Italien hatte die Einfahrt verwehrt

Spanien nimmt Rettungsschiff “Open Arms” auf

Sonntag, 01. Juli 2018 | 19:59 Uhr

Inmitten der Debatte um Hafenverbote für Hilfsorganisationen ist die erneute Blockade eines Flüchtlings-Rettungsschiffes auf dem Mittelmeer abgewendet worden. Das Schiff der spanischen Organisation Proactiva Open Arms darf mit den Geretteten in den Hafen von Barcelona. Die spanische Regierung habe ihnen erlaubt, die 60 Flüchtlinge dorthin zu bringen, erklärte die Organisation.

Italien hatte der “Open Arms” die Einfahrt verwehrt. Auch Malta erklärte sich für nicht zuständig. Dort muss am Montag der deutsche Kapitän des Rettungsschiffes “Lifeline” vor Gericht. Vor dem Gericht in Valletta sollen zunächst die Vorwürfe gegen Claus-Peter Reisch präsentiert werden, sagte der Rechtsberater der Organisation der dpa am Sonntag. Unklar sei, ob sich Reisch selbst äußern werde.

Italien und Malta werfen ihm vor, die Anweisungen aus Rom ignoriert zu haben, schiffbrüchige Migranten von den Libyern aufnehmen zu lassen. Zudem soll das Rettungsschiff nicht ordentlich registriert worden sein. Die Dresdner weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf die Pflicht, Menschen in Seenot aufzunehmen.

Vor allem Italiens Innenminister von der rechten Lega, Matteo Salvini, macht Stimmung gegen die NGOs, die er für Helfer der Menschenschlepper hält. Dem Schiff “Aquarius” von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee und der “Lifeline” der Dresdner Organisation Mission Lifeline hatte er die Einfahrt mit Hunderten Menschen an Bord verweigert. Die “Aquarius” musste nach Spanien ausweichen, die “Lifeline” durfte in Malta anlegen.

Auch die “Open Arms” könne “vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen”, sagte Salvini. Das Schiff sei in libyschen Gewässern, der nächste Hafen sei Malta und es fahre unter spanischer Flagge. “Stopp der Menschenschmuggel-Mafia: Je weniger Menschen ablegen, desto weniger sterben.” Italien will, dass die libysche Küstenwache die Migranten abfängt und zurück in das Bürgerkriegsland bringt.

Trotz aller Blockaden setzen sich weiter Migranten in Boote in Richtung Europa. Laut dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR spielte sich am Sonntag erneut ein Flüchtlingsdrama in den Gewässern vor Libyen ab: Nachdem ein Flüchtlingsboot gekentert ist, werden 63 Personen vermisst. Weitere 41 Personen wurden von der libyschen Küstenwache vor der Hafenstadt Zwara gerettet.

Beim letzten Flüchtlingsunglück, das sich Ende vergangener Woche ereignet hatte, sollen rund 100 Menschen ums Leben gekommen sein könnten – darunter drei Babys. Auf Fotos war zu sehen, wie die libysche Küstenwache die Leichen von den Babys aus Booten an Land bringt. Laut der Küstenwache waren alle Kinder unter ein Jahr alt.

Auf Fotos war zu sehen, wie die libysche Küstenwache die Leichen von den Babys aus Booten an Land bringt. Laut der Küstenwache waren alle Kinder unter ein Jahr alt. Die Bilder erinnern an das Schicksal des syrischen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi, der 2015 tot an einem Strand in der Türkei angeschwemmt wurde. “Als alle das Foto von Alan sahen, war das eine Bewegung der Empörung und der Solidarität”, schrieb die Sprecherin des UN-Flüchtlingswerks UNHCR, Carlotta Sami, auf Twitter. “Doch zu den Toten kamen weitere Tote.” Statt die Bergung von Migranten zu koordinieren, reduzierten die EU-Staaten die Rettungsmöglichkeiten auf dem Meer drastisch.

Proactive Open Arms will dennoch weitermachen und nahm die Migranten vor der libyschen Küsten auf. Laut spanischer Medien könnte das Schiff am Mittwoch in Barcelona landen. Die Bürgermeisterin der Stadt, Ada Colau, bedankte sich bei der Organisation via Twitter und erklärte, Barcelona erwarte das Schiff mit offenen Armen. Es sei gut, dass sich die Retter nicht der unmenschlichen und grausamen europäischen Politik ergeben hätten.

In Italien ergriff unterdessen erstmals ein hochrangiger Politiker der regierenden Fünf-Sterne-Bewegung das Wort für die Migranten. “Ich würde die Häfen nicht schließen. Über Einwanderung muss man mit Intelligenz und mit dem Herzen sprechen”, sagte Parlamentspräsident Roberto Fico am Samstag bei einem Besuch in einem Migranten-Aufnahmezentrum im sizilianischen Pozzallo.

Die Fünf Sterne sind eigentlich der Seniorpartner in der populistischen Regierung mit der Lega. Allerdings diktiert Lega-Chef Salvini derzeit mit ausländerfeindlichen Aussagen den Kurs in Italien und fährt damit in Umfragen immer mehr Zustimmung ein. Der sagte dann auch prompt, dass Fico nicht für die Regierung sondern für sich selbst gesprochen habe.

