"Österreich wegenniedriger Impfungsrate besorgt"

Streit zwischen Rom und Venetien wegen Impfpflicht

Freitag, 16. Juni 2017 | 14:35 Uhr

Die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin hat über angebliche Sorgen der österreichischen Gesundheitsbehörden wegen der niedrigen Durchimpfungsrate im norditalienischen Venetien berichtet. Zwischen Lorenzin und der Region Venetien ist ein heftiger Streit wegen der von der italienischen Regierung beschlossenen Impfpflicht im Gange. Im Ministerium in Wien ist davon nichts bekannt.

Die Region Venetien will vor dem Verfassungsgericht das Regierungsdekret anfechten, mit dem in Italien die Impfpflicht für Kinder eingeführt wird, die ab dem kommenden September in öffentliche Kindergärten und Schulen eingeschrieben werden. Die Immunisierungen sollen für insgesamt zwölf Krankheiten vorgenommen werden, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Feuchtblattern.

“Wir sind nicht gegen Impfungen, sondern gegen einige Aspekte des Dekrets”, kommentierte der Präsident der Region, Luca Zaia. Dieser betonte, dass in 15 europäischen Ländern, darunter Österreich, Deutschland und Großbritannien keine Impfpflicht gelte. Familien sollten frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder immunisiert haben wollen oder nicht.

Die Wünsche der Region Venetien sind ein Rotes Tuch für Ministerin Lorenzin. Diese berichtete von angeblichen Sorgen der österreichischen Gesundheitsbehörden wegen der niedrigen Durchimpfungsrate in der Urlaubsregion Venetien. Österreichs Gesundheitsbehörden hätten österreichische Touristen sogar davon abgeraten, Eltern mit Kindern den Vergnügungspark Gardaland zu besuchen, behauptete Lorenzin laut italienischen Medienangaben.

Dies wurde von den offiziellen Stellen in Wien am Freitag dementiert. Vom Gesundheitsministerium Wien sei keine Warnung oder ähnliches herausgegeben worden noch habe man von den Diskussionen gehört. Die Worte der italienischen Ministerin sorgten für einen Eklat. Der Geschäftsführer von Gardaland, Aldo Maria Vigevani, dementierte in einer Presseaussendung, dass es in dem Vergnügungspark Probleme in Zusammenhang mit Impfungen gebe. Vigevani bestritt auch, dass österreichische Gesundheitsbehörden Österreicher davon abgeraten hätten, Gardaland zu besuchen.

Am Sonntag hatten in Rom etwa 10.000 Personen gegen die seit vergangene Woche geltende Impfpflicht demonstriert. Südtirol ist die italienische Region mit der höchsten Rate an Impfverweigerern.

Von: apa