Sechs Jugendliche der Anstiftung zum Suizid verdächtigt – VIDEO

Tödliche Jugendgewalt: „Bring dich um, stürze dich hinunter“

Dienstag, 06. September 2022 | 07:11 Uhr

Gragnano/Neapel – Ein vermeintlich tragisches Unglück – ein 13-jähriger Jugendlicher war vom Balkon im vierten Stock gestürzt und gestorben – hat sich wenig später als Suizid entpuppt.

Laut Chateinträgen, die nun der Jugendstaatsanwaltschaft von Neapel vorliegen, war der Jugendliche vor seiner Verzweiflungstat seit Monaten von einer Gruppe kaum älterer Jugendlicher ständig verfolgt und immer wieder dazu aufgefordert worden, sich das Leben zu nehmen. „Bring dich um. Stürze dich hinunter“, so der Tenor der Chateinträge. Aufgrund dieser schwerwiegenden Vorwürfe wurden fünf Jugendliche über 14 Jahren und ein volljähriger junger Mann ins Ermittlungsregister eingetragen.

Es war am Donnerstagvormittag letzter Woche, als Einwohner eines Mehrfamilienhauses in Gragnano südlich von Neapel die Notrufnummer wählten. Dem Anrufer zufolge war ein Junge von einem Balkon im vierten Stock gestürzt. Als die Rettungskräfte eintrafen, lag Alessandro, so der Name des Jugendlichen, leblos im Hof des Mehrfamilienhauses. Dem Notarzt blieb nur mehr die traurige Aufgabe, den Tod des 13-Jährigen festzustellen. Im ersten Moment ging man von einem tragischen Unglück aus: Beim Versuch, einen TV-Kabel zurechtzurücken, hätte sich Alessandro zu weit über das Balkongeländer hinausgelehnt und dabei das Gleichgewicht verloren.

YouTube/AGTW

Das vermeintliche tragische Unglück entpuppte sich jedoch sehr bald als Verzweiflungstat. Kurz vor seinem Tod hatte der 13-Jährige seiner Freundin eine Abschiedsnachricht hinterlassen. „Ich halte es nicht mehr aus, erinnere dich an mich“, so die kurze Nachricht von Alessandro.

Der plötzliche Tod des Jugendlichen, der wie aus heiterem Himmel kam, veranlasste die Carabinieri dazu, Ermittlungen einzuleiten. Bei der Untersuchung seines Smartphones kamen viele Chateinträge zum Vorschein, in denen der 13-Jährige dazu aufgefordert wurde, sich das Leben zu nehmen. „Bring dich um, stürze dich hinunter“, so der Tenor der Chateinträge.

Es war ein Leichtes, die Absender dieser Einträge herauszufinden. In der Folge leitete die Staatsanwaltschaft von Neapel in enger Zusammenarbeit mit der Jugendstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen fünf Jugendliche und einen volljährigen jungen Mann ein. Laut den Ermittlern gehören Einträge, die Aufforderungen zum Suizid wie „Bring dich um“ und „Stürze dich hinunter“ enthalten, zu jenen, die in den bisher untersuchten Chats am häufigsten wiederkehren. Die meisten der Aufforderungen stammen vom Juli, aber es könnte sein, dass andere Einträge möglicherweise gelöscht wurden. In den Chats der Freunde von Alessandro wird ebenfalls von Drohungen gegen den Jugendlichen berichtet. Dort kursiert auch der Screenshot eines Videos, das einen Angriff auf ihn zeigen soll.

ANSA/CESARE ABBATE

„Ale sagte einer Gruppe von Freunden, dass sie ihn verprügeln wollten, aber er schien nur zu scherzen. Das ist alles absurd. Es wird schrecklich sein, ihn nicht wiederzusehen. Er war immer gut aufgelegt, liebte das Basketballspiel und hatte in der Schule lauter Siebener, Achter und Neuner. Ab und zu kam er in die Kirche. Weil seine Freundin bereits die dritte Mittelschule besuchte, ging er oft mit älteren Jungen aus“, so ein Freund von Alessandro gegenüber der neapolitanischen Ausgabe von La Repubblica. Anderen Stimmen zufolge sei der Tat des 13-Jährigen ein Streit unter Jugendlichen um nichtige Dinge vorausgegangen. In der Zwischenzeit wurde eine Autopsie der Leiche des Jungen durchgeführt.

APA/ROLAND SCHLAGER

Was die sechs im Visier der Staatsanwaltschaft geratenen Personen betrifft, sind die noch Minderjährigen mindestens 14 Jahre alt. Dies bedeutet, dass sie strafmündig sind. Sie alle sollen nicht zum schulischen Umfeld von Alessandro gehören.

Gragnano piange Alessandro, suicida a 13 anni

Gragnano piange Alessandro, suicida a 13 anniDolore e incredulità a Gragnano per la morte di Alessandro, suicida a 13 anni. Dopo la scoperta di messaggi con insulti e minacce sul suo cellulare, la Procura indaga per istigazione al suicidio.L'inviato Riccardo Porcù per il Tg3 delle 19 del 5 settembre 2022

Posted by Tg3 on Monday, September 5, 2022

Während die beiden Staatsanwaltschaften mit Hochdruck im Fall des 13-jährigen Alessandro ermitteln, herrscht weit über Neapel hinaus großes Entsetzen. In der italienischen Öffentlichkeit bestehen wenig Zweifel darüber, dass Alessandro Opfer einer „Jugendgang“ geworden ist, die ihn mit immer neuen Angriffen und Aufforderungen, seinem Leben ein Ende zu setzen, in den Tod getrieben hat.

Von: ka

Kommentare

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21 Kommentare auf "Tödliche Jugendgewalt: „Bring dich um, stürze dich hinunter“"


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letzwetto
letzwetto
Tratscher
27 Tage 23 h

Politik muss einschreiten. Schulpflicht bis 18 sofort abschaffen und ab 14 müssen alle arbeiten. Die einzige lösung

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 21 h

Kann deinen Zorn verstehen aber dein Vorschlag ist keine Lösung! Jugend muss ausgebildet werden und Arbeit, such in Neapel Arbeit für junge Leute! Genau diese Perspektivlosigkeit ist Teil des Problems!

Tata
Tata
Superredner
27 Tage 20 h

@N. G. und weil a poor perspektivlos sein, missnse ondra in Selbstmord treibm?? aha…ih vosteih….

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 19 h

@Tata Es sind genau, EBEN nicht ein paar die keine Perspektive haben, es sind VIELE und was tun VIELE, sie solidarisieren sich, leider auch zu sowas! Und niemand, auch ich hab die Tat nicht legitimiert!
ALSO gaaanz RUHIG!

Paladin
Paladin
Tratscher
27 Tage 16 h

@N.G. dein Vorschlag in allen Ehren, aber auch das ist kein Grund anderen Menschen in den Tod zu treiben. Es braucht hier einfach ein funktionierendes soziales Umfeld. Das ist nicht gegeben. Überforderte Eltern, Lehrer die auch nicht alles wegmachen können was in der Familie schief läuft und dazu noch die tollen Socials die ganz andere Dinge suggerieren. Mit 14 sind einige heute schon weiter als manch einer es vor 20 oder 30 Jahren mit 20 war. Auch hier muss das Verständnis der Gesellschaft und der Justiz sich ändern. 14 jährige die solche Dinge tun sind alles andere als Kinder.

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 12 h

@Paladin Natürlich gibt es dafür keine Entschuldigung! Die Gesellschaft verroht zusehends und einen sehr großen Anteil daran hat das Internet.
Wie du sagst, das familiäre und soziale Umfeld muss gestärkt werden, vielleicht sogar die Gesetzgebung zu Strafen an Minderjährigen aber du weißt das man mit Bestrafung solche Probleme nicht lösen kann. Es sind Heranwachsende, mehr im Geiste als körperlich und oft würden sie gar nicht verstehen was sie falsch machen und Strafe nützt dann wenig. Gerade da um Süden ..!
PS: Tolles Projekt in Süditalien gesehen, Jugendliche haben Verein gegründet, in Brennpunkt Viertel und spielen Rugby…

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
27 Tage 11 h

@ ietzwetto das sie nor olle lei zu an bildungsgrad wia du kemmen? liaber net

Queen
Queen
Superredner
27 Tage 22 h

Des gibts leider auch an Südtirols Schulen..als Eltern ist man in diesem Alter teilweise machtlos, da man, falls es einem überhaupt anvertraut wird, nur im Hintergrund agieren kann. Einige Lehrer schauen einfach weg, oder verweisen auf schulinterne Einrichtungen wo dann alles durchsickert 🫤Täter sind vernachlässigte Kinder nicht nur aus sozial schwachen Familien, sondern aus sozial verkümmerten Familien🤢🤢

Goennenihrwichtigtuer
27 Tage 18 h

“teilweise machtlos als Eltern” und Lehrer schuld?!? Daidai glab Jeder Lehrer unterschreibe dor dass a 13 jähriger kuan smartphone hoben soll und wenn decht ischs wos drinn passiert in erster Linie in dor Verantwortung der Eltern… Und zwoatns sein de laut mein Verständnis weder gleiche klasse no gleiches olter… Ober gekehrt werd jo mittlerweile iberoll ondersch… Will dormit nit die schuld po die Eltern suachn ober loss grod de Lehrer mol ausn Spiel…

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 8 h

Lehrer sind für verantwortungslose Eltern und dessen miserable Erziehung in keinster Weise Schuld und sind nicht dafür da, deren Fehler auszubügeln!

Mutti
Mutti
Universalgelehrter
27 Tage 22 h

Dei Typen tat i mir suachen ,dei ihm zum Suizid getriebn hobn…

Hustinettenbaer
27 Tage 22 h

Was geht in (Todes-)Mobber-Köpfen vor ?
Brennt da oben irgendein Lämpchen (durch) oder herrscht völlige Dunkelheit ?
Schande über die Bande.

Und der arme Junge suchte keine Hilfe, weil er sich schämte ?
OmG.

Jede/r die/der sich in einer ähnlichen Situation befindet: geh sofort zu einer Beratungsstelle und/oder zur Polizei. Es gibt nix Peinliches o.ä., womit Du das Mobbing “verdient” hast. Und Suizid schon mal gar nicht !

Targa
Targa
Superredner
27 Tage 14 h

S Brutale isch die Polizei konn a nit viel tian. Die Gesetze sein folsch. Bei so an Foll isch s uanzige Wohnung wechseln oder Besser die Stodt wechseln. Es isch Traurig, daß mir schun a so weit kemmen sein!

geatsno
geatsno
Neuling
27 Tage 21 h

Sehr sehr traurig.
ich hoffe, dass endlich mal mit dem Hass im I-net etwas konkretes unternommen wird.
RIP kleiner Junge

Targa
Targa
Superredner
27 Tage 14 h

ES BRAUCHT DRINGEND ANDERE GESETZE! So geht es nicht mehr weiter. Früher oder später ist es bei uns auch soweit. Meiner Meinung passiert auch bei uns schon zu viel, was toleriert wird. Die Gesetzgeber MÜSSEN AUFWACHEN. Bei bestimmten Jugendlichen bringt der Kuschelkurs NICHTS!

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 8 h

@Targa Es brauch Erziehung und keine Erziehungsheime oder Knast! Mittelalter!!!

Wunder
Wunder
Tratscher
27 Tage 23 h

Das klingt unglaublich!
Armer Bub…unglaublich auch, dass keiner was mitbekommen haben will.
Solche Gruppendynamiken sind schwierig zu brechen.schrecklich!!!
Möge er seinen Frieden finden…

magari
magari
Superredner
27 Tage 22 h

Liebe Jugendliche, wendet euch bei solchen Cyber Mobbing Fällen an Young & Direct: https://www.young-direct.it/de/gewalt/lesen/mobbing/

andr
andr
Universalgelehrter
27 Tage 20 h

Die Leute sollten einmal darüber nachdenken, etwas läuft doch nicht richtig, die Gesellschaft sollte sich doch bei den Ohren nehmen, Werte werden doch mit Füßen getreten, nach mir die Sintflut, Gemeinschaft, Akzeptanz, ich meine den Erwachsenen fehlen all diese Werte als Vorbilder der Jugend. Da fängt das Rätsel an. Die Gesellschaft muss sich ändern. Egoismus eliminiert werden.

Sag mal
Sag mal
Kinig
27 Tage 21 h

Dummheit ist grenzenlos.Immer noch eins drauf wenn man denkt dümmer geht nicht mehr.Verrückt halt.

Plusminus
Plusminus
Grünschnabel
27 Tage 13 h

Beängstigende manche Jugendliche, heute mobben, verbrügeln, gestehlen, sie Mitschüler und Erwachsene auf der Straße und morgen bringen sie dann die Ex und die Kinder um…
Meisten Kinder mit zuviel Freizeit die sie alleine auf der Straße oder mit dem Handy verbringen. Die brauchen mehr sinnvolle Beschäftigungen, Vereine, Sport usw. Strukturen wo sie lernen in der Gemeinschaft zu leben und sich zu benehmen

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