Ex-Wirtschaftsminister Gualtieri wird neuer römischer Bürgermeister

Sozialdemokraten erobern italienische Hauptstadt Rom

Montag, 18. Oktober 2021 | 21:59 Uhr

Die italienischen Sozialdemokraten haben ihren Siegeszug bei den Kommunalwahlen auch in den Bürgermeister-Stichwahlen fortgesetzt. In der Hauptstadt Rom siegte der sozialdemokratische Kandidat und Ex-Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri klar gegen seinen Kontrahenten aus dem Mitte-Rechts-Lager, Enrico Michetti. Laut Hochrechnungen, die nach Wahlschluss am Montag veröffentlicht wurden, kam Gualtieri auf 59 Prozent der Stimmen. Auch Turin hat künftig einen roten Bürgermeister.

Michetti, Spitzenpolitiker der oppositionellen Rechtspartei “Fratelli d ́Italia”, musste sich in der Stichwahl mit 37 Prozent begnügen. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte der Mitte-Rechts-Politiker noch mit 30 zu 27 Prozent die Nase vorne. Die amtierende Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Fünf Sterne-Bewegung schaffte es nicht in die Stichwahl.

Der zum neuen Bürgermeister Roms gekürte Gualtieri dankte den Römern für das Vertrauen. “Ich werde der Bürgermeister der Römer sein, der Römer und der ganzen Stadt. Wir müssen Rom neu beleben, es zum Wachstum zu bringen. Ich werde mich mit aller Kraft für meine Stadt einsetzen”, sagte Roberto Gualtieri bei einer Pressekonferenz im Sitz seines Wahlkomitees.

Glückwünsche erhielt der neue Bürgermeister der Ewigen Stadt auch aus Wien. “Nach Paris, Berlin und Wien ist Rom eine weitere EU-Hauptstadt, die sozialdemokratisch regiert wird”, twitterte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Er sprach von einem “starken Signal” für soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt, das von den Bürgerinnen der europäischen Städte ausgehe. “Denn ich bin überzeugt: die Zukunft der EU liegt in den Städten & damit auch bei der #Sozialdemokratie.”

Der 55-jährige Historiker Gualtieri war von September 2019 bis Februar 2021 Wirtschaftsminister in der zweiten Regierung von Premier Giuseppe Conte. Von 2009 bis 2019 war er Mitglied des Europäischen Parlaments, wo er seit 2014 dem Ausschuss für Wirtschaft und Währung vorstand. Seit 2016 war er einer der drei Chefunterhändler des Europäischen Parlaments für die Brexit-Verhandlungen. Nach seiner Bürgermeisterwahl muss Gualtieri seinen Sitz in der italienischen Abgeordnetenkammer aufgeben.

In Turin feierte die Demokratische Partei den Wahlsieg ihres Kandidaten Stefano Lo Russo, der Hochrechnungen zufolge auf 53 Prozent kam. Er behauptete sich gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Paolo Damilano. In Triest, in dem es am Montag zu einer Großdemonstration gegen die 3G-Pflicht für alle Arbeitnehmer in Italien kam, konnte sich indes der konservative Amtsinhaber Roberto Dipiazza knapp gegen seinen Herausforderer Francesco Russo behaupten. “Heute bin ich so etwas wie der Held des Mitte-Rechts-Lagers”, freute sich Dipiazza. Insgesamt fanden in 65 Gemeinden Stichwahlen um das Bürgermeisteramt statt.

In der Finanzmetropole Mailand sowie in Bologna und Neapel hatten die Sozialdemokraten ihre Kandidaten schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen mit absoluter Mehrheit durchgebracht. Die Wahlen haben keine direkten Auswirkungen auf die Regierung der nationalen Einheit von Premierminister Mario Draghi. Sie sind die ersten Wahlen seit Draghis Vereidigung im Februar. Beobachter werten die sozialdemokratischen Erfolge auch als Unterstützung für den parteilosen Premier, der in der PD den stärksten politischen Rückhalt hat.

