Trump pfeift seinen Außenminister zurück

Trump nennt Gespräche mit Nordkorea “Zeitverschwendung”

Sonntag, 01. Oktober 2017 | 19:44 Uhr

Im Nordkorea-Konflikt hat US-Präsident Donald Trump neu aufgekeimte Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung wieder zunichtegemacht. Trump bezeichnete direkte Verhandlungen mit Pjöngjang über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm am Sonntag als Zeitverschwendung. Er wandte sich damit im Kurzbotschaftendienst Twitter direkt gegen seinen Außenminister Rex Tillerson, der Gespräche ausloten wollte.

Trump erklärte auf Twitter mit Blick auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, Tillerson “verschwendet seine Zeit zu versuchen, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln”. “Spar dir deine Energie, Rex, wir werden tun, was getan werden muss”, fügte Trump hinzu. Er ließ offen, welche Maßnahmen das sein könnten. In den vergangenen Wochen drohte er Nordkorea wiederholt mit einem Militärschlag. In einer Rede vor den Vereinten Nationen sprach er von der “totalen Vernichtung” des Landes, falls es die USA oder einen ihrer Verbündeten angreifen sollte.

Tillerson hatte am Wochenende bei einem Besuch in Peking erneut deutlich gemacht, dass er auf Gespräche mit Nordkorea setzt. Es gebe “Kommunikationskanäle nach Pjöngjang”, sagte er. “Wir können mit ihnen reden, und wir reden mit ihnen.”

Allerdings räumte eine Sprecherin seines Außenministeriums später ein, dass es bisher keinen Hinweis darauf gebe, dass Pjöngjang gesprächsbereit sei. Trotz Zusicherungen der USA, Machthaber Kim nicht stürzen zu wollen, hätten ranghohe nordkoreanische Funktionäre bisher nicht erkennen lassen, dass sie an Gesprächen über atomare Abrüstung “interessiert oder dazu bereit” seien.

Nach Trumps Tweet betonte ein US-Regierungsvertreter, dass der Präsident nur derzeit nicht an Verhandlungen mit Nordkorea glaube. Wegen der nordkoreanischen Provokationen sei nämlich jetzt nicht die Zeit, um zu verhandeln. Die diplomatischen Kanäle würden genützt, um die Freilassung von US-Amerikanern zu erreichen, die sich in der Gewalt Nordkoreas befänden.

Die US-Regierung hat im Konflikt mit Nordkorea wiederholt erklärt, dass eine “militärische Option” auf dem Tisch bleibe. US-Präsident Donald Trump drohte dem Land kürzlich sogar mit “vollständiger Vernichtung”. Doch in Washington sind ranghohe Regierungsmitarbeiter überzeugt, dass ein militärisches Eingreifen auf der koreanischen Halbinsel kompliziert und gefährlich wäre – auch weil die dicht besiedelte südkoreanische Hauptstadt Seoul in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie liegt.

Tillerson gilt als Vertreter einer Politik der “friedlichen Druckausübung” auf Pjöngjang über verschärfte Strafmaßnahmen des UNO-Sicherheitsrats sowie über die verstärkte Einbindung Chinas bei der weiteren Isolierung Nordkoreas.

Tillerson zufolge ist die US-Regierung jedoch nicht auf eine Vermittlertätigkeit Chinas angewiesen. Washingtons Diplomaten verfügten über ihre eigenen Möglichkeiten zum Dialog mit Nordkorea, sagte er in Peking. “Wir sind nicht im Dunkel, im Blackout, wir haben zwei, drei Kanäle nach Pjöngjang offen.”

Eine Reihe von harten Sanktionen wurden von der internationalen Gemeinschaft bereits gegen Pjöngjang verhängt. Die nordkoreanische Führung gibt sich bisher aber gänzlich unbeeindruckt: Am 3. September nahm Pjöngjang seinen bisher stärksten Atomwaffentest vor. Zudem testet das ostasiatische Land regelmäßig Raketen und verletzt damit Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

China, der wichtigste Verbündete Nordkoreas, will die Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang mit Angeboten zum Dialog koppeln. Ein von Peking vorgeschlagener und von Moskau unterstützter Plan sieht vor, dass Nordkorea seine Atomwaffenprogramme aussetzt und im Gegenzug die USA ihre großen Militärmanöver in der Region einstellen.

Von: apa