Sechs Todesopfer wurden identifiziert

Marmolata: Elftes Todesopfer geborgen

Samstag, 09. Juli 2022 | 11:52 Uhr
Update

Canazei – Knapp eine Woche nach dem Gletscherabbruch in den Dolomiten ist der letzte noch vermisste Bergsteiger gefunden und tot geborgen worden. Damit stieg die Opferzahl des Unglücks auf elf. Die Einsatzkräfte gingen am Samstag von keinen weiteren Menschen unter den Eis- und Geröllmassen am Berg Marmolata in den norditalienischen Alpen aus. Dank DNA-Abgleichen wurden die letzten fünf Alpinisten, die als vermisst gemeldet worden waren, den Leichen zugeordnet.

Bei den Toten handelt es sich um sechs Männer und drei Frauen aus Italien sowie zwei tschechische Bergsteiger. Das jüngste Opfer war Medienberichten zufolge ein 22 Jahre alter Mann aus Vicenza. Acht Menschen wurden verletzt. Ihr Zustand sei stabil, hieß es zuletzt vom Krankenhaus. Ein 67-jähriger deutscher Bergsteiger, der bei dem Unglück verletzt worden war, wurde am Samstagvormittag aus dem Spital Ulss Dolomiti in der Stadt Feltre entlassen. Auf Facebook veröffentlichte das Krankenhaus ein Bild des Mannes mit verbundenen Armen und Händen. An der Stirn und den Beinen waren Blessuren zu erkennen.

Maurizio Fugatti, der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, kündigte an, dass der Einsatz der Suchteams an dem Bergmassiv weitergehe. Von den nächsten Tagen an werden drei Teams in drei unterschiedlichen Zonen des Lawinenkegels arbeiten. Bisher hatte sich die Suche auf jeweils ein Gebiet beschränkt. Auch Hunde kamen zum Einsatz. Die Einsatzkräfte suchen weitere Leichenteile und anderes persönliches Material der Unfallopfer, sagte Fugatti.

Im Laufe dieser Woche waren zunächst sechs Tote von Angehörigen identifiziert worden. Die anderen fünf Leichen konnten nur durch DNA-Abgleiche den Vermissten zugeordnet werden. Diese wurden von einer Spezialeinheit der Carabinieri durchgeführt. “Zum heutigen Zeitpunkt gehen wir nicht davon aus, dass noch weitere Personen involviert waren”, sagte Carabinieri-Hauptmann Giampietro Lago.

Die Toten, die im Eisstadion von Canazei unterhalb der Marmolata aufgebahrt worden waren, könnten ihren Familien übergeben werden, wenn der ermittelnde Staatsanwalt dies erlaubt. Lago ging nach dem Abschluss der DNA-Untersuchung davon aus, dass dies bald geschehe.

Der Bürgermeister von Canazei hatte für Samstag einen Trauertag angeordnet, an dem sich alle Gemeinden des Fassatals beteiligen. Für 18.00 Uhr war eine Schweigeminute vorgesehen. Zugleich sollte in der Pfarrkirche von Canazei eine Trauermesse beginnen, die unter anderem vom Erzbischof von Trient, Lauro Tisi, zelebriert wird.

Am vorigen Sonntag war vom Gletscher auf der Nordseite der Marmolata ein massiver Brocken abgebrochen und zusammen mit Wasser und Geröll mit einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern ins Tal gestürzt. Dabei erwischte er die Alpinisten, die auf dem normalen Weg unterwegs waren und riss einige von ihnen mit. Laut Experten waren die hohen Temperaturen der vergangenen Tage und Wochen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen, ein Grund für das Unglück.

Was bisher berichtet wurde: Tag der Trauer im Fassatal

20 Einsatzkräfte samt Hundestaffel haben heute erneut die Abbruchstelle auf der Marmolata nach dem verheerenden Eissturz am 3. Juli abgesucht. Immer noch gilt eine Person als vermisst. Die Aussicht, dass die Suchmannschaften sie lebend finden, ist verschwindend gering.

Bislang gibt es zehn Todesopfer. Neben den drei Wanderern aus dem Veneto Filippo Bari, Paolo Dani und Tommaso Carollo wurden die Trentiner Alpinistin Liliana Bertoldi und die beiden tschechischen Touristen Pavel Dana und Martin Ouda identifiziert.

Um die Unversehrtheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten, werden Doppler-Radargeräte und interferometrische Messmethoden angewandt. Dadurch sollen eventuelle Bewegungen des Gletschers im Vorfeld erkannt werden, berichtet Alto Adige online. Die Überwachung erfolgt über die Einsatzzentrale in Canazei. Dort befinden sich auch Notfallpsychologen zur Betreuung der Angehörigen.

Bei der Suche stehen die Bergrettung aus Trient, die nationale Bergrettung sowie die Bergrettung der Finanzwache mit zwei Hundestaffeln im Einsatz – ebenso wie Hundestaffeln der Carabinieri, Vertreter des Ausbildungszentrums der Staatspolizei in Moena, die Freiwillige Feuerwehr vom Fassatal und die Berufsfeuerwehr von Trient.

Auch mit Drohnen wird die Abbruchstelle überflogen. Derzeit herrschen ideale Wetterbedingungen, um die Suchaktion durchzuführen. In Canazei im Fassatal wird unterdessen am heutigen Samstag ein Trauertag begangen. Um 18.00 Uhr wird eine Schweigeminute eingelegt, um der Verunglückten zu gedenken.

Geschäfte und Lokale schließen ihre Tore. Die Bischöfe von Trient und Vicenza halten eine Trauerzeremonie ab.

Von: mk

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Marmolata: Elftes Todesopfer geborgen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Zugspitze947
30 Tage 4 h

Hoffentlich hat das Hoffen und Bangen für die Angehörigen der Opfer bald ein Ende und man kann die Toten endlich würdevoll beerdigen 😢

wpDiscuz