Parteichef Enrico Letta sprach von einem “triumphalen Sieg” der Mitte-Links-Kräfte. Der PD-Sieg wirke sich positiv auf die Regierungskoalition aus, die Premier Mario Draghi unterstützt. Laut Letta sollte es zu keinen vorgezogenen Neuwahlen kommen und die Regierung sollte bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2023 weiterhin von Draghi geführt werden. Ab Jänner werde die PD dafür arbeiten, eine breite Mehrheit für die Nachfolge von Präsident Sergio Mattarella zu erreichen, dessen siebenjährige Amtszeit im Februar abläuft.

Von: apa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Sozialdemokraten erobern italienische Hauptstadt Rom"


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Doolin
Doolin
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

…Hauptsache die rechten gehen baden…
😅

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

do sein viele wirtschaftsleit vorn zui di hem schaugen sicher af di kluanen und nit af ihmene Geldbeutel 😂

Aurelius
Aurelius
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

@So sig holt is
da spricht der Obstbauer

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage
Doolin@ ???? Die *Mitte Rechts Allianz* wenn man von dem noch sprechen kann, hat gerade mal 2 der Ihren verloren, von jenen Gemeinden mit über 15.000 Einwohner, nämlich von 35 auf 33 zurück gefallen. In den 6 Großstädte wo letzens gewählt wurde, war keine Überraschung zu erwarten. Genau wie bei den letzten Wahlen vor Jahren schon, gingen 5 Städte an die Roten u. 1 Stadt, Triest an die FDI. Ps. Roma war vor 5 Jahren in der Hand von dem M5S, ich sage aber lieber von den 5 🤡🤡🤡🤡🤡. PPs. Wenn G. Conte nicht aufpasst, dann gibt es den M5S… Weiterlesen »
Doolin
Doolin
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

@ischJOwurscht …wen interessieren schon die Sternlein…Hauptsache die Rechtspopulisten und ihre Fascio-brüder haben in den grossen Metropolen ordentlich aufs Dach bekommen…dass dies grad Südtiroler stört, wundert schon ein bisschen…
😝

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Doolin@

Ich bin ein italienischer Südtiroler, oder ein Italiener der auch deutsch spricht.

Nicht alle Italiener lieben den linken Faschismus!!!!

Schaut dir Letta an, er, der große Wahlsieger, so sieht er sich gerne…
Dabei wurde er nicht mal von 1/4 der Bevölkerung gewählt (da weniger als 50% zur Urne gegangen sind, ich würde sogar soweit zu gehen, dass das Linke Spektrum nur mit 1/5 der Stimmen die Wahlen für sich gewonnen haben).

Faktenchecker
1 Monat 19 Tage

Gute Sache!

“Untergang der 5-Sterne-Bewegung
Italiens Star-Populisten schauen in den Abgrund”

AlterSchwede
AlterSchwede
Tratscher
1 Monat 19 Tage

Würd ich nicht zu laut herum schreien, einige gute Gesetze der letzten Jahre, hat man auch denen zu verdanken…

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 18 Tage

Fakty@

In der Tat, sie waren immer schon der Steigbügelhalter des PD!

Wobei man sagen muss, wenn ich schon links wählen würde, würde ich auch lieber das Original wählen u. nicht die Gelben! Ich würde den M5S (mit rotem Mantel) im Regen stehen lassen. 😅😁

2x nachgedacht
2x nachgedacht
Grünschnabel
1 Monat 19 Tage

i woas..es isch a update..obr trotzdem… soviel zum thema transparenz.

Anduril61
Anduril61
Tratscher
1 Monat 19 Tage

Sozialdemokratische oder auch grüne Politik ist schon OK. Nur muss man sie sich leisten können, denn auch der Sozialstaat will finanziert werden und da läuft halt dann oft vieles komplett aus dem Ruder und schon bald steht der Staat oder die Stadt vor einem gewaltigen Schuldenberg, Wien hat übrigens auch mit einem Schuldenberg zu kämpfen der auch immer grösser wird ob der langjährigen sozialen Politik…aber sei‘s drumm am Ende wird die Zeche schon jemand bezahlen, meist die schwer arbeitende Schicht welche diejenigen finanzieren die das Wort Arbeit nicht in ihrem Vokabular haben, dafür aber viiiiiele Kinderlein…😀😀😀

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