Italien nimmt chinesische Textilhersteller ins Visier

Strohmänner, Schwarzgeld und mafiöse Strukturen

Dienstag, 23. Juni 2015 | 09:30 Uhr

Prato – Die italienische Polizei geht erstmals in einer Großaktion gegen chinesische Textilfabriken vor. Die Behörden vermuten, dass dort Geldwäscherei und Steuerhinterziehung betrieben werden.

Vor allem das toskanische Städtchen Prato unweit von Florenz ist davon betroffen. Es gilt bekanntlich als Hochburg der chinesischen Textilindustrie in Italien.

In Tausenden Fabriken wird dort alles genäht, was der Markt verlangt. Während die Produkte das „Made in Italy“-Schild tragen, sitzen an den Nähmaschinen aber fast ausschließlich Chinesinnen.

Weil das dort erwirtschaftete Geld auf nicht legalen Wegen nach China wandert, interessiert sich jetzt auch die italienische Justiz für die Geschäftspraktiken der chinesischen Einwanderer im Land.

Dokumentiert sind zuweilen die schlimmen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Im Keller einer Fabrik wurden 50 Pritschen aneinandergereiht gefunden. Abgetrennt waren sie nur mit Kartonwänden und es gab nur ein Bad für alle.

Doch bisher sind den Ermittlern nur kleine Fische ins Netz gegangen, die Besitzer der Fabriken sind oft nur Strohmänner, berichtet srf.ch. Die wahren Hintermänner des Geschäfts mit billig produzierten Textilwaren sind schwer auszumachen. Dem italienischen Staat entgehen damit Milliarden an Steuereinnahmen.

Ein Großteil des Schwarzgeldes, das in den Textilfabriken erwirtschaftet wird, geht über Money-Transfer-Büros direkt nach China und wird so zugleich gewaschen.

Neben der Finanzpolizei hat sich jetzt auch die Antimafia-Behörde eingeschaltet. Mehr als 300 chinesische Staatsbürger stehen unter Verdacht, sich illegal bereichert zu haben.

300 Transaktionen zu 1999,99 Euro

Eines dieser Geldtransfer-Büros wurde von der Polizei observiert. Dabei wurde Erstaunliches festgestellt: An einem Tag wurden von einer Person mehr als 300 Transaktionen von 1999,99 Euro getätigt. Einzelne Operationen bis 2.000 Euro unterliegen nämlich nicht der Meldepflicht.

Von: ©lu