Italiens Innenminister Salvini will seine Meinung nicht ändern

UN-Appell an Rom: Flüchtlingsschiff anlegen lassen

Sonntag, 27. Januar 2019 | 03:17 Uhr

Die Vereinten Nationen haben den Druck auf Italien wegen eines blockierten Rettungsschiffs mit 47 Migranten an Bord erhöht. In einer gemeinsamen Erklärung forderten mehrere UN-Organisationen, dass die Migranten, die auf dem Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch vor Sizilien festsitzen, “unverzüglich” in Italien von Bord gehen dürfen.

“Die Situation an Bord ist kritisch”, teilten die Internationale Organisation für Migration (IOM), das Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie das Kinderhilfswerk Unicef am Samstag mit. Einige Menschen seien dem kalten Wetter ausgesetzt, da es im inneren des Schiffes nicht genügend Platz für alle gebe. An Bord seien 13 Minderjährige.

“Daher ist es dringend erforderlich, dass die Migranten und Flüchtlingen auf der “Sea-Watch 3″ unverzüglich am nächstgelegenen Hafen von Bord gehen dürfen”, hieß es. Die “Sea-Watch 3” hatte die Migranten am 19. Jänner vor Libyen aufgenommen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini wies dies zurück. “Ich ändere meine Meinung nicht. Italienische Häfen bleiben geschlossen”, sagte er. Die populistische Regierung in Rom verbietet privaten Rettungsschiffen seit Monaten, in den Häfen des Landes anzulegen.

Die Menschen an Bord seien erschöpft, sagte Sea-Watch-Sprecherin Federica Mameli. Ernste medizinische Notfälle gebe es zwar nicht. Viele der Geretteten seien aber traumatisiert von Folter in libyschen Gefängnissen, teilte die Organisation mit.

Wegen schlechten Wetters durfte das Schiff am Freitag in italienische Gewässer fahren und liegt nun vor dem Hafen von Syracus. Die Erlaubnis, dort anzulegen, erhielt das Schiff nicht.

Italien will die Niederlanden aufrufen, dem Rettungsschiff “Sea Watch 3” mit 47 Migranten an Bord die niederländische Flagge zu entziehen. “Wenn die niederländische Regierung nicht in der Lage ist, Schiff mit der nationalen Flagge zu kontrollieren, ist dies ein gravierender Fall”, sagte Salvini am Samstag.

Salvini bestätigte Pläne, Ermittlungen gegen die Crewmitglieder der “Sea Watch 3” wegen Beihilfe zur Schlepperei aufzunehmen. Er prüfe, ob Ermittler an Bord des Schiffes gehen können, um eine Untersuchung gegen die Crewmitglieder zu starten. “Die Crewmitglieder helfen de facto den Schleppern”, sagte Salvini nach Medienangaben.

Von: apa