Doch noch gutes Ende für den Gastgeber?

Ski-WM: Italien hofft nach Aliprandini-Silber auf starkes WM-Finale

Freitag, 19. Februar 2021 | 17:10 Uhr

Cortina d’Ampezzo – Nach Riesentorlauf-Silber für Luca de Aliprandini könnte die Alpinski-Heim-WM in Cortina für Italien doch noch ein versöhnliches Ende nehmen. Bis Freitag hatte es statt der ursprünglich erhofften Medaillenflut lediglich Überraschungsgold für Marta Bassino im Parallelbewerb gegeben. De Aliprandini holte aber vor dem Schluss-Wochenende doch die erste Herrenmedaille für Italien in Cortina, zumindest eine weitere ist in den abschließenden Slaloms noch drin.

Ski-Italien hatte kurz vor WM-Beginn noch riesige Erwartungen und dank Dominik Paris, Sofia Goggia, Federica Brignone und Bassino gleich mehrere Saison-Dominatoren aufzubieten gehabt. Verbandschef Flavio Roda hatte deshalb ein WM-Ziel von “mehr als drei Medaillen” ausgegeben.

Schon die Speed-Rennen in der ersten WM-Woche waren für den italienischen Wintersportverband FISI aber kein gutes Omen, obwohl Italiens Herren die für viele neue Speed-Strecke Vertigine besser kannten als der Rest. Der Kitzbühel-Dritte Paris blieb aber in Abfahrt (4.) und Super-G (5.) knapp hinter den Medaillenrängen. Dabei hatte der 31-jährige Südtiroler ein Jahr nach einem Kreuzbandriss sogar die WM-Generalprobe in Garmisch-Partenkirchen gewonnen und damit die Medaillen-Erwartungen nochmals höhergeschraubt.

In Garmisch hatte kurz davor freilich das WM-Drama für Italiens Damen seinen Anfang genommen. Mit Goggia verletzte sich dort die Gewinnerin der letzten vier Abfahrten vor den Titelkämpfen und überlegene Führende in der Disziplinwertung schwer. Wie zum Hohn zog sich die 28-jährige Draufgängerin aus Bergamo ihre Knieverletzung aber nicht in einem Rennen, sondern nach der Absage des Super-G beim Abrutschen auf einer Nebenpiste zu.

Das Schock-Aus für die hoch favorisierte Seriensiegerin des Winters schlug sich auf bei ihren Teamkolleginnen offenbar schwer auf das Gemüt. Brignone etwa, im Weltcup seit zwei Saisonen in Kombis praktisch unschlagbar, führte auch bei der WM nach dem Super-G. Im Slalom schied die Weltcup-Gesamtsiegerin dann aber aus. Elena Curtoni wurde zwar Gesamt-Vierte, war zeitmäßig aber Lichtjahre weg von Bronze. Tags darauf zog sich im Mixed-Teambewerb mit Lara Della Mea auch noch ein Mitglied des italienischen Bronze-Teams von 2019 einen Kreuzbandriss zu.

Der heftigste sportliche Tiefschlag für die WM-Gastgeber kam im Riesentorlauf der Frauen. Bassino, im Weltcup Gewinnerin von vier der bisher sechs Saison-Riesenslaloms (in einem weiteren schied sie überlegen führend aus), wurde trotz ihres unerwarteten Gold-Triumphes im Parallelbewerb nur 13. Die zweifache Saison-Zweite Brignone scheiterte überhaupt schon im ersten Durchgang.

“Es ist so, wie es ist”, kommentierte Bassino ihre Enttäuschung knapp. Die Weltcup-Gesamt- und RTL-Disziplinensiegerin Brignone gab sich ebenfalls zerknirscht. “Es ist wirklich nicht so gelaufen, wie erhofft. So ist der Sport”, sagte sie und entschuldigte sich. “Es tut mir leid, dass ich für mein Land kein erhofftes Ergebnis erzielt habe”, meinte die 30-Jährige und zeigte Größe: “Ich werde versuchen, besser zu werden. Als Person und als Athletin.”

Goggia hatte sich trotz ihres Seelenschmerzes nach Cortina begeben, um die Daumen zu drücken. Letztlich musste die Olympiasiegerin aber mehr trösten, statt gratulieren zu dürfen. “Leider haben meine Teamkolleginnen nicht ihre beste Leistung abgerufen”, gestand Goggia und empfahl ihnen und sich selbst: “Man muss die Gegenwart so akzeptieren, wie sie ist, und nach vorne schauen.”

De Aliprandini sorgte am Freitag deshalb für ein wahres Glückserlebnis der WM-Gastgeber. Voreilige Medienmeldungen, wonach er danach seiner langjährigen Lebensgefährtin Michelle Gisin im Zielraum gar einen Heiratsantrag gemacht habe, entpuppten sich als Verwechslung mit dem Antrag eines Pistenchefs. Die Kombi-Olympiasiegerin aus der Schweiz hat als Semmering-Siegerin im WM-Slalom am Samstag jedenfalls gute Chancen. Für Italien könnten Irene Curtoni oder Chiara Costazza etwas holen, im Herrenteam baut man auf Alex Vinatzer sowie einen der Oldies Manfred Mölgg (38) oder Giuliano Razzoli (36).

Weiteres Edelmetall wäre jedenfalls wichtig, denn Parallel-Gold wurde in Italien bisher nur als “Trostpreis” bewertet. Bassino wisse genau, dass es ein Gold zweiter Klasse sei, weil das Parallelrennen ein Pausenfüller sowie irregulär gewesen sei, schrieb etwa die Tageszeitung “Dolomiten” und machte Bassino wegen deren überzeugender Weltcup-Vorstellung zur “haushohen Favoritin” im Riesentorlauf. Eine ganze Nation schaue auf sie, hieß es. Das Ende ist bekannt.

Von: apa