In der WM-Qualifikation kommt es zur EM-Revanche

Spanien mit neuem Elan in Südeuropa-Gipfel gegen Italien

Mittwoch, 05. Oktober 2016 | 12:24 Uhr

In Spanien ist die Erinnerung an die jüngste Niederlage im südeuropäischen Fußball-Schlager gegen Italien noch frisch. 2:0 siegte die “Squadra Azzurra” im EM-Achtelfinale, es war das letzte Spiel von Vicente del Bosque als Trainer der Iberer. Nachfolger Julen Lopetegui soll das angekratzte Image der ehemals gefürchteten “Roja” wiederherstellen. Am Donnerstag ergibt sich in Turin die Chance dazu.

Vor dem WM-Qualifikationsgipfel der Gruppe G haben sich die beiden Rivalen erfolgreich präsentiert. Italien gewann das unangenehme Auswärtsspiel in Israel mit 3:1, Spanien schlug Liechtenstein zu Hause souverän mit 8:0. Die unter Del Bosque am Ende mitunter lustlos wirkenden Spanier zeigten im ersten Pflichtspiel unter dem ehemaligen U21-Teamchef Lopetegui großen Ehrgeiz.

Nicht nur Italiens Verteidiger Leonardo Bonucci sah “mehr motivierte” Spanier. Der neue Nationalcoach Giampiero Ventura – er folgte beim vierfachen Weltmeister dem zu Chelsea gewechselten Antonio Conte nach – bezeichnete den Trainerwechsel als entscheidenden Faktor. “Er hat ihnen Adrenalin und Überzeugung gegeben, sie zu einer komplett anderen Mannschaft gemacht. Es ist ein anderes Spanien als zuvor”, meinte Ventura.

Der bereits in jungen Jahren ins Trainergeschäft eingestiegene 68-Jährige muss im Juventus-Stadion auf einen wichtigen Akteur verzichten. Verteidiger Giorgio Chiellini sah in Israel die Rote Karte, das rein aus Juve-Profis bestehende italienische Bollwerk ist damit notgedrungen gesprengt. Auch deshalb spielte Bonucci dem Gegner die Favoritenrolle zu.

“Wenn wir die Ausgangslage auf den Kopf stellen wollen, müssen wir wie bei der EM spielen. Mit Zuversicht und eiskalt vor dem Tor”, meinte Italiens Abwehrchef. Im Stade de France Ende Juni hatte seine Elf eine taktische Meisterleistung abgeliefert, die Spanier fanden damals überhaupt keine Mittel, die 3-5-2-Formation der Italiener auszuspielen. Ausgerechnet der nun gesperrte Chiellini hatte nach einem Freistoß die Niederlage des Titelverteidigers eingeleitet.

Die Pleite ist im Lager der Spanier noch nicht abgehakt. “Nun ist die Zeit zur Revanche da”, meinte Mittelfeldabräumer Sergio Busquets vor dem Abflug nach Turin. Der Barcelona-Profi erinnerte auch an die Relevanz der Partie: “Es ist kein entscheidendes Spiel, aber es ist wichtig, um die Spitze zu kämpfen.” Nur der Gruppensieger holt bekanntlich das Direkt-Ticket für Russland 2018.

In den weiteren Spielen der Gruppe trifft Mazedonien auf Israel, der Steirer Rene Pauritsch bekommt es als Trainer von Liechtenstein mit dem zum Auftakt erfolgreichen Albanien zu tun. Am Sonntag folgen für Spanien und Italien Auswärtspartien in Albanien bzw. Mazedonien.

Darüber hinaus geht es neben der Österreich-Gruppe am Donnerstagabend auch in der nach dem ersten Spieltag völlig ausgeglichenen Gruppe I um wichtige Zähler. Alle sechs Nationen halten bei jeweils einem Punkt. Die Türkei empfängt in Konya nun die Ukraine, Island in Reykjavik die Finnen. Emotional dürfte es bereits vor der Partie zwischen Kosovo und Kroatien im nordalbanischen Shkodra werden. Es ist das erste offizielle Heimspiel des Neo-UEFA-Mitglieds.

Zum Start in die WM-Qualifikation hatte Kosovo in Finnland dank eines verwandelten Elfmeters von Salzburgs Valon Berisha ein 1:1 geholt. “Es wird schwer für uns, wir spielen erst seit kurzem gemeinsam. Es wird Zeit brauchen, bis wir eine wirklich gute Mannschaft sind”, machte sich der zuvor für Norwegen spielende Berisha nicht allzu große Hoffnungen. Er liebäugelte gegen die ohne ihre verletzten Schlüsselspieler Luka Modric und Ivan Rakitic spielenden Kroaten dennoch mit einer Überraschung: “Vielleicht nehmen sie uns nicht ganz ernst.”

Drei Tage nach dem Spiel steht für Kosovo die nächste Bewährungsprobe gegen die Ukraine an. Gespielt wird dabei in Krakau. Der ukrainische Verband hatte zuvor bei der FIFA erfolgreich um eine Spielverlegung auf neutrales Terrain angesucht. Hintergrund: Der osteuropäische Staat erkennt Kosovo nicht als unabhängige Nation an.

Von: apa