 Rennen warten in 14 Tagen. Mit den Virus-Mutationen kämpft man gegen einen unsichtbaren Feind.

16 Jahre nach Bormio 2005 gibt Italien sein Comeback als WM-Ausrichter. Gleichzeitig geht es um einen erfolgreichen Probelauf für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina. Durch Covid-19 sind die Herausforderungen aber weitaus komplexer geworden, als die Macher das je ahnen konnten. “Ich kann mich an keinen Veranstalter erinnern, der so viele Aufgaben wie Cortina bewältigen musste, damit wir alle in den nächsten zwei Wochen hier sein können”, sagte Noch-FIS-Präsident Gian Franco Kasper. “Würde es eine Goldmedaille für Ausdauer und Beharrlichkeit geben, würde das gesamte Cortina-2021-Team gewinnen.”

Dass die WM ausgerechnet in dem Land steigt, in dem die Pandemie in Europa ihren Ausgang genommen hat, ist allein schon symbolträchtig. Es gehe jetzt darum, in harten Zeiten eine Botschaft der Hoffnung und des Optimismus zu senden, sagen die Verantwortlichen um OK-Präsident Alessandro Benetton. “Cortina 2021 ist der Beweis, dass Italien gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann”, meinte Valerio Toniolo, der Regierungsbeauftragte für die Ski-Weltmeisterschaften. Freilich ist die Regierung unter Ministerpräsident Antonio Conte mittlerweile Geschichte, Ex-Banker Mario Draghi soll die politische Notlage jetzt beenden.

Die Pandemie hat den Alpin-Zirkus in den vergangenen Monaten schwer getroffen. Zuschauer waren nirgendwo zugelassen, es gibt viele Einschränkungen und strenge Pflichten. All das riss überall massive Löcher in die Budgets. Der Rettungsanker sind die TV- und Marketing-Einnahmen, die durch die WM generiert werden, “Dieses Geld wird dann an die Verbände ausgeschüttet, damit wir die Saison überleben”, meinte der Südtiroler Markus Waldner, FIS-Renndirektor für die Herren-Bewerbe.

Damit kein WM-Cluster entsteht, herrschen im Dolomiten-Ressort rigorose Schutzmaßnahmen: vier Blasen mit möglichst wenig Interaktion, Antigen-Schnelltests alle drei Tage, elektronische Zutritts- und Bewegungskontrollen, Gesundheitsfragebögen, Maskenpflicht und Temperaturscans an jeder Ecke, aber bis 18.00 Uhr geöffnete Lokale. Was die 5.600-Einwohner-Ortschaft für zwei Wochen unter enormem logistischen Aufwand versucht, kommt einem epidemiologischen Feldversuch gleich. Wie unter einem Brennglas wird die Kontrollierbarkeit des Virus studiert.

An die 600 Sportler aus 70 Nationen werden ins Ampezzo-Tal reisen, insgesamt werden rund 3.000 Personen erwartet. Erstmals finden 13 Bewerbe statt, die zusätzlichen zwei ergeben sich aus den Parallel-Bewerben. Die Infrastruktur wurde vielfältig umgestaltet und modernisiert. Während die Damen mit ihrer WM-Piste Olympia delle Tofane aufgrund der Weltcup-Rennen vertraut sind, betreten die Herren auf der “Vertigine” Neuland. Die wurde 2019 bei den italienischen Meisterschaften befahren, danach aber nicht mehr. Das Weltcup-Finale im März 2020 fiel wegen der Coronavirus-Pandemie ins Wasser.

Außerdem belebten die Organisatoren die Druscie-Piste wieder, auf der sich Toni Sailer bei Olympia 1956 zu Slalom-Gold schwang. Lifte wurden erneuert, Parkplätze und Straßen verbessert, beim Verkehrskonzept setzte man auf Klimaneutralität. Vieles davon hat sich hinsichtlich der WM als Fleißaufgabe entpuppt, da nun keine Zuschauer erlaubt sind. Signore Benetton, der mit der italienischen Ski-Ikone Deborah Compagnoni verheiratet ist, ließ trotzdem aufhorchen: “Es besteht die Chance, dass wir ohne Verlust aussteigen.”

Von: apa