Von: APA/dpa

Kommentare

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13 Kommentare auf "Spanien nimmt Rettungsschiff “Open Arms” auf"


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Gredner
Gredner
Superredner
18 Tage 23 h

Es gibt 1,3 Milliarden Leute in Afrika… die können nicht alle nach Europa kommen!

Es gibt nur eine einzoge Lösung: die Probleme in ihrem eigenen Land lösen, damit sie daheim bleiben können … und weniger Kinder machen, damit die Welt nicht mehr überbevölkert ist.

Rechner
Rechner
Tratscher
18 Tage 22 h

Aha das hört sich ganz schlau an.
Hast du schon mal versucht auf die Schnelle einem Land mit 1.3 Milliarden Einwohnern zu helfen in dem zur Zeit 10 Kriege im gange sind.
Das ist genau das was man einfache Lösungen nennt.
Man kann die Migration eindämmen. Bremsen kann sie keiner. Siehe unseren Superfaschisten. Brüllt auch nur herum.
Alles was in Libyen funktioniert hat sein Vorgänger aufgebaut.

speckbrot
speckbrot
Superredner
18 Tage 12 h

@Rechner 
Schmarrn. In Afrika gibt es keinen einzigen Krieg.Und wenn dort nicht schnellstens eine 1-Kind Politik durchgesetzt wird, sind es 4 Milliarden bis 2100!

Rechner
Rechner
Tratscher
17 Tage 21 h

@speckbrot
Ich will nicht lange über Sachen diskutieren die Tatsachen sind und du mit 10 Minuten Recherche selbst raus bekommen würdest. Auch wenn du sie leugnest.
Eine 1 Kind-Politik wäre eine gute Idee. Könnte von Salvini sein. Frag die Afrikaner die zu 90 Prozent keine Altersvorsorge haben und deren Kindersterblichkeit bei 15-20 % Prozent liegt ob sie mitmachen. Sie werden begeistert sein!

Einige kleinere fehlen noch:

Krieg im Tschad
Scharia-Konflikt in Nigeria
Huthi-Konflikt
Somalischer Bürgerkrieg
Bürgerkrieg im Südsudan
Bürgerkrieg in Libyen
Kämpfe um Abyei
Darfur-Konflikt
Mali brodelt immer

Gredner
Gredner
Superredner
17 Tage 13 h

@Rechner durchschnittlich 6 Kinder pro Frau in einem Staat wie Nigeria mit 190 Millionen Einwohnern, nenne ich nicht Altersvorsorge sondern misslungene Verhütung. Nigeria wird 2050 etwa 400 Millionen Einwohner zählen – die Hälfte davon wird wohl auswandern müssen, weil in Nigeria kein Platz mehr ist: zu uns!?!

Ach, und bei den Bürgerkriegen in einigen Staaten geht es doch immer wieder um Diktaturen und Islamisten, die die Scharia einführen wollen. Diese Konflikte müssen sie hausintern lösen – da kann man nicht einfach “davonlaufen”.

Rechner
Rechner
Tratscher
17 Tage 11 h

@gredner das wirst du nicht lösen, ich nicht lösen und am allerwenigsten Salvini. Das sind Tatsachen.
Und weil es so ist werden immer Menschen von dort fliehen und für sich eine bessere Zukunft suchen.
Da können wir hier schwafeln und von 1 Kind Politik reden solange wir wollen. Das interessiert das Kind selbst nicht.
Da nützen auch 1000 Daumen runter nichts. Aber wenn es der persönlichen Genugtuung hilft. Gerne

Rechner
Rechner
Tratscher
16 Tage 23 h

@speckbrot
Auch wenn es von der deutschen Lügenpresse ist. Lesen würde dir gut tun.
http://m.spiegel.de/politik/ausland/demokratische-republik-kongo-un-experten-legen-schockierenden-bericht-vor-a-1216490.html

Tantemitzi
Tantemitzi
Superredner
18 Tage 14 h

i ärgo mi ibo selche Schlogzeilen! Welche Schiffe Italien NICHT aufnimmt sel follt jedem auf….. obo wieviele schun aufgenommen wordn sein, sel zählt koano auf!  Dresdner, worum noa net noch Deutschland? Spanisches Schiff…. worum noa net noch Spanien?  Will gonz Afrika itz noch Italien???    Sem kenn mir glei olle in Koffo pockn, weil olle hom mir Sem net plotz!

maria zwei
maria zwei
Superredner
18 Tage 13 h

spanisches Schiff mit spanischer Flagge auf dem Weg nach Spanien…….ist ja logisch oder?

knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
18 Tage 16 h

spanien ist ja auch näher als italien….
 auch die werden noch aufwachen.

traktor
traktor
Universalgelehrter
18 Tage 10 h

höchste zeit mit gewalt kein schiff mehr starten zu lassen.
schluss mit dem ertrinken und der schlepperei!!!!

Rechner
Rechner
Tratscher
17 Tage 21 h

@traktor
Bin bei dir. Kurz soll mit Österreichischen Truppen an die Libyschen Strände besetzen. Dann ist ruhe.

Storch24
Storch24
Tratscher
18 Tage 9 h

Proactive Open Arms will dennoch weitermachen und nahm die Migranten vor der libyschen Küsten auf: vor der lynischen Küste. Ich würde fast meinen, auch sie gehören zu Schleppern …..

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