„Es ist beim Spielen passiert“

Achtjähriger getötet: Mutter zu 30 Jahren Haft verurteilt

Dienstag, 18. Oktober 2016 | 11:02 Uhr

Santa Croce Camerina/Ragusa – Der tragische Mord an dem achtjährigen Loris Stival in Santa Croce Camerina scheint aufgeklärt. Veronica Panarello, die Mutter des Jungen, wurde vor Gericht für schuldig befunden, ihren Sohn getötet und den Leichnam in einer Zementrinne in der Nähe einer Mühle versteckt zu haben. Die Frau wurde wegen erschwerter vorsätzlicher Tötung zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Der verkürzte Prozess hat in Ragusa stattgefunden. Richter Andrea Reale hat ausgeschlossen, dass die Tat geplant und der Junge vor seinem Tod gefoltert worden war, was weitere erschwerende Umstände bedeutet hätte. Allerdings hat der Richter veranlasst, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Falschanzeige in die Wege leitet. Veronica Panarello wohnte der Verkündung des Urteils unter Tränen bei.

Das Gericht folgte demnach der Argumentation der Staatsanwaltschaft und sah es als erwiesen an, dass die Mutter als Tatmotiv eine Affäre mit ihrem Schwager verbergen wollte.

Rechtsanwalt Francesco Villardita, der die Frau vor Gericht verteidigte, hatte hingegen Freispruch verlangt. Die Tat sei von Veronica Panarello nicht beabsichtigt gewesen und von anderen begangen worden. Außerdem brachte der Strafverteidiger eine Teilunzurechnungsfähigkeit ins Spiel.

Erst nachdem die Version der Frau von den Überwachungskameras widerlegt worden war, räumte sie eine Beteiligung an dem Verbrechen ein. Allerdings beharrte sie darauf, nur eine sekundäre Rolle gespielt zu haben. Ihr Schwager Andrea Stival  habe ihren achtjährigen Sohn mit Stromkabeln erwürgt, nachdem er die beiden beim Sex ertappt hatte, behauptete die Frau.

Andrea habe ihr befohlen, den Bub zu fesseln und anschließend die Kabel zu holen, erklärte Veronica Panarello während des Prozesses. Anschließend habe sie einen Anruf von ihrem Mann erhalten. Als sie wieder zurückgekommen sei, habe Loris nicht mehr geatmet.

Doch die Ermittler glaubten ihr nicht. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Frau in ihrem letzten Plädoyer als „egozentrische, manipulative Lügnerin“ mit einer „übertriebenen Geltungssucht“.

Auch gegen den Großvater von Loris waren Ermittlungen eingeleitet worden. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass er am Tatort war. Andrea Stival hat hingegen ein wasserdichtes Alibi. Eine Nachbarin erklärte, dass sie zum Tatzeitpunkt am 29. November 2014 gesehen habe, wie er mit seiner Partnerin das Haus verließ.

Davide Stival, der Ehemann von Veronica Panarello, der von Rechtsanwalt Daniele Scrofani vertreten wurde, ließ sich als Nebenkläger in das Verfahren ein. Er verlangt einen Schadensersatz von einer Million Euro für sich und seine Mutter. Auch Andrea Stival hat als Nebenkläger am Verfahren teilgenommen. Er verlangt von Panarello einen Schadensersatz von 400.000 Euro wegen Falschanzeige.

Der Fall des getöteten Achtjährigen hat in ganz Italien für Aufsehen und Entsetzen gesorgt.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (18.11.2015)

Noch sind die Ermittlungen zum tragischen Tod des achtjährigen Loris Stival in Santa Croce Camerina nicht abgeschlossen. Nun hat die Mutter Veronica Panarello, die unter Tatverdacht steht, eine neue Version der Ereignisse vorgelegt.

Der Junge sei bei einem Spiel mit Stromkabeln ums Leben gekommen. Weil sie überzeugt gewesen sei, dass niemand an einen einfachen Unfalltod ihres Kindes geglaubt hätte, habe sie den Leichnam mit dem Auto zu einem Graben gebracht und ihn dort liegen lassen. Es sei eine Panikreaktion gewesen, erklärte die Mutter. Bislang hat sie immer behauptet, das Kind wie gewohnt zur Schule gebracht zu haben.

Laut den Ermittlern klingt die Version „mindestens bizarr“. Auch die Richter dürften Zweifel haben. Immerhin erscheint es unwahrscheinlich, dass ein Achtjähriger, der immerhin kein Kleinkind mehr ist, sich selbst im Spiel mit einem Stromkabel erwürgt. Seltsam wirkt auch, dass die Mutter nach so einem tragischen Unfall einfach zum gewohnten Tagesablauf übergeht, als sei nichts geschehen. Der Ehemann und auch die Ordnungskräfte wurden erst Stunden später verständigt.

Außerdem ist am Leichnam des Achtjährigen bei den Handgelenken ersichtlich, dass er gefesselt war. War auch das Teil des Spiels? Zudem wurde der leblose Körper des Jungen mit heruntergezogener Hose gefunden. Wollte die Mutter die Ermittler auf die falsche Fährte lotsen und die Schandtat eines Pädophilen inszenieren?

Die neue Aussage der Mutter, die rund ein Jahr lang abgestritten hat, mit dem Tod ihres Sohnes in irgendeiner Weise zu tun zu haben, wird in den Aktenordner der Vorverhandlungsrichters wandern. Der Richter muss nun entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung gegen die Frau wegen Mordes und des Verbergens des Leichnams kommt.

Die Verhandlung findet am Donnerstag und Freitag statt. Der Vater zeigt sich unterdessen bestürzt über die Ereignisse und das Verhalten seiner Frau. Über seinen Anwalt ließ er ausrichten, dass er das Urteil des Gerichts abwarte.

Von: ©mk

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