Der "alte" Papst sparte nicht mit Kritik am "neuen"

Vatikan gab Brief von Benedikt um Kritik verkürzt wieder

Sonntag, 18. März 2018 | 09:32 Uhr

Der Vatikan hat eingeräumt, einen lobenden Brief Benedikts XVI. über eine Publikation zur Theologie von Franziskus verkürzt wiedergegeben zu haben. Nach Vermutungen mehrerer Journalisten, der Vatikan habe einen wesentlichen Absatz unterschlagen, wurde am Samstagabend schließlich eine vollständige Kopie des Schreibens veröffentlicht. Darin übte der Vorgänger Franziskus’ Kritik an der Publikation.

Das berichtete die Kathpress am Sonntag unter Berufung auf das vatikanische Mediensekretariat. Schon zuvor hatte der Medien-Präfekt Dario Vigano mit der Verbreitung eines manipulierten Fotos des betreffenden Briefs Fragen aufgeworfen.

Mit dem Schreiben lehnt Benedikt XVI. eine von ihm erbetene theologische Einleitung zu der Buchreihe ab. Bisher zitierte Vigano dazu einen Absatz, in dem der fast 91-jährige emeritierte Papst geltend macht, er habe die elf kurzen Bände nicht gelesen und könne dies “auch aus physischen Gründen” in nächster Zeit nicht tun.

Nach der jetzt vollständig bekannten Fassung äußert Benedikt XVI. aber auch “Überraschung” über die Beteiligung des früheren Tübinger Dogmatikers Peter Hünermann an der Publikation. Während seines Pontifikats sei Hünermann durch “antipäpstliche Initiativen” aufgefallen, schreibt Benedikt XVI.

Das Päpstliche Mediensekretariat erklärte am Samstag, von dem Brief habe man nur so viel bekanntgemacht, wie man für “angemessen” gehalten habe. Der an den Präfekten Vigano adressierte Brief sei auch “vertraulich”. Ausgelassen habe man “einige Anmerkungen zu Autoren der Reihe”.

Bei der Präsentation der elfteiligen Buchreihe am Donnerstag hatte Vigano einen Auszug des Schreibens schriftlich verbreitet. Darin rühmt der emeritierte Papst seinen Nachfolger Franziskus als “Mann von tiefer philosophischer und theologischer Bildung” und betont die “innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten”. Lediglich mündlich trug Vigano einen zweiten Absatz vor, in dem Benedikt XVI. seine Absage einer theologischen Einleitung damit begründet, er wolle sich nicht zu Büchern äußern, die er nicht gelesen habe, und könne dies “auch aus physischen Gründen” in nächster Zeit nicht tun.

Unter anderem der Vatikan-Journalist Sandro Magister hatte in einem Blog die Vermutung geäußert, es gebe einen dritten Absatz, in dessen Licht der Brief einen anderen Sinn erhalte. Magister berief sich auf eine “unanfechtbare” Quelle.

Von: